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14.03.2012

18:04 Uhr

„Stück aus dem Tollhaus“

Spahns Vorstoß für PKV-Reform sorgt für Empörung

VonPeter Thelen

Die private Krankenversicherung solle für alle Bürger geöffnet werden - das forderte Jens Spahn. In der CSU und beim PKV-Verband löste der gesundheitspolitische Sprecher damit statt Begeisterung nur helle Empörung aus.

Der CDU-Politiker Jens Spahn. picture-alliance/ ZB

Der CDU-Politiker Jens Spahn.

Berlin Die Forderung des gesundheitspolitischen Sprechers der Unionsfraktion Jens Spahn, die private Krankenvollversicherung für alle Bürger zu öffnen, hat Befremden beim PKV-Verband und helle Empörung in der Union ausgelöst. CSU-Gesundheitsexperte Max Straubinger sprach von einem „Stück aus dem Tollhaus“ das Spahn völlig unabgestimmt zur Aufführung bringe. „Die CSU wird niemals zulassen, dass das einzige Krankenversicherungssystem, das ohne Zuschüsse auskommt, ausgehungert wird“, sagte Straubinger und verwies auf den Steuerzuschuss an die gesetzlichen Kassen von derzeit 14 Milliarden Euro.

KV-Chef Volker Leienbach warf  Spahn vor „unser gut funktionierendes Gesundheitssystem in Frage zu stellen. „Dessen gute Versorgung  kann nur mit Hilfe des stabilen Finanzbeitrags der PKV gesichert werden“, sagte er. Deutschland habe im internationalen Vergleich die kürzesten Wartezeiten und den besten Zugang zu Fachärzten. „Wer dies aufs Spiel setzen will, tut den Menschen keinen Gefallen.“ Das Zwei-Säulensystem aus GKV und PKV habe sich bewährt und stelle eine hohe medizinische Versorgungsqualität für alle 82 Millionen Bürger sicher. Daran zu rütteln, wäre grob fahrlässig.

Auch Straubinger warnte davor, die Abgrenzung zwischen PKV und GKV in Frage zu stellen. Diese Friedensgrenze sei gut ausbalanciert, so Straubinger. Wer die PKV für alle öffne, wie Spahn das wolle, werde vor allem bewirken, dass gesunde und gut verdienende gesetzlich Versicherte in Scharen in die PKV wechseln werden.

Derzeit können nur Beamte, Selbstständige und Besserverdiener in die PKV. Die SPD hatte in der großen Koalition versucht, das zu ändern, war aber an der Union gescheitert. Nun kündigte Spahn gegenüber der Welt  an, die Unions-Gesundheitsexperten  wollten nach Ostern  über das Thema beraten. „Davon weiß bislang außer Herrn Spahn niemand“, sagte dazu Straubinger. Spahn  hatte außerdem darauf hingewiesen, dass die private Krankenversicherung immer stärker in finanziellen Probleme geraten würde.

Leienbach wies das zuück. „Die Behauptung von Herrn Spahn, die PKV habe existenzielle Probleme, ist objektiv falsch. Nur die PKV ist auf die demografische Alterung der Gesellschaft vorbereitet und hat dafür rund 170 Milliarden Euro Kapitalstock gebildet. Sie hat heute mehr Versicherte als jemals zuvor und gewinnt Jahr für Jahr immer neue hinzu.“ Mit seinem Vorpreschen verstoße Spahn im übrigen inhaltlich gegen das eigene Wahlprogramm seiner Partei sowie gegen den Koalitionsvertrag. Das sei leider zutreffend, sagte dazu Straubinger.

Kommentare (1)

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oskar

31.03.2012, 13:57 Uhr

Sehr verehrte PKV-Vertreter bzw. -Makler, die Sie in den Foren so unermüdlich Werbung für die PKV machen:

Bevor ich noch einmal einem Ihrer Zunft die Tür öffne und Ihnen durch meine Gutgläubigkeit tausende von Provisons-Euro in den Rachen werfe, schenke ich das Geld lieber einem Obdachlosen und schließe KEINE, wie auch immer geartete, Versicherung ab.

Ich bin vor einigen Jahren auf einen Makler hereingefallen und zur PKV gewechelt. Seither habe ich nichts außer Ärger.
So hat die Versicherung einige Zeit nach Vertragsbeginn durch sofortigen Rücktritt vom Vertrag (bei selbstverständlich gleichzeitger weiterer Abbuchung der Beiträge) versucht, von mir einen nicht unerheblichen Risikozuschlag zu erzwingen. Obwohl ich die betreffende Vorerkrankung angegeben hatte.
Aufgrund dieser Erfahrung gehe ich trotz akutem Bedarf eigentlich gar nicht mehr zum Arzt, auch nicht zur Krebsvorsorge.
Der Beitrag ist außerdem innerhalb von 4 Jahren um fast 50 % gestiegen. Trotz deutlicher Erhöhung der Selbstbeteiligung.
Wenn ich die Steigerungsquote hochrechne, zahle ich bei Renteneintritt etwa viermal soviel KV, wie ich Rente erhalte.
Ein Wechsel nach § 204 in einen günstigeren Tarif ist mir trotz mehrerer Anläufe bisher nicht geglückt. Die Sachbearbeiter und Juristen des Versicherers sind halt bestens geschult.
Der Basistarif stellt keine Alternative dar, weil man kaum Ärzte findet, die einen für die niedrigeren Abrechnungssätze behandeln.

Vielen Dank an die Versicherungsmakler, die genau wissen, wie sie die Kunden in die Falle locken.
Und vielen Dank auch an die Politiker, die den Versicherern die Macht geben, ihre Bestandskunden nach Strich und Faden auszunehmen.
Die Jubelmeldung, dass die PKV im Gegensatz zur GKV so gänzlich ohne staatliche Zuschüsse auskäme beruht nach meinem Empfinden auf Lug, Betrug und Erpressung der "Zwangskunden".

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