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19.04.2013

16:54 Uhr

Subventionen für Solarspeicher

„Ein Förderprogramm für Überzeugungstäter“

VonDana Heide, Stefan Kaufmann

ExklusivAnfang Mai startet ein Speicherprogramm für Solaranlagen. 25 Millionen Euro kommen für dieses Jahr in den Topf. Die Förderhöhe ist allerdings gering. Das Problem: Dem Bund geht das Geld für die Energiewende aus.

Ein Förderprogramm für Solarspeicher geht an den Start. Reuters

Ein Förderprogramm für Solarspeicher geht an den Start.

DüsseldorfDie Förderung der Erneuerbaren Energien geht in die nächste Runde: Vom 1. Mai an können Besitzer von Photovoltaikanlagen auch von der Subvention für Speicher profitieren. Dabei war die Finanzierung des Batterien-Programms lange fraglich. Grund: Der Energie- und Klimafonds (EKF) leidet wegen des Einbruchs bei den Preisen mit Verschmutzungsrechten seit langem unter Geldmangel. Wie das Bundesumweltministerium nun mitteilte, springt die staatseigene KfW ein und stellt in diesem Jahr 25 Millionen Euro für das Förderprogramm zur Verfügung.

Konkret heißt das: Wer eine neue Solaranlage baut und dabei gleich einen Stromspeicher installiert, bekommt nicht nur zinsgünstige Kredite vom Staat, sondern auch Tilgungszuschüsse von maximal 30 Prozent der gesamten Kosten für den Speicher.

Wo in Deutschland der meiste Solarstrom produziert wird

Platz 1

Absoluter Spitzenreiter in Sachen Solarenergie ist Bayern: Mit 9422 Megawatt Nennleistung stehen fast 30 Prozent der gesamten deutschen Nennleistung der Solarenergie in dem südlichen Bundesland. Bayern ist jedoch mit 5.257 Megawatt Nennleistung auch führend in Sachen Kernenergie. Zwei der vier Atomkraftwerke gehören Eon, die anderen beiden RWE.

Platz 2

Den zweiten Platz bei der Solarenergie belegt Baden-Württemberg. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 4.286 Megawatt Strom erzeugen, das entspricht einem Anteil von 13 Prozent an der gesamten in Deutschland installierten Leistung im Bereich Solar. Ganz weit vorne liegt das Bundesland bei den Pumpspeicherkraftwerken: In Baden-Württemberg stehen Anlagen mit einer Nennleistung von 1.873 Megawatt.

Platz 3

Platz 3 der Bundesländer mit den meisten Solaranlagen belegt mit 3.569 Megawatt Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland ist jedoch auch Spitzenreiter bei der klimaschädlichen Braunkohle: Fast die Hälfte der deutschen Gesamtleistung produzieren die Kraftwerke dort.

Platz 4

Den vierten Platz im Ranking der Bundesländer belegt Niedersachsen mit 3.043 Megawatt installierter Leistung. Absolute Spitze ist das Land jedoch in Sachen Windkraft an Land: Fast ein Viertel der installierten Leistung in Deutschland steht dort.  

Platz 5

Brandenburg führt die Gruppe der Ostländer an und belegt den fünften Platz im Ranking: 2.629 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 6

Den sechsten Platz bei der Solarenergie belegt Hessen. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 1.591 Megawatt Strom erzeugen.

Platz 7

Rheinland-Pfalz belegt den siebten Platz im Ranking: 1.471 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 8

Solaranlagen mit 1.433 Megawatt Nennleistung stehen in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Wind stellt die Sonne den wichtigsten Energieträger für das Land dar.

Platz 9

1.318 Megawatt Solarstrom könnten in Sachsen bei voller Auslastung produziert werden. Hauptstromlieferant ist jedoch die Braunkohle – fast die Hälfte der installierten Nennleistung in dem Bundesland geht auf diesen Energieträger zurück.

Platz 10

Schleswig-Holstein belegt den siebten Platz im Ranking: 1.283 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Mit dem Programm will die Bundesregierung erreichen, dass etwa zur Mittagszeit der dann auf Hochproduktion laufende Solarstrom nicht ins Netz gespeist wird, sondern in den Speichern aufbewahrt und später verbraucht wird. So sollen die von den schwankenden erneuerbaren Energien stark beanspruchten Netze entlastet werden.  „Die Speichertechnologie sorgt nicht nur für die Entlastung der Stromnetze, sondern hilft auch die Preise für Strom konstant zu halten“, sagt Eicke Weber, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE). Wie man die mögliche Förderung im Einzelnen berechnet, zeigt der Bundesverband Solarwirtschaft auf seiner Homepage. „Wir rechnen mit einer regen Nachfrage“, sagte Günther Häckl, Präsident des Bundesverbandes Solarwirtschaft.

Die Kfw soll sogar noch weitere 25 Millionen Euro in den nächsten Jahren zur Verfügung stellen. Wenn es bei dieser Summe bleibt, könnten „bis zu 15.000 Speicher pro Jahr gefördert werden, wenn ihre Durchschnittsgröße 5 Kilowattstunden beträgt“ sagte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft Handelsblatt Online.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Die Auflegung eines Speicherprogramms für Solaranlagen war Ergebnis eines Kompromisses im Vermittlungsausschuss zur EEG-Novelle. „Das war eine unserer zentralen Forderungen“, sagt Oliver Krischer, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, Handelsblatt Online. Die Förderung biete die Chance, einen Markt zu schaffen und so die Preise für Speicher, die Achillesverse der Energiewende, zu senken. „Allerdings ist die Förderhöhe so gering, dass das Programm wohl nur etwas für Überzeugungstäter ist.“

„Ein solches Förderprogramm muss den Masseneinsatz anregen, damit dadurch die Preise stärker sinken als durch reine Forschung allein“, sagt Ulrich Kelber, stellvertretende Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. „Dafür ist das Programm zu klein.“ Auch Carsten König vom BSW sagt, dass der Kostenzuschuss nicht kostendeckend sei. „Dennoch trägt er dazu bei, dass jetzt das große Interesse an Speichern häufiger in Kaufentscheidungen münden kann.“

Kommentare (5)

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Wagnerjohann

19.04.2013, 18:10 Uhr

Und was wird jetzt noch alles subventioniert, um der teuren und nicht mehr wesentlich zu verbessernden Solartechnologie zu ihrem "Durchbruch" zu verhelfen? Pumpspeicherkraftwerke, wahrscheinlich Gaskraftwerke und jetzt auch noch Batterien im Keller der Fundis.
Wer sagt denn endlich, dass das EEG auf einem gigantischen Irrtum basiert? Eigentlich sind alle Vergütungsverträge sittenwidrig (§ 138 BGB), da niemals eine wirkliche Gegenleistung zu erwarten ist.

Account gelöscht!

19.04.2013, 19:15 Uhr

Programm für Dummköpfe!
Strom in Akkus speichern ist irre teuer! Rechnet man den Kaufpreis und teilt den durch die möglichen Ladezyklen, kommt mindestens 25 ct/KWh heraus.
Beispiel Bleiakku: ca 100 € pro KWh (12V, 100 A), Ladezyklen realistisxch 150, maximal 250 (bei sehr guter Pflege und immer schön voll und nie leer),
dann sind das 66ct bis 28 ct/KWh.
Welcher Idiot kauft sich so etwas??

Werner

19.04.2013, 21:11 Uhr

In Wirklichkeit ist das ein Subventionsprogramm für Sondermüllentsorger. Energietechnisch ist das komplett bedeutungslos.

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