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10.04.2017

14:44 Uhr

Studie zur Mediennutzung

Deutsche vertrauen der Presse wieder mehr

VonChristoph Herwartz

Pegida, Trump, Erdogan, Fake-News: Die großen Medien-Debatten der vergangenen Monate haben das Vertrauen in die Medien nicht erschüttert – die Glaubwürdigkeit wurde sogar gestärkt. Das sagen Forscher der Uni Würzburg.

DüsseldorfLaut einer Studie der Universität Würzburg vertrauen die Deutschen den Medien so sehr wie seit Jahren nicht mehr. In einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der EU-Kommission, die von der Universität Würzburg ausgewertet wurde, antworteten 55,7 Prozent der Befragten, dass sie der Presse vertrauen. Das ist der höchste Wert seit dem Jahr 2000, in dem die Daten zum ersten Mal erhoben wurden. Der Befragungszeitraum war im November 2016.

Studienleiter Kim Otto sagte dem Handelsblatt, die gestiegenen Werte hätten mit Diskussionen über die Pressefreiheit in der Türkei, über Donald Trumps Umgang mit Journalisten und über Fake-News zu tun: Die Debatten zeigten den Bürgern, wie wichtig Journalisten für die Demokratie sind: „Sie überprüfen die Fakten und liefern damit valide Informationen für den öffentlichen Diskurs. Sie üben Kritik an der Regierung und kontrollieren sie“, sagte Otto. „Das scheint dem Präsidenten der USA sowie dem türkischen Staatspräsidenten nicht zu gefallen. Es ist aber eine wichtige Funktion der Journalisten, und die Bürger nehmen gerade das durch aktuelle öffentliche Diskussionen wahr.“

Die Deutschen vertrauen wieder mehr auf die Informationen, die sie über die Medien erhalten.

Mediennutzung

Die Deutschen vertrauen wieder mehr auf die Informationen, die sie über die Medien erhalten.

Im Jahr 2015 seien die Pegida-Demonstrationen ein großes Thema gewesen, bei denen der Vorwurf einer durch die Politik gesteuerten „Lügenpresse“ erhoben wurde. Dann seien aber viele Pegida-Anhänger selbst in den Medien zu Wort gekommen. Das habe bewirkt, so Otto, dass auch Bürger aus dem rechten Spektrum verstanden hätten, dass der Vorwurf haltlos ist.

Die Studie unterscheidet zwischen Presse, Fernsehen und Radio. Bei allen stieg das Vertrauen. Die Presse schneidet mit 55,7 Prozent am schlechtesten ab, aber besser als je zuvor. Das Fernsehen liegt mit 60,5 Prozent so gut wie zuletzt 2004, den besten Wert erzielt das Radio mit 67,8 Prozent.

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Das Medienvertrauen ist laut Studie bei allen Altersgruppen gestiegen, am stärksten in der Gruppe der Menschen über 75 Jahren, wo es ohnehin hoch ist. Jüngere Menschen sind eher skeptisch. So vertrauen nur 50 Prozent der 25- bis 44-Jährigen der Presse.

Im Westen ist das Vertrauen höher als im Osten. Menschen, die sich im politischen Spektrum rechts verorten, haben weniger Vertrauen als Menschen, die sich links oder in der Mitte sehen.

Für die Umfrage befragte das Institut TNS Infratest in Deutschland 1531 Menschen im Alter ab 15 Jahren. Die gleiche Befragung wird seit dem Jahr 2000 regelmäßig und parallel in allen EU-Mitgliedstaaten durchgeführt. Auftraggeber ist die EU-Kommission. Die detaillierte Auswertung hat die Universität Würzburg unter diesem Link veröffentlicht.

Kommentare (7)

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Novi Prinz

10.04.2017, 15:02 Uhr

Wie kann man etwas stärken , was vor Kraft kaum laufen kann ?
Die Abo Zahlen steigen und steigen , das ist der Maßstab !

Herr Werner Müller

10.04.2017, 15:08 Uhr

...wer versucht denn hier, das sinkende Schiff mit fakenews aus zweifelhaften und tendenziösen Quellen noch zu retten??? Die Medien sind sowas von gleichgeschaltet, nachdem wir in den letzten Jahren die GroKo genießen, dass ich dieses mediale treiben nur noch mit der Berichterstattung in der ehemaligen DR vergleichen kann....

Herr Tomas Maidan

10.04.2017, 15:12 Uhr

Objektiv betrachtet, ist die deutsche Presselandschaft ja auch weit besser, als in vielen anderen Ländern. Die Lokalzeitungen kämpfen zwar mit wirtschaftlichen Problemen, berichten aber konkret und vielfältig über Geschehnisse direkt vor Ort. Wie viel Ärger gab es in welchem Flüchtlingsheim? Die Lokalredaktionen berichten durchaus.

Die überregionalen Zeitungen haben einen hohen Anspruch an ihre Qualität. Und ARD und ZDF, mitsamt der umfangreichen Radio-Programme, bieten einen Gebühren finanzierten professionellen Journalismus. Eine Anne Will braucht sich nicht noch ein paar Euro nebenbei dazu verdienen, indem sie sich von Lobbyisten bezahlen lässt. das läuft in anderen Ländern deutlich schlechter. Alles zusammen genommen, stehen deutsche Medien weltweit ziemlich gut da.

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