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21.07.2011

20:00 Uhr

Stuttgart 21

Verkehrsministerium zweifelt an Stresstest

ExklusivEin unabhängiges Gutachten stellt dem Stuttgarter Bahnhofsprojekt ein gutes Zeugnis aus. Doch das Landesverkehrsministerium in Stuttgart bezweifelt, dass die Bahn den Test bestanden hat. Die Gegner geben nicht auf.

Deutsche Bahn: Haben Stresstest für Stuttgart 21 bestanden

Video: Deutsche Bahn: Haben Stresstest für Stuttgart 21 bestanden

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Berlin/StuttgartDas Verkehrsministerium in Stuttgart bezweifelt, dass die Bahn den sogenannten Stresstest für den umstrittenen Tiefbahnhof „Stuttgart 21“ bestanden hat. Die Experten sind nach Informationen des Handelsblatts zu einer wenig schmeichelhaften Einschätzung gekommen. „Der Bericht ist in der Diktion eher wohlwollend gegenüber der Bahn“, berichtete ein Mitarbeiter der Leitungsebene.

So verlangten die Gutachter etwa die im Bericht „beschriebene Unstimmigkeiten und kleineren Fehler zu beheben und zur Bestätigung des Gesamtresultats einen weiteren Simulationslauf durchzuführen“.

Auch habe der Gutachter SMA Schwachpunkte „relativiert und heruntergespielt“. So sei etwa der Fahrplan bei der bereits im Schlichtungsverfahren heftig debattierten Wendlinger Kurve schlicht missachtet worden, um einen kostspieligen Ausbau zu vermeiden. Über die sogenannte kleine Wendlinger Kurve können laut Untersuchung zwei Züge pro Stunde und Richtung fahren, das Land fordert in Spitzenzeiten aber drei Züge.

Auch attestiere SMA in den Gutachten „eine Reihe von Taktabweichungen“. Teilweise hätten die Gutachter auch von einem „eher zufälligen System“ gesprochen, etwa bei der Simulation des aus dem Filstal kommenden Zugverkehrs. Für die Beamten stehe damit fest: „Das ist kein Persilschein.“

Der Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, Hannes Rockenbauch, lässt keinen Zweifel an der anhaltenden Protestbereitschaft aufkommen: „Wenn die Bahn AG jetzt weiter ihre Bastapolitik fortsetzt und Fakten schaffen will, zum Beispiel am Südflügel oder an den Bäumen, dann wird es mit der gleichen friedlichen Begeisterung wie im letzten Sommer hier wieder mit den Widerständen weitergehen.“ Schuster kündigte an, dass er in den nächsten Wochen mit den Gegnern den Kontakt suchen werde.

Die Gegner des umstrittenen Bahnprojekts können noch auf die geplante Volksabstimmung hoffen, um das 4,1 Mrd. Euro teure Vorhaben zu Fall zu bringen. Doch dafür stehen die Signale eher auf Rot. Wie werden die nun in die Enge gedrängten Gegner des Projektes reagieren? Die Projektträger befürchten neue Proteste in der Landeshauptstadt.

Kommentare (35)

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POPPER

21.07.2011, 14:25 Uhr

Das Ganze ist ein Witz. Siehe NDS: "Ein „Test“ ist ein Verfahren, um intersubjektiv überprüfbare Aussagen über Eigenschaften eines Untersuchungsobjekts zu gewinnen. Bis dato hatte es nicht den Anschein, dass ein methodisch sauberer und konsensfähiger Test geplant sei. Die Bahn beabsichtigt wohl eher, eine eindrucksvolle Vorführung der Leis­tungs­fähigkeit des Tiefbahnhofs zu machen und danach alle Debatten zu beenden. Methodische Voraussetzung für jede derar­tige Messung ist zunächst die Klärung der Eigenschaften, über welche eine Aussage getroffen werden soll, weiterhin ein Katalog der beobachtbaren Kriterien, aus deren Vorliegen Schlüsse auf das Vorliegen der Eigenschaften gezogen werden können, und schließlich eine intersub­jektiv überprüfbare Methode der Messung mit vorher festgelegten Maßeinheiten. Für den gesunden Menschenverstand ist es nicht einsehbar, dass auf 8 Gleisen mehr Leistung und Qualität möglich sein sollen als auf 16 Gleisen, seit die Züge an beiden Enden Trieb­köpfe haben und das Wenden daher kaum zusätzlichen Zeitaufwand erfordert. Nicht ein optimal funktionieren­der Kopfbahnhof, sondern die derzeitige faktische (re­du­zierte) Leistung wird als Grundlage für den Leistungsvergleich genommen. Falsche Angaben machen und Informationen ver­weigern zu den bestehenden Risiken und voraussichtlichen Kosten des Projekts sowie zum Programm des Tests." Der Stresstest ist eine lächerliche, unwissenschaftliche Hinterlichtung der Öffentlichkeit.

Mein_Kommentar

21.07.2011, 14:42 Uhr

Ich möchte dem Beitrag von Popper noch zwei Punkte anfügen.
1) gefordert war "gute" Betriebsqualität - das ist eine Stufe besser als wirtschaftlich optimale Betriebsqualität.
> Stresstest im Sinne der Schlichtung nicht bestanden!
2) es gibt keinen Durchgangsbahnhof in Deutschland der auch nur annährend den Zugdurchsatz von S21 im Stresstest erreicht.
> Realität sieht anders als Simulation!

Montgomery

21.07.2011, 14:57 Uhr

Na endlich... hoffentlich kann der Bau nun weitergehen. Diesen S 21 Gegnern geht es doch nur ums Prinzip "dagegen sein". Dass sie bei der Vorstellung des Stresstest-Gutachtens nicht im Rathaus dabei sein werden, zeigt welch schlechte Verlierer diese Gegner sind. S 21 Gegner nerven...

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