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07.04.2015

14:50 Uhr

Sturmgewehr G36

„Kungelei mit Rüstungsindustrie ist peinlich“

Die Linke fordert einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, um die Affäre um das mangelhafte Sturmgewehr G36 aufzuklären. Die Partei wirft dem Verteidigungsministerium vor, „jeden Ramsch“ zu kaufen.

Nach jahrelangen Untersuchungen hat Verteidigungsministerin von der Leyen in der vergangenen Woche massive Probleme bei der Treffsicherheit ihres Standardgewehrs G36 eingeräumt. dpa

Das Sturmgewehr G36

Nach jahrelangen Untersuchungen hat Verteidigungsministerin von der Leyen in der vergangenen Woche massive Probleme bei der Treffsicherheit ihres Standardgewehrs G36 eingeräumt.

BerlinDie Opposition will sich bei der Aufklärung der Affäre um das mangelhafte Sturmgewehr G36 nicht auf Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verlassen. Linke-Chef Bernd Riexinger fordert einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der auch andere Rüstungsprojekte unter die Lupe nehmen soll. „Die Kungelei mit der Rüstungsindustrie ist so peinlich wie offenkundig“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Die Grünen schließen einen Untersuchungsausschuss nicht aus, wollen von der Leyen aber zunächst im Verteidigungsausschuss befragen. Beide Oppositionsfraktionen haben zusammen genug Stimmen, um eine parlamentarische Untersuchung einzuleiten.

Die Mängelliste der Bundeswehr

Kampfhubschrauber

Von den 31 TIGER-Kampfhubschraubern stehen dem Heer derzeit nur 10 zur Verfügung

Transporthubschrauber

Nur 8 von 33 NH90-Transporthubschrauber sind aktuell einsatzbereit

Kampfjets

Der sogenannte Buchbestand an EUROFIGHTER-Kampfjets liegt bei 109, davon sind theoretisch 74 verfügbar, aber nur 42 einsatzbereit.

Marine

Bei der Hubschrauberflotte der Marine sieht es besonders düster aus. Nur 3 von 15 Hubschraubern des Typs SEA KING könnten derzeit abheben. Bei den SEA LYNX sind es 4 von 18.

Fahrzeuge

Bei allem, was Räder hat, sieht es besser aus. Von den 180 gepanzerten BOXER-Transportfahrzeugen könnten aktuell nur 70 in einen Einsatz geschickt werden.

Die Ministerin will das Heft des Handelns aber nicht aus der Hand geben und eine Kommission einsetzen, die den Umgang mit den G36-Problemen untersuchen soll.

Von der Leyen hatte in der vergangenen Woche mangelnde Treffsicherheit der Standardgewehre eingeräumt, von denen die Bundeswehr in den vergangenen 20 Jahren 176.000 gekauft hat. Erste Hinweise auf die Präzisionsprobleme gab es aber schon 2012 - unter von der Leyens Vorgänger Thomas de Maizière (CDU).

Riexinger hält die bisherigen Aufklärungsbemühungen von der Leyens für einen „Schuss in den Ofen“. „So sehr sich Frau von der Leyen auch bemüht, die blickdichten Vorhänge in der Wohngemeinschaft des Verteidigungsministeriums und der Rüstungsindustrie gegen Lamellenjalousien zu tauschen, es ist zu spät“, sagte er.

Kommentare (2)

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Herr Joly Joker

07.04.2015, 12:35 Uhr

Alles haut auf die jeweiligen Minister ein. Das ist nicht falsch aber unvollständig. Gehen wir doch mal ins Eingemachte. Wer ist denn in den letzten 60 Jahren zur Bundeswehr als Berufssoldat gegangen?! Meist jene , die sonst keine Chance mehr gehabt hätten. Ich habe diese Menschen als W15 kennengelernt. Versoffen, demotiviert und mangelhaft qualifiziert. ich habe einem Uffz der es nicht zum Stuffz gebracht hat noch Tips zum Lesen und schreiben gegeben. Und der war nicht der einzige mit erheblichen Problemen des Schulstoffes aus den ersten 4 Jahren. Diese und ähnliche Typen sitzen dann irgendwann in Positionen mit Vertragsverantwortung. Ein gefundenes Fressen für die Vertragsjuristen der Industrie. Und dass dort gekungelt wird ist doch seit Jahren offensichtlich. Das fing doch schon bei Strauß und seinem STARFIGHTER an. Dann ist immer zu berücksichtigen, dass Politiker wirtschaftliche Interessen der dt. Industrie berücksichtigt haben wollten und heute noch wollen. Und die Politik gibt seit Jahren keine klare Strategie für die Bundeswehr vor. Als ich beim Bund war Anfang der 70iger, da gab es keine Möglichkeit, die LKW -Anhänger der NATO -Länder an die Zugmaschienen anderer NATO Länder anzukoppeln. Das galt auch für die Räder. Wir regen uns zu Recht auf - aber es liegt noch mehr im Kleinen. Und da sollte es uns nicht wundern, wenn es bei KOMPLEXEN Beschaffungen knallt. Und völlig durchgeknallt ist es eine Unternehmensberatung zu beauftragen die Fähigkeiten einer Waffe zu prüfen. Was für ein BWTrottel hat das denn veranlasst?

Herr adam gutwein

07.04.2015, 13:41 Uhr

Mindesten 19 andere Staaten kungeln auch mit H&K und kaufen Ramsch. Das ist der Linken besonders peinlich, denn wenn es um Geschäfte mit dem Tod geht, scheinen nur hochwertige Produkte, vor allem aus Russland, akzeptabel.
Über die Beschaffung entscheiden übrigens nicht die W15er. Meistens entscheiden Beamte mit Abitur, oft auch mit Studium, beraten von Offizieren, ebenfalls mit Abitur und Studium. Unter der Vorgabe, dass es ein deutsches Gewehr, in Deutschland hergestellt, sein muss.
Die Kritik am G36 kommt übrigens schon eher von "Experten" mit dem Bildunghintergrund, den JolyJoker beklagt. Experten, die vor allem auf dicke Wummen stehen, denen man wirklich besser eine AK47, statt Präzisionsgewehre in die Hand drücken sollte.
Das G36 ist heute ca. 20 Jahre im Einsatz. Heute gibt es tatsächlich bessere Gewehre. Es gibt aber vor allem auch schlechtere Gewehre im Einsatz. Mir fällt kein relevanter Gegner ein, der aktuell ein besseres Gewehr eingeführt hat. Gegen die Schweizer führen wir wohl keinen Krieg, oder?

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