Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.12.2014

16:37 Uhr

Sympathie auch im Westen

Kirchen bei Pegida uneins

Darf man bei den Demonstrationen des „Pegida“-Bündnisses mitlaufen? In den Kirchen gibt es dazu unterschiedliche Positionen. Die Sympathiewerte für die Dresdner Bewegung sind in Ost und West ähnlich.

Der Münchner Erzbischof widersprach damit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der am Donnerstag in einer Predigt gesagt hatte: „Christen dürfen bei „Pegida“ nicht mitmachen.“ Reuters

Der Münchner Erzbischof widersprach damit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der am Donnerstag in einer Predigt gesagt hatte: „Christen dürfen bei „Pegida“ nicht mitmachen.“

Berlin/DresdenDie Kirchen sind uneins über den Umgang mit der Anti-Islam-Bewegung „Pegida“. Während der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Freitag dazu aufrief, das rechtspopulistische Bündnis strikt abzulehnen, will der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, den Katholiken eine Teilnahme an den „Pegida“-Demonstrationen nicht versagen.

Derweil sind die Sympathien der Menschen für die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ („Pegida“) im Westen ähnlich verteilt wie im Osten. In einer YouGov-Umfrage sagten 36 Prozent der im Osten Befragten, sie fänden es gut, dass jemand auf Fehler in der Asylpolitik aufmerksam mache und sich gegen Islamismus ausspreche; im Westen waren es 33 Prozent. Im Osten wird „Pegida“ allerdings stärker in der politischen Mitte verortet. So stimmen dort 36 Prozent dieser Einschätzung zu, im Westen nur 27 Prozent. Dafür halten 45 Prozent der Westdeutschen „Pegida“ für rechts oder extrem rechts, von den Ostdeutschen sagen das nur 41 Prozent.

Das Phänomen „Pegida“ und was dahinter steckt

„Pegida“

Als Ende Oktober die ersten paar Hundert Leute demonstrierten, stießen auf wenig Beachtung. „Pegida“-Anhänger protestieren gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands und angeblichen Asylmissbrauch. Das neue Ausmaß der Demos schreckt Politiker und Experten auf, auch im Bund. Sie warnen vor „Hetze“ und „Pogromstimmung“. (Quelle: dpa)

Was wollen die „Pegida“-Leute?

Die Anhänger der Bewegung fordern eine strengere Asylpolitik und sind gegen die Aufnahme von „Wirtschaftsflüchtlingen“ – also Asylbewerbern, die ihrer Ansicht nach keinen Anspruch auf Schutz haben und angeblich nur auf Sozialleistungen aus sind. Sie wettern gegen muslimische Extremisten und vermeintliche Glaubenskriege auf deutschem Boden.

Wer steht hinter „Pegida“?

Der Initiator ist Lutz Bachmann. Der gelernte Koch ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Drogendelikten. An seiner Seite demonstrieren viele Bürger, die sich ausdrücklich nicht in die Nähe von Rechtsextremen gerückt sehen wollen. Auch Bachmann betont immer wieder, er lehne jede Art von Radikalismus ab. Es haben sich aber längst Hooligans, Neonazis und bekennende Islamfeinde unter die Protestler gemischt. Auch zahlreiche Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) sind dabei.

Ist das Phänomen auf Dresden beschränkt?

Nein. Inzwischen gibt es auch in anderen Regionen Ableger von „Pegida“ – etwa in Düsseldorf („Dügida“), Kassel („Kagida“), Bayern („Bagida“) oder Ostfriesland („Ogida“), aber auch in einigen anderen Städten. Die Bewegung wächst schnell – nicht zuletzt durch das Internet. Die Macher sind sehr aktiv bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken und mobilisieren so stetig neue Anhänger.

Warum halten Politiker und Experten die Bewegung für gefährlich?

„Pegida“ verallgemeinere extrem und vermische wild Themen, meinen Fachleute. Die Gruppe werfe „Kampfvokabeln“ in die Menge, nutze Ängste in der Bevölkerung und lade sie zu Ressentiments auf, sagt der Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke. Das sei klassischer Rechtspopulismus. Funke sieht bereits Ansätze einer rechtsextrem inspirierten Massenbewegung. Sicherheitskreise befürchten, dass Rechtsextreme die Bewegung systematisch unterwandern könnten. Auch viele Politiker sprechen von besorgniserregender ausländerfeindlicher Stimmungsmache. Die AfD zeigt dagegen Verständnis für die Proteste.

Wie konnte „Pegida“ entstehen?

Auslöser der Proteste ist die Asylpolitik. Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit langem. Experten meinen, Bund und Länder hätten viel zu spät darauf reagiert. Das Ergebnis: Viele Kommunen sind mit der Lage überfordert, müssen Flüchtlinge in Wohncontainern oder Zelten unterbringen. Mancher Bürger hat daher das Gefühl, Deutschland könne damit kaum fertig werden – auch wenn das für die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt sicher nicht zutrifft. Funke klagt, die politischen Verantwortlichen hätten es versäumt, auf solche Ängste in der Bevölkerung einzugehen. Die Linke wirft den Innenministern der Union vor, sie hätten für all das überhaupt erst den Boden bereitet – durch ihre Warnungen vor „Armutszuwanderung“ oder „Asylmissbrauch“.

Wie geht es weiter?

Bisher wurden die Dresdner Demos jede Woche größer. Inzwischen formiert sich aber einiger Widerstand gegen die neue Bewegung. Die Gegendemonstration in Dresden war am Montag fast so groß wie der „Pegida“-Aufmarsch. Experten mahnen, wichtig sei nicht nur breite Gegenwehr dieser Art. Entscheidend sei, vernünftig mit der wachsenden Zahl an Flüchtlingen umzugehen und so den Ängsten in der Bevölkerung zu begegnen. Das Thema „Pegida“ kommt Ende der Woche auch bei der Innenministerkonferenz in Köln auf den Tisch.

Neue Töne bei dem Thema schlug der Vizevorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, an. Zwar verteidigte er die „Pegida“-Demonstranten erneut. Zugleich warnte er aber davor, die Proteste von Extremisten missbrauchen zu lassen. „Darauf müssen nicht zuletzt die Demonstranten selbst achten“, sagte Gauland. Er betonte: „Auch die Alternative für Deutschland teilt nicht alle politischen Forderungen der Demonstranten.“

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Helmut Paulsen

19.12.2014, 17:15 Uhr

Austreten aus der Ev. Kirche, denn die ist unterwandert mit Gutmenschen, die nur unser Geld wollen um uns Deutsche weiter abzuschaffen.

Legt das Geld unters Kopfkissen als "Renten-Ergänzung", korrupte Entwicklungsgelder gibt es auch so genug die Deutschland in der Welt verteilt.

Geistlich ist die Kirche in Deutschland schon lange nicht mehr - nur ein "Toleranz-Lernverein" bis zu unserem Untergang.

---

PEGIDA, JAAA ! ;-) Montag DEMO, Dienstag STREIK.

ja, als Ost-Deutscher vermisst man "Courage" bei den West-Deutschen.

Aber nicht die "Courage" die Herr Gauck meint, wo es immer nur um die Interessen der anderen geht - nein hier müssen wir Courage für unser eigenes Land haben als Deutsche. Wir haben hier auch etwas zu verteidigen ! Man kann doch nicht ganz Afrika nach Europa locken und als "Flüchtlinge" bezeichnen und aufnehmen.

Herr Helmut Paulsen

19.12.2014, 17:16 Uhr

Merkel muss zurücktreten !!

Ihre Entscheidungen richten sich immer gegen die Interessen Deutschlands - sie agiert als Atlantischer Vasall und vernichtet alles, was Deutschland reich gemacht hat, unabhängig und frei.

Sie ist der Albtraum der Demokratie und Freiheit.

PEGIDA.


"Warum die Wut der Bürger kein Verfallsdatum hat

Ist David Cameron rechtsradikal? Kein Mensch würde ihm das vorwerfen. Zumindest hat man bisher nichts in diese Richtung gehört. Doch die Forderungen des britischen Regierungschefs zur Einwanderung gehen weit über das hinaus, was Mitglieder der PEGIDA in Dresden derzeit verlangen. Statt Cameron werden jedoch die Demonstranten in die rechte Ecke gestellt und als Hass-Bürger diffamiert. ..."

PEGIDA, STREIK ALLE, RÜCKTRITT MERKEL

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/markus-gaertner/warum-die-wut-der-buerger-kein-verfallsdatum-hat.html

Herr Helmut Paulsen

19.12.2014, 17:17 Uhr

BONN am Montag !

"Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, wie sehr sich Politiker und Medien inzwischen von den Menschen da draußen entfernt haben, dann bekommt man diesen jetzt täglich präsentiert. Journalisten und Politiker bezeichnen ganz normale Bürger als »Ratten« und »Ungeziefer«, nur weil diese Grundrechte in Anspruch nehmen und darauf pochen, dass ihre Anliegen gehört werden. Dagegen demonstriere ich am Montagabend ab 18.30 Uhr in Bonn gemeinsam mit BOGIDA. ..."

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/aufruf-von-udo-ulfkotte-wir-sehen-uns-montagabend-in-bonn-bei-bogida.html

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×