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20.10.2016

11:38 Uhr

Syrien/Russland-Debatte

Lafontaine zweifelt an Zurechnungsfähigkeit der Grünen

VonDietmar Neuerer

Als große Hürde in der Debatte um einen rot-rot-grünen Regierungswechsel gelten die außenpolitischen Positionen der Linken. Nun dreht Linken-Vordenker Lafontaine den Spieß um und zerpflückt die Außenpolitik der Grünen.

„Allmählich an der außenpolitischen Zurechnungsfähigkeit einzelner Grüner zweifeln.“ dapd

Oskar Lafontaine

„Allmählich an der außenpolitischen Zurechnungsfähigkeit einzelner Grüner zweifeln.“

BerlinMit scharfen Angriffen auf führende Grünen-Politiker hat sich Oskar Lafontaine in die Debatte ein mögliches rot-rot-grünes Bündnis nach der Bundestagswahl eingeschaltet. Auf seiner Facebook-Seite sprach er der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, und dem Parteivorsitzenden Cem Özdemir jegliche außenpolitische Kompetenz ab.

Die Attacke des saarländischen Linksfraktionschefs kommt in einer Phase, wo Vertreter von SPD, Linken und Grünen sich erst am Dienstagabend in Berlin getroffen hatten, um Gemeinsamkeiten für ein mögliches Regierungsbündnis auszuloten.

Grüne und Linke

GESCHICHTE

Der westdeutsche Zweig der Linken, die Wahlalternative WASG, wurde 2005 auch aus Protest gegen die SPD gegründet - unter anderem von ehemaligen SPD-Mitgliedern, die mit der unter dem damaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder beschlossene Agenda 2010 nicht einverstanden waren. Prominentester Vertreter: der ehemalige SPD-Chef Oskar Lafontaine, der dann das WASG-Bündnis mit der PDS schmiedete.

RHETORIK

Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht sieht die SPD als Teil eines „neoliberalen Parteienkartells“. Dieses mache eine Politik, „die dem Raubtierkapitalismus freie Bahn geschaffen hat, die den Sozialstaat zerstört hat“. Folgerichtig sieht es zumindest die prominente Frontfrau der Linken als Aufgabe ihrer Partei an, eine klare Oppositionspolitik in Politik und Gesellschaft zu machen.

An den Beratungen nahmen rund 90 Bundestagsabgeordnete und Funktionäre teil, darunter – und das galt als Überraschung – zeitweise auch SPD-Chef Sigmar Gabriel. Zwischen den Parteien gibt es aber noch große Differenzen, insbesondere in der Außenpolitik.

Lafontaine erklärt Göring-Eckardt und Özdemir zu „Hasardeuren“, weil sie sich für eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland und eine Flugverbotszone in Syrien stark gemacht hätten. „Die Forderung nach einer Flugverbotszone ist abenteuerlich, birgt sie doch das Risiko in sich, dass die beiden atomaren Supermächte aneinandergeraten“, stellt Lafontaine fest und fügt spöttelnd hinzu: „So viel Leichtsinn hätte man den grünen Freunden der „humanitären Intervention“ nicht zugetraut.“

Kritisch sieht der Linken-Vordenker auch, dass Göring-Eckardt „schon mal über Bodentruppen in Syrien schwadronierte“ und Özdemir kürzlich im Interview mit „Spiegel Online“ erklärte hatte: „Ich finde es nach wie vor falsch, dass sich Deutschland bei der Libyen-Intervention enthalten hat.“

Kommentare (14)

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20.10.2016, 11:50 Uhr

Wenn die Linke/Lafontaine es ernst meinte mit dem "Zerpflücken der Grünen", dann hätte er nur auf Claudio Roth und Konsorten hinweisen müssen, die bei Demonstationen mitgehen, die "Deutschland verrecke" oder "Deutschland Du Stück Scheiße" als Banner mit sich führen.
Da ist doch der wahre Skandal der Grünen...die wollen Deutschland komplett abschaffen und wenn die Linke das akzeptiert und mit der Antifa auch noch gemeinsamme Sache macht, dann braucht man als Deutscher (egal ob arm, reich oder mit Migrationshintergrund) weder Linke noch Grüne wählen. Danke!

Herr Tom Schmidt

20.10.2016, 11:53 Uhr

War doch zu erwarten... viele Linke sind nicht für die Schwachen, sondern suchen ein Thema/Grund um sich selbst zu überhöhen. Am Ende des Tages geht das immer am Besten wenn man die anderen runterkanzelt...

Darum argumentiert man nicht mehr, sondern empört sich über die anderen (aufgrund der eigenen moralischen Überlegenheit). Herr Stegner hat sich jetzt dazu noch nicht geäussert... In Sachen "Hass" ist er ja ganz vorne. Zum Beispiel als der die scheckliche Situation in Syrien wegen Assads Fassbomben darstellte. Was er nicht dazu sagte war... dass Herr Assad so eine Art Parteikollege von Herrn Stegner ist... (aber so wirklich überraschend ist das nicht...)

Bei allen Planspielen von rot-rot-grün, das Beste ist, wenn kein Linker in der Nähe eines roten Knopfes sitzt...

Herr Bernhard Ramseyer

20.10.2016, 12:10 Uhr


Syrien/Russland-Debatte:
"Lafontaine zweifelt an Zurechnungsfähigkeit der Grünen"

Nicht nur Lafontaine.

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