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23.01.2012

21:19 Uhr

„Subventionswahnsinn“

Röslers Rohstoffstrategie unter Beschuss

VonDietmar Neuerer

ExklusivWirtschaftsminister Philipp Rösler will 150 Millionen Euro weniger an Steinkohlehilfen zahlen. Doch die Begründung für die Kürzung überzeugt Experten nicht. Sie verlangen eine Neuausrichtung seiner Rohstoffstrategie.

Deutsche Steinkohle wird mit einem 10-Tonnen-Kipper vor dem Förderturm der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop abgeladen. dpa

Deutsche Steinkohle wird mit einem 10-Tonnen-Kipper vor dem Förderturm der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop abgeladen.

Für Deutschland steht fest: Der Steinkohlebergbau hat hierzulande keine Zukunft mehr. Im vergangenen Jahr wurde der Ausstieg beschlossen, die Förderung soll im Jahr 2018 definitiv auslaufen. Bis dahin soll die Förderung Stück für Stück zurückgeführt werden, um den Bundeshaushalt nicht über Gebühr zu belasten. Kein einfaches Unterfangen, da die Steinkohleproduktion in Deutschland immer ein Zuschussgeschäft ist und der Bund sich die Wettbewerbsfähigkeit der Kohle quasi über Subventionen erkaufen muss. Umso verwunderlicher, dass es Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) offenbar gelungen ist, in diesem Jahr weniger Geld für Absatzhilfe zahlen zu müssen.

Zur Begründung heißt es im Einzelplan 09 für den Haushalt 2012: „Aufgrund der Entwicklung des Weltmarktpreises für Steinkohle konnten die Mittel bei den Steinkohlehilfen gegenüber 2011 um 150 Millionen Euro reduziert werden.“ Ob diese Rechnung allerdings aufgeht, ist umstritten, zumal für den Steinkohlenbergbau einschließlich des Anpassungsgeldes für ausscheidende ältere Beschäftigte immer noch Mittel in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro vorgesehen sind. Experten sehen überdies die Rechnung Reduktion der Steinkohle-Hilfen über höhere Erlöse am Weltmarkt kritisch.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Zwar sei die Argumentation des Wirtschaftsministeriums „schlüssig“, sagte der Rohstoffanalyst der Commerzbank, Eugen Weinberg, Handelsblatt Online. Doch vermutlich sei es so, „dass sich die Kohleförderung in Deutschland trotz der massiven Preisanstiege immer noch nicht rentiert und die Kohle aus Australien, die im Ruhrpott vor die Minen-Tore geliefert wird, immer noch billiger ist“. Die Produktionskosten pro Tonne könnten demnach in Deutschland wesentlich höher sein als der Weltmarktpreis. Damit werde am Ende nichts gespart.

Weinberg vermisst eine generelle Strategie der Bundesregierung in Rohstofffragen. So sei bislang unklar, „wie die künftige Rohstoffstrategie Deutschlands aussehen wird und ob sich ein Industriestaat erlauben kann, im Bezug auf strategisch wichtige Waren wie Rohstoffe völlig auf das Ausland angewiesen zu sein“. Mit Blick auf die Steinkohle fügte der Commerzbank-Analyst hinzu: „Klar ist jedoch, dass die Vorkommen im Ruhrgebiet nicht mehr ausreichen, um den Bedarf der deutschen Kraftwerke zu befriedigen und damit Deutschland auf den Weltmarkt angewiesen ist.“

Kommentare (1)

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Neuer

23.01.2012, 22:51 Uhr

Wie denn jetzt ? Die einen Experten verlangen einen möglichst sofortigen Ausstieg aus der Deutschen Kohleförderung, die anderen warnen davor, dass man sich von ausländischen Lieferungen abhängig machen würde. Offenbar ist die derzeitige Strategie doch kein so schlechter Mittelweg.

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