Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.03.2011

19:18 Uhr

Superwahljahr

Kernkraft wird Merkels Schicksalsfrage

VonGerd Langguth

Krisen sind genau das, was eine Regierung vor Wahlen braucht. Da kann sie Entschlossenheit zeigen, wie einst Schröder bei der Oder-Flut. Kanzlerin Merkel hat die Chance durch ihre panische Atomwende fahrlässig verspielt.

Das Thema Atomkraft wird auch für Merkel zur Schicksalsfrage. Quelle: dpa

Das Thema Atomkraft wird auch für Merkel zur Schicksalsfrage.

So sehr die Reaktorunfälle in Japan die Regierung ins Schwitzen brachten, sie hätten aber auch der Regierung eine Möglichkeit gegeben, ihr Handeln kraftvoll zu begründen. Man erinnere sich an das Jahr 1986, als Tschernobyl passierte. Auch damals war die übergroße Mehrheit der Bundesbürger besorgt und wollten einen Ausstieg aus der Kernenergie. Die Bundesregierung nutzte aber ihre Handlungsmöglichkeiten, schuf ein neues Umweltministerium und reagierte relativ sicher und unaufgeregt. Auch seinerzeit standen Landtagswahlen an. In deren Vorfeld reagierte die SPD ziemlich aufgeregt und verabschiedete sich – für viele überraschend – von der friedlichen Nutzung der Kernenergie.

Merkel hat sich auch noch nach Japan als Anhängerin der Kernenergie zu verstehen gegeben. Als Noch-Umweltministerin im Jahre 1998, wenige Tage vor dem Beginn der rot-grünen Koalition im Herbst 1998 erklärte sie im Südwestrundfunk (19. Oktober 1998): „Ich persönlich würde es für absurd halten, wenn wir in Deutschland unsere sicheren Anlagen stilllegen und dafür dann auf Importe von Strom angewiesen sind. Die einstige Umweltministerin Merkel, Physikerin von der Ausbildung her, setzte in ihrem ganzen jungen politischen Leben auf Atomenergie, auch die „alten Kraftwerke“ seien „auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik“ (Süddeutsche Zeitung, 12. August 1998). Im Juli 2000 erklärte Angela Merkel als Oppositionspolitikerin: „Wir werden der Kernenergie wieder eine Zukunft geben“.

Die Atomenergie ist in Deutschland ein äußerst ideologisiertes Thema. Es war aber einst gerade die deutsche Linke in Gestalt der Sozialdemokratischen Partei, die 1959 in ihrem „Godesberger Programm mehr als alle anderen  Parteien von der Planbarkeit der Politik ausging und dabei der Kernenergie einen besonderen Stellenwert einräumte. Die Atomenergie ist in Deutschland ein äußerst ideologisiertes Thema. Es war aber einst gerade die deutsche Linke in Gestalt der Sozialdemokratie, die der Kernenergie als Zukunftstechnologie verherrlichte. In der Präambel zum „Godesberger Programm“ schwärmte die SPD von der Kernenergie so: „... das ist ... die Hoffnung dieser Zeit, dass der Mensch im atomaren Zeitalter sein Leben erleichtern, von Sorgen befreien und Wohlstand für alle schaffen kann ...“.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

25.03.2011, 21:36 Uhr

Merkel hat überzogen, sie stürzt nun ab - Ende, spätestens bei der nächsten Wahl darf sie nicht mehr als KK antreten. Wenn Wirtschaftsverbänden sich offen äußern und solche Sachen, wie die Brüderle-Affäre passieren, ist Schluß!

poolliter

25.03.2011, 22:06 Uhr

Ich wünsche Frau Merkel die Kraft und Fähigkeit die Macht loslassen zu können. Macht, die nur noch Selbstzweck ist wirkt zerstörerisch in zwei Richtungen - auch selbstzerstörerisch

Account gelöscht!

25.03.2011, 22:22 Uhr

Nutzen Sie bitte die Möglichkeit, ihr das selbst mitzuteilen (e mail ans Kanzleramt). Die jahzehntelange Tatenlosigkeit der selbstzufriedenen Deutschen holt uns nun alle ein...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×