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07.01.2011

14:50 Uhr

Studium und Beruf

Universitäten sind nur schlecht auf Teilzeit-Studenten vorbereitet

VonBarbara Gillmann

Gut ein Viertel der rund zwei Millionen Studenten in Deutschland studiert in Teilzeit. Die Hochschulen kümmern sich bisher jedoch herzlich wenig um diese Klientel und ihre Bedürfnisse. Dort gilt der Vollzeitstudent noch immer als Norm. Nun fordert der Stifterverband ein Umdenken und eine bessere Vereinbarkeit von Studium und Beruf oder Job.

In puncto Teilzeitstudium haben die meisten Universitäten Nachholbedarf. Quelle: dpa

In puncto Teilzeitstudium haben die meisten Universitäten Nachholbedarf.

BERLIN. Nach den Daten des Studentenwerks arbeiten 27 Prozent der Studierenden in der Erstausbildung nebenher mehr als 17 Stunden pro Woche - und sind daher de facto Teilzeit-Studenten.

Nicht einmal fünf Prozent jener rund 8 500 Studiengänge, die zu einem ersten Hochschulabschluss führen, sind für das Teilzeitstudium vorgesehen. Bei den weiterführenden Studiengängen, die in der Regel auch für Berufstätige angeboten werden, liegt der Anteil lediglich bei sieben Prozent, wie der Stifterverband auf der Basis von Daten der Hochschulrektorenkonferenz errechnete. Das widerspricht dem politischen Ziel, die Akademikerquote möglichst zu erhöhen.

Jeder Fünfte bricht sein Studium ab

"Im Prinzip bieten die Hochschulen noch immer nur ein Format für alle an", kritisiert Volker Meyer-Guckel, Geschäftsführungsmitglied des Stifterverbands. "Das steht in krassem Widerspruch zu den Sonntagsreden über die zunehmende Heterogenität der Studierenden." Der Verband fordert, "das Problem endlich ernst zu nehmen und entsprechende Angebote zu machen".

Das Problem ist nicht trivial: Die Schwierigkeit, Studium und (Neben-)Job unter einen Hut zu bringen, ist einer der Hauptgründe dafür, dass in Deutschland gut jeder Fünfte sein Studium abbricht. Nach der jüngsten Absolventenbefragung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) geben 19 Prozent der Abbrecher finanzielle Probleme als Grund an. "Dahinter verbergen sich zunehmend Probleme, eine zum Lebensunterhalt notwendige Erwerbstätigkeit und das Studium miteinander zu verbinden", heißt es bei HIS.

Unter den Hochschulrektoren ist das Thema bislang noch relativ "unterbelichtet", räumen Insider freimütig ein. Immerhin ist das Problem erkannt: So hat die Hochschulrektorenkonferenz unlängst eine Arbeitsgruppe eingerichtet und will noch in diesem Jahr Empfehlungen für ihre Mitglieder verabschieden.

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