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10.09.2013

16:07 Uhr

Tag 1

Bayerns rote Dörfer

VonMaike Freund

In München trotzt die SPD der CSU. Aber nicht nur da. Es gibt auch einige Dörfer und Städtchen, in denen die Sozialdemokraten ihre Anhänger haben. Eines davon ist Kulmbach – ein Ortsbesuch in Oberfranken.

In Kulmbach muss sich die SPD nicht verstecken. Maike Freund

In Kulmbach muss sich die SPD nicht verstecken.

Kulmbach27 Laternenpfähle muss man durchhalten bis endlich einer ohne kommt. Ein nackter. Die nächsten sind wieder vollgehängt, mit CSU, SPD, FDP und AfD-Plakaten – bis zum Ende des Städtchens Kulmbach. Vor allem hängen hier, schön oben am Laternenmast, Wahlplakate der NPD. Man könnte meinen, in Oberfranken entscheidet sich die Landtagswahl, so zugepflastert ist der Ort – jedenfalls auf der B85 von Bayreuth aus. Dabei ist Kulmbach nicht besonders bekannt. Vielleicht für seine Burg, vielleicht für seine Brauerei. Vielleicht für Karl-Theodor zu Guttenberg, der hier mal seinen Wahlkreis hatte und diesen an die 26-jährige Emmi Zeulner verloren hat. Und natürlich liegt es auch daran, dass hier nicht nur für den Landtag geworben wird, sondern auch schon für die Bundestagswahl.

Und doch hat die rund 30.000 Einwohner-Stadt etwas Besonderes für Bayern: Bei der vergangenen Landtagswahl gehörte Kulmbach zu den ländlichen Wahlkreisen, in denen die SPD am besten abschnitt. Sie erreichte hier immerhin 28,8 Prozent. Zum Vergleich: Die CSU bekam 42,5 Prozent der Stimmen. Nur in den Städten wie München oder Nürnberg kam die SPD besser weg als in Oberfranken. „Werden Sie die SPD wählen?“ „Ude? Ja“, sagt ein älterer Herr, der gerade auf dem Weg zum Einkaufen ist. „Warum“, will ich wissen? „Es wird Zeit, dass es endlich mal einen Wechsel gibt.“

Ein paar Meter weiter schaukelt eine Frau ihr Baby auf dem Arm. „Das Betreuungsgeld? Nein, mein Kind soll in eine Kita“, sagt sie. Das gehe auch nicht anders, sie müsse bald wieder arbeiten. Aber prinzipiell fände sie es gut, die Wahl zu haben. Auf dem Marktplatz vor der Würstchenbude, die es hier überall gibt, frage ich einen Mann, der Pause macht: „Was halten Sie von Seehofer?“ „Passt schon“, kommt die Antwort. Was ein wenig abwertend klingt, ist ganz und gar nicht so gemeint. Es ist vielmehr ein Lob.

Die CSU braucht nicht viele Worte. dpa

Die CSU braucht nicht viele Worte.

Auf der Fahrt über die Dörfer wie Kötnitz, Trebgast, Himmelkron von Kulmbach nach Bayreuth scheint es so, als gäbe es hier keinen Wahlkampf. Doch alle paar Kilometer taucht das riesige Wahlplakat der CSU am Straßenrand auf: Unser Ministerpräsident. Sonst steht da nichts. Doch Seehofer grinst auf die Autofahrer herunter.

Ortswechsel: Coburg, rund 50 Kilometer weiter westlich. Auch hier hat die SPD noch ganz gut abgeschnitten. Coburg ist eine hübsche, fast schon prachtvolle Stadt mit 40.000 Einwohnern. Zugepflastert ist die Stadt auch, vor allem im Ortskern. Doch während vor allem an den Bundesstraßen Horst Seehofer vom Plakat herabschaut, sind es gefühlt auffällig viele Plakate von der Bayernpartei: „Wie finden Sie das?“, frage ich einen Mann vor einem Brauhaus am Marktplatz und deute auf das Wahlplakat der Bayernpartei. Er schmunzelt: „Ein bisschen lustig, aber das kann man natürlich nicht ernst nehmen“, sagt er.

Die Bayernpartei kam 2009 immerhin auf 1,1 Prozent. Maike Freund

Die Bayernpartei kam 2009 immerhin auf 1,1 Prozent.

Was er von Ude hält? „Naja“, sag er. Und Seehofer: „Ein guter Mann“, kommt die Antwort. Was ist mit Korruptionsaffären in der CSU? „Ach, wissen Sie, das ist nicht recht, wenn ein Politiker seine Frau anstellt, aber die sind doch alle gleich. Und schauen Sie: Uns geht es doch gut? Was soll ich mich darüber aufregen?“

Dann gibt es hier noch eine Besonderheit. Im Ortsausgang finde ich das erste Wahlplakat mit Angela Merkel. Das ist tatsächlich eine Premiere in Oberfranken.

Hier geht's zu unserem Special zur Bayernwahl.

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