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08.09.2014

15:17 Uhr

Sven Lau

Der Scharia-Polizist

VonMartin Pirkl

Die Polizei ermittelt gegen die Mitglieder der „Scharia-Polizei“. Anführer der Wuppertaler Gruppe ist der deutsche Konvertit Sven Lau, ein ehemaliger Feuerwehrmann. Wer ist der Islamist, der so viel Wirbel verursacht?

Polizei geht gegen Sittenwächter vor

„Salafisten frühzeitig den Boden entziehen“

Polizei geht gegen Sittenwächter vor: „Salafisten frühzeitig den Boden entziehen“

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DüsseldorfSie laufen mit orangefarbenen Westen durch die Wuppertaler Innenstadt und versprechen die ewige Glückseligkeit im Paradies. In der vergangenen Woche sorgte die sogenannte „Scharia Polizei“ bundesweit für Aufregung. Eine Gruppe junger Männer lief nachts durch die Stadt und versuchte junge Muslime davon abzuhalten, in Diskos und Spielhallen zu gehen. „Wir suchen nach unseren verloren gegangenen Geschwistern“, sagte der Anführer der Gruppe zu einem jungen Moslem.

Der Wortführer der Gruppe nennt sich Abu Adam. Mit bürgerlichen Namen heißt er Sven Lau. Der deutsche Konvertit wurde 1980 in Mönchengladbach geboren und ist seit 1998 Moslem. In der Nacht zum Donnerstag verteilte er mit Freunden Visitenkarten der im Mai gegründeten „Darul Arqam Moschee“.  

Mit der PR-Aktion trat Lau am Wochenende eine Welle der Empörung los. Von der Wuppertaler Polizeipräsidentin bis zum bayerischen Innenminister Joachim Herrmann empören sich Behördenschefs und Politiker und erinneren daran, dass ausschließlich der Staat das Gewaltmonopol besitze. Herrmann fordert in der „Bild“-Zeitung sogar einen Sondergipfel der Innenminister von Bund und Ländern, weil es „schlichtweg abartig und dreist“ sei, was da passiere. „Das ist ein direkter Angriff der Salafisten auf unseren Rechtsstaat und eine Kriegserklärung, die wir nicht tolerieren dürfen“, sagt der Bayer.

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) fordert ebenfalls eine härtere Gangart gegenüber Salafisten. „In Deutschland gilt das Grundgesetz und nicht die Scharia und wir werden dafür sorgen, dass es eingehalten wird.“ Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) stellt ebenfalls klar: „Eine illegale Paralleljustiz werden wir nicht dulden.“

Auch der Wuppertaler Moscheenverein und mehrere Islamverbände distanzieren sich von der „Scharia-Polizei“. „Diese Leute betreiben eine Zweckentfremdung unserer Religion. Sie schaden mit dieser schrillen und völlig unsinnigen Aktion den Muslimen ungemein“, sagt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek.

Die Polizei leitete Ermittlungen gegen die jungen Männer wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ein. Die Wuppertaler Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher erklärte: „Ein Auftreten, das einschüchtert, verunsichert oder provoziert, wird nicht geduldet.“ Es gebe keinerlei Legitimation für diese Truppe.

Für Lau und seine Freunde ist die „Scharia-Polizei“ trotz – oder gerade wegen – der Kritik ein voller Erfolg. „Ja, die Moschee war zuletzt etwas weniger gut besucht“, schreibt Lau per Mail auf Anfrage von Handelsblatt Online in hastigen Sätzen. „Doch jetzt herrscht großer Andrang“. In einem Video, das er auf seiner Webseite verlinkt hat, ergänzt Lau: „Wir wollten Aufmerksamkeit“.

Kommentare (32)

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Herr Woifi Fischer

08.09.2014, 15:34 Uhr

Sven Lau Der Scharia-Polizist.
Warum wird so viel Geschrei um diesen Terroristen gemacht?
Ganz einfach, ohne federlesen Verhaften, seine Anhänger ebenfalls, deutsche Staatsbürgerschaft aberkennen und sofortige Abschiebung ohne widerkehr, in den Nahen Osten. Dort kann er sein Unwesen weiter treiben.

Wer gegen deutsches Recht/Gesetze verstößt, hat dieses Schicksal zu erwarten.

Basta.

Herr Ribbentrop

08.09.2014, 15:41 Uhr

Wir sind eine pluralistische Gesellschaft und jeder darf so leben wie er will, sofern er nicht gemeinsame Regeln unserer Gesellschaft nicht stört oder bricht!
Wenn diese Herren ihren Gottesstaat leben wollen, bitte aber nicht andere nötigen! Dann bitte können diese gerne in ihr gelobtes land auswandern!

Herr M. Gandhi

08.09.2014, 15:41 Uhr

Erkennungsdienstlich alles festhalten, deutsche Staatsbürgerschaft aberkennen und zeitlebens des Landes verweisen. RIGOROS und SOFORT !!

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