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06.03.2013

06:36 Uhr

Stuttgart 21, BER, Elbphilharmonie

„Politisch gewollt kleingerechnet“

VonDietmar Neuerer

ExklusivStuttgart 21 wird gebaut, obwohl die Kosten explodieren. Nur, wer soll das Projekt bezahlen? Für den Steuerzahlerbund steht fest: Politische Extrawürste haben das Vorhaben schon jetzt zum Milliardengrab werden lassen.

Protest gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21. dpa

Protest gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21.

BerlinDie neue magische Zahl lautet jetzt: 6,526 Milliarden Euro. Bis auf die dritte Stelle hinter dem Komma bezifferte Bahnchef Rüdiger Grube seinen Aufsichtsräten die aktuelle Kostenplanung für Stuttgart 21. Und bekam am Dienstag wie erhofft grünes Licht des Kontrollgremiums, den umstrittenen Bahnhofsumbau im Südwesten fortzusetzen - obwohl dafür nun bis zu zwei Milliarden Euro mehr fällig werden dürften. Trotz der Genauigkeit der Kalkulationen sind die Risiken und Nebenwirkungen aber noch nicht gebannt. Denn die ungeklärte Frage lautet nach wie vor: Wer soll das bezahlen?

Immerhin scheint es eine Erkenntnis zu geben – zumindest nach Auffassung des Bundes der Steuerzahler. Der vertritt die Ansicht, dass die Kosten für Bauvorhaben wie Stuttgart 21, die Elbphilharmonie oder den Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) exorbitant ausufern, weil insbesondere die politisch Verantwortlichen versagt haben. "All diese Projekte haben den Makel, dass sie anfangs politisch gewollt kleingerechnet wurden, um einen Goodwill in Politik und Öffentlichkeit zu erzeugen", sagte Verbandspräsident Reiner Holznagel Handelsblatt Online.

Wie die Kosten bei Großprojekten explodieren

Stuttgart 21

Ursprüngliche Planung 1995:     2,45 Mrd. Euro

Zwischenstand 2008:                     2,8 Mrd. Euro

Zwischenstand 2010:                     4,53 Mrd. Euro

Aktuelle Schätzung 2013:           6,8 Mrd. Euro (5,6 Mrd. Euro + 1,2 Mrd. Euro Risiken)

Quelle: Bund der Steuerzahler

Hamburger Elbphilharmonie

Ursprüngliche Planung 2005:     77 Mio. Euro

Zwischenstand 2006:                     114,3 Mio. Euro

Zwischenstand 2008:                     323,3 Mio. Euro

Aktuelle Schätzung 2013:           575 Mio. Euro

Quelle: Bund der Steuerzahler

Flughafen Berlin-Brandenburg (BER)

Ursprüngliche Planung:                2,4 Mrd. Euro

Aktuelle Schätzung:                     mind. 4,3 Mrd. Euro

Quelle: Bund der Steuerzahler

"Fehleinschätzungen und politische Extrawünsche am Bau lassen die Projektkosten dann allzu oft in die Höhe schießen." Der Hauptstadtflughafen und die Elbphilharmonie seien hierfür Paradebeispiele.

"Die Extravaganzen kosten einerseits selbst Geld, machen aber den Bau zusätzlich unnötig teuer, da die Realisierungszeiten weit gestreckt werden", sagte Holznagel weiter. Und Zeit koste nun mal Geld. Am Ende stehe den überteuerten Maßnahmen ein "mangelhaftes Kosten-Nutzen-Verhältnis" gegenüber. "Leidtragende sind die Steuerzahler", kritisierte der Steuerzahlerbund-Chef.

Holznagel reagierte damit auf die Entscheidung, Stuttgart 21 weiterzubauen und den Finanzierungsrahmen zu erhöhen. Der Konzern will notfalls vor Gericht durchsetzen, dass sich das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart an den Mehrkosten beteiligen.

Kommentare (16)

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06.03.2013, 07:10 Uhr

Dieses sinnlose Immobilienprojekt wird durchgezogen zu Lasten der Steuerzahler, denn Viele wollen sich dabei eine goldene Nase verdienen. Wäre auch mal gut zu erfahren, welche Politiker da selbst mit drinstecken und gut nebenbei etwas verdienen wollen mit den freiwerdenden Grundstücken und den darauf zu bauenden Gebäuden!!
Hier wird gemauschelt und der deutsche Michel laufend für dumm verkauft. Ob nun 6 oder 10 oder 15 Milliarden am Ende ist den Zockern doch egal! Bezahlt letzten Endes der dumme Michel!

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06.03.2013, 07:48 Uhr

Egal, wer da letztendlich offiziell die Mehrkosten aufs Auge gedrückt bekommt, am Ende ist es immer der Steuerzahler, egal ob über Bund, Land und Stadt oder als Bahnkunde.

Und wieso ist der Punkt zur Umkehr überschritten? Bis lang ist noch nicht einmal mit dem Aushub oder gar mit dem Tunnelbau begonnen worden. Kann man da keinen Baustop erreichen, zumal schon jetzt fest steht, das sich der Bahnhof wirtschaftlich nicht rechnen läßt?

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06.03.2013, 08:29 Uhr

@ DagmarK,
die alte Regierung wollte das Projekt und die Nachfolgeregierung will das Objekt nicht ändern.
Damit sind sämtliche Parteilfarben direkt inolviert und der Steuerzahler ist zum Zahlen verdammt.

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