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22.06.2014

10:27 Uhr

Sturmwaffe in der Kritik

Beschaffungsstopp für „Pannengewehr“ G36

Das Ministerium verhängt einen Beschaffungsstopp für das Sturmgewehr G36 aus der Waffenschmiede Heckler&Koch. Der Verdacht: Es ist nicht richtig treffsicher. Fieberhaft wird nun nach der Ursache geforscht.

Gewehre vom Typ G36 von Heckler&Koch sollen sich unter bestimmten Bedingungen als unzuverlässig erweisen. dpa

Gewehre vom Typ G36 von Heckler&Koch sollen sich unter bestimmten Bedingungen als unzuverlässig erweisen.

BerlinDas Bundesverteidigungsministerium hat nach Informationen der Zeitung „Bild am Sonntag“ einen Beschaffungsstopp für das Sturmgewehr G36 verhängt und lässt das Standardgewehr der Bundeswehr neu untersuchen. Auslöser sei ein Bericht des Bundesrechnungshofs, in dem die Treffsicherheit des G36 angezweifelt wird.

In Absprache mit dem Bundesrechnungshof prüfe die Bundeswehr mit Forschern des Ernst-Mach-Instituts, dem Bundeskriminalamt und Munitionsherstellern die Ursachen der mangelnden Zielgenauigkeit des Gewehrs, berichtet das Blatt.

Bis zum Abschluss der Tests bestelle die Truppe keine G36 mehr. Der Bundesrechnungshof wird mit den Worten zitiert: „Es gilt zu vermeiden, dass das Verteidigungsministerium bis zu 34 Millionen Euro in ein Gewehr investiert, das möglicherweise den Anforderungen der Truppe nicht genügt.“

In welche Länder deutsche Waffen exportiert werden

Platz 10

Frankreich - 146,6 Millionen Euro*

Mit den Franzosen ist Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg auch militärisch eng verbunden. Die deutsche Rüstungsindustrie liefert dem Nachbarn fast alles - von Maschinengewehren und Munition über Panzer bis zu Schleudersitzen und Hubschraubersimulatoren. Insgesamt sinken die Exporte nach Frankreich aber.

*Wert der erteilten Einzelgenehmigungen im Jahr 2013. Quelle: Rüstungsexportbericht der Bundesregierung 2013

Platz 9

Singapur - 206 Millionen Euro

Der südostasiatische Stadtstaat gehörte 2013 unter den so genannten Drittstaaten zu den wichtigsten Käufern deutscher Waffen. Zwei Drittel der Importe sind gepanzerte Fahrzeuge, darunter Brückenlegepanzer und Pionierpanzer. Aber auch deutsche Navigationsausrüstung ist dort gefragt.

Platz 8

Südkorea - 207 Millionen Euro

Der ständig schwelende Konflikt mit dem nördlichen Bruderstaat macht Südkorea zum wichtigen Absatzmarkt. Neben der US-Rüstungsindustrie verkaufen auch die Deutschen dort etliche Waffensysteme, unter anderem Panzer, U-Boote und Flugabwehrsysteme.

Platz 7

Großbritannien - 257,8 Millionen Euro

Den Großteil der deutschen Waffenexporte an die Briten machen so genannte „unfertige Erzeugnisse“ aus - also Bauteile, die durch die britische Rüstungsindustrie weiterverarbeitet werden. Aber auch Handfeuerwaffen, Hubschrauber- und Kampfflugzeuge und Fallschirme werden auf die Insel verkauft.

Platz 6

Israel - 266,5 Millionen Euro

Wegen anhaltender Raketenangriffe auf Grenzstädte bauen die Israelis ihre Luftabwehr aus - auch mit deutscher Hilfe. 73,8 Prozent aller deutschen Waffenexporte nach Israel entfallen auf Flugabwehrsysteme. Auch deutsche Raketen sind gefragt.

Platz 5

Indonesien - 295,7 Millionen Euro

Mit 240 Millionen Einwohnern gehört die südostasiatische Inselgruppe zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt. Mit der deutschen Rüstungsindustrie machte das indonesische Militär im Jahr 2013 lukrative Geschäfte, unter anderem wurden Kampfpanzer, U-Boot-Teile und Kommunikationssysteme in die Region geliefert.

Platz 4

Saudi-Arabien - 361 Millionen Euro

Die Waffenexporte nach Saudi-Arabien wurden besonders scharf kritisiert, weil das saudi-arabische Königshaus mehrere Proteste blutig niederschlagen ließ. Die deutsche Rüstungsindustrie durfte 2013 trotzdem etliche Waffen an die Araber verkaufen, darunter 80.000 automatische Gewehre, aber auch Raketen, Luftaufklärungssysteme und Panzerteile.

Platz 3

USA - 610,7 Millionen Euro

Das größte Militär der Welt setzt ebenfalls auf deutsche Waffen. Die Liste der genehmigten Waffenexporte reicht über zahlreiche Handfeuerwaffen, Panzerhaubitzen und Minensuchbooten bis zu Tauchgeräten und Infrarotausrüstung.

Platz 2

Katar - 673,4 Millionen Euro

Das kleine Emirat Katar hat weniger Einwohner als Hamburg - und davon sind noch etwa 80 Prozent Gastarbeiter. Doch mit den Ölmilliarden hat sich die Herrscherfamilie zum Ziel gesetzt, auf der großen Bühne der Weltpolitik mitzuspielen - auch militärisch. Aus Deutschland wurden dafür im Jahr 2013 Panzerteile, Flugsimulatoren, Radargeräte und Navigationsausrüstung importiert.

Platz 1

Algerien - 825,7 Millionen Euro

Das nordafrikanische Land, das sich über eine Fläche von 2,3 Millionen Quadratkilometern erstreckt, war 2013 der wichtigste Abnehmer deutscher Waffenexporte. In politisch unruhiger Umgebung soll das Militär mit deutscher Hilfe für Stabilität sorgen. Die Millionensumme wurde komplett für Panzer und gepanzerte Lkw und Geländewagen ausgegeben.

Das ARD-Politmagazin „Report Mainz“ hatte am Samstagabend berichtet, dass bei Schießversuchen am 27. März 2014 zwei getestete Sturmgewehre nach veränderten klimatischen Bedingungen ihren mittleren Treffpunkt in Seite und Höhe so sehr veränderten, dass sie nachjustiert werden mussten. Danach trafen die beiden Gewehre zunächst wieder zuverlässig. Als Bundeswehrsoldaten die Waffen in einem weiteren Test durch Schießen erwärmten, zeigten die Gewehre „erneut eine Verlagerung des mittleren Treffpunktes und eine Streukreisaufweitung“, so das Verteidigungsministerium. Die verwendete DAG-Munition beanstandete das Ministerium nicht. Der Sachverhalt werde derzeit „fachtechnisch“ untersucht, heißt es in einer Mittelung von „Report Mainz“.

Der Bundesrechnungshof teilte den Sendungsmachern mit, er untersuche das G36 bereits seit Mitte 2013. Eine Prüfungsmitteilung habe der Bundesrechnungshof dem BMVg nach Ostern 2014 zukommen lassen. Über Inhalt und Umfang der Mitteilung wollte das Ministerium bislang keine Auskunft geben.

Auf Anfrage von „Report Mainz“ teilt der Hersteller des G36, die Firma Heckler & Koch, mit, dass er „leider nicht in der Lage ist, zu angeblichen internen Vorgängen oder Bewertungen der Bundeswehr Stellung zu nehmen“. Heckler & Koch lege Wert auf die Feststellung, „dass der Bundesrechnungshof unser Haus zu keinem Zeitpunkt zu Aktivitäten, welche unsere Produkte betreffen, jemals eingebunden oder kontaktiert hat“.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

23.06.2014, 13:46 Uhr

Das G36 gehört vor Gebrauch in den Kühlschrank - das hat Frau von der Leyen weitsichtig erkannt. Aber wenn man eine kostengünstige UND effektive Lösung sucht, wird man am ende die Kalaschnikow in Erwägung ziehen müssen...

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