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07.01.2012

12:05 Uhr

Stuttgart 21

Die letzten Tage im Protestcamp

Mit einem Camp im Schlossgarten protestieren zwei Dutzend Menschen seit Monaten gegen den Bau von Stuttgart 21. Nun will die Stadt das Protestcamp räumen. Selbst die Demonstranten scheinen erleichtert.

Bald sollen nur noch Strohpuppen die Bäume im Stuttgarter Schlossgarten schützen. dpa

Bald sollen nur noch Strohpuppen die Bäume im Stuttgarter Schlossgarten schützen.

StuttgartIm Stuttgarter Schlossgarten campiert seit Monaten der harte Kern der „Stuttgart 21“-Gegner. Sie wollen vor allem die alten Bäume schützen. Über 170 sollen für das Milliardenprojekt der Bahn weichen. Ab Donnerstag darf niemand mehr in den Park. Wann die Polizei räumen wird, ist aber noch unklar. 

Zwar gibt es im Protestcamp keine Aktionstrainings für den Fall eines Polizeieinsatzes. Aber man spreche sich schon über mögliche Widerstandsformen ab, berichtet Dorfbewohnerin Anke. „Ich überlege vorher ganz genau, wie ich mich verhalten will“, sagt sie. „Um nichts zu machen, was ich später bereue.“ Was genau sie plant, will Anke nicht verraten. Nur so viel: „Ich werde auf jeden Fall friedlich bleiben.“ Vor einem brutalen Polizeieinsatz fürchtet sie sich trotzdem. „Ich habe da schon Angst vor, verletzt zu werden.“ 

Anke ist 27 Jahre alt und ausgebildete Altenpflegerin. Seit neun Monaten verbringt sie Tag und Nacht im Zeltlager, im November vergangenen Jahres hat sie wegen des politischen Engagements ihre Arbeit verloren. Aber sie lächelt nur und sagt: „Es wird Zeit für was Neues.“ In die Altenpflege möchte sie nicht zurück. 

Ihr neues Zuhause ist eine Ansammlung von knapp zwei Dutzend Zelten und wenigen Holzhütten im Park, umgeben von einer Art Stadtmauer aus Transparenten gegen „Stuttgart 21“. In der Mitte ist ein mehrere Meter hoher Mast aufgestellt, an ihm weht eine Fahne für den Erhalt des alten Kopfbahnhofs - und darunter auch eine Flagge mit dem Atomkraft-Nein-Danke-Logo. 20 bis 30 Menschen wohnten im Camp, erzählt Anke. „Es ist schon die Gemeinschaft, die das ausmacht.“ 

Das bunt bemalte Tipi-Zelt dient als Gemeinschaftsraum, in dem bei Kälte auch ein Lagerfeuer gemacht wird. Teilweise wird gemeinsam gekocht, manchmal kommen Leute vorbei und spenden etwa einen Sack Kartoffeln, wie Anke berichtet. 

Das Leben im Protestcamp ist anstrengend: Für das Feuer muss viel Holz gesammelt werden, zum Duschen und Waschen gehen einige wie Anke nach Hause, andere in das nahe gelegene Haus des Caritas-Hilfswerks. Etwas abgelegen steht ein Dixi-Klo, viele Dorfbewohner nutzen aber auch die Toilette im Hauptbahnhof. Elektrizität gibt es nicht, nur auf dem Dach einer Holzhütte produziert eine kleine Solaranlage Strom für die Beleuchtung in der Hütte. 

Die „Stuttgart 21“-Gegner wohnen inmitten der Stadt und doch draußen. Anke berichtet, dass sich auch ihre Kräfte dem Ende zuneigen. Dann sagt sie ganz offen: „Es ist okay, wenn das hier irgendwann rum ist.“ 

Anke ist nicht die Einzige, die so denkt. Auch Parkbesetzer Niko Zahn sagt: „Ich wäre froh, wenn das vorbei ist.“ Das Leben im Camp sei zwar „eine Zeit lang ganz schön, aber auf Dauer sehr anstrengend“. Kampflos aufgeben möchte er das Zeltlager aber nicht. Sollte die Polizei räumen, werde er spontan entscheiden, wie er sich verhalte. Momentan sei er noch „ohne Plan“. 

Das ist derzeit wohl auch die Polizei. Angekündigt war der Einsatz für den 12. Januar, doch die Bahn hat bislang noch keine Erlaubnis für das Fällen der Bäume. Die Polizei will deswegen vorerst nicht anrücken. Die Parkbesetzer stellen sich trotzdem auf ein Ende des Camps ein. „Ich vermute mal, dass die Stadt das durchsetzen wird, wenn der Park nicht voll ist mit Leuten“, sagt Niko Zahn. Sollten mehrere tausende Menschen den Park besetzen, werde die Polizei vermutlich „warten, bis sich das wieder leert“ und kurze Zeit später räumen. 

Viele der Besetzer können anschließend wieder in ihre richtigen Betten fallen. Auch wenn sich Anke danach sehnt, sagt sie: „Ich werde das Camp vermissen.“

Von

dapd

Kommentare (2)

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knoz4

07.01.2012, 13:29 Uhr

Polizeidrecksstaat ! Alles ist LUG und BETRUG !
Die Verträge von S21 sind nicht rechtskräftig, weil sie mit falschen gelogen Zahlen durch die Gremien gewunken wurden.

Im übrigen: In S21 gilt: Verträge müssen eingehalten werden, in Europa ist der Maastricht Vertrag längst gebrochen, weil andere Staaten finanziert werden.
Das heißt, dort machen Politiker trotz Verträge was sie wollen !

LUG ! BETRUG ! ALLES UNGLAUBWÜRDIG !

Es wird Zeit endlich mal einen Politiker zu fangen und ihm MÄCHTIG was in die FRESSE ZU HAUEN. Kanditaten gibts genug !

Wir brauchen ein neues System - im alten System kommen immer die an die Macht, die verlogen, korrupt und absolut unfähhig sind. Für illegale Machenschaften (EnBW) werden die nichtmal bestraft siehe Mappus !

Leute wehrt euch - passiver Widerstand, unser System ist nur noch ein WITZ !

Ihr habt es in der Hand ! Bei der Arbeit keinen Fuß mehr rausreissen, Möglichstviel Bargeld von der Bank abheben !

Politiker friedlich ärgern wo es nur geht !

Friedliche bleiben - aber mithelfen das System zu demontieren !

caaesarenwahn

07.01.2012, 21:52 Uhr

KOMMENTAR AUS STUTTGART DAZU
Etwa 300 zornige Bürger protestieren in Berlin gegen einen raffgierigen Polit-Schmarotzer, der bereits politischen Selbstmord begangen hat und dessen Entsorgung maximal 10 Millionen Euro kostet.
Mehr als 3000 zornige Büger demoNstrieren in Stuttgart gegen nutzlosen s21-Murks, für den 10 - 15 Milliarden Euro verschwendet werden sollen.

Das ganze nennt sich dann Demokratie und wird orchestriert von einer Presse, die sich mit der grassierenden Korruption, dem vorsätzlichen Ausnehmen des Steuerzahlers, den Abbau des Sozialstaates zugunsten der Selbstbedienung der 1% und ihrer willfährigen Gehülfen von Asmussen bis Merkel von Özdemir bis Röstel, von Westerwelle bis zum letzten schwäbischen Landrat nicht auseinandersetzen will.

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