Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2015

12:11 Uhr

Tagebuch eines syrischen Journalisten, Teil 2

Die Farben der journalistischen Freiheit

VonYahya Alaous

Mein Name ist Yahya Alaous. Ich bin Syrer, bald 42 Jahre alt, habe eine Frau und zwei kleine Mädchen. Heute lesen Sie in meiner Kolumne: Was es für mich bedeutet, freie Presse zu erleben.

Unser Kolumnist ist derzeit Mitarbeiter in der Berliner Handelsblatt-Redaktion.

Yahya Alaous

Unser Kolumnist ist derzeit Mitarbeiter in der Berliner Handelsblatt-Redaktion.

BerlinYahya Alaous ist syrischer Journalist und derzeit Mitarbeiter in der Berliner Handelsblatt-Redaktion. Wieso er sich eine neue Wohnung nur unter der Hand besorgen konnte und warum viele Syrer Kanzlerin Angela Merkel als Volksheldin verehren, lesen Sie ab sofort in einer Kolumne. Heute: Teil 2. Aufgezeichnet von Sarah Mewes.

Im Berliner Büro der „Reporter ohne Grenzen“ hängt diese Weltkarte. Sie war das Erste, was ich entdeckte bei dieser Organisation, die mir half, nach Deutschland zu kommen. Die Welt hat auf dieser Karte fünf Farben: Schwarz, Rot, Orange, Gelb und Weiß. Fünf Gradmesser für die journalistische Freiheit in einem Land. Meine Heimat ist auf der Karte ein schwarzer Fleck: Zensur.

Das schwarze Syrien war jedoch nicht das Erste, was mir auffiel – denn das war mir sowieso schon klar. Was mir auffiel, war die Farbe Gelb, in der die USA, Frankreich und Großbritannien abgebildet waren. Gelb ist nur die zweitbeste Klassifizierung im Ranking der Pressefreiheit.

Tagebuch eines syrischen Journalisten: „Ihr habt so schöne Häuser“

Tagebuch eines syrischen Journalisten

„Ihr habt so schöne Häuser“

Mein Name ist Yahya Alaous. Ich bin Syrer, bald 42 Jahre alt, habe eine Frau und zwei kleine Mädchen. Heute lesen Sie in meiner Kolumne: Warum wir fliehen konnten, und wie ich meine ersten Tage in Berlin erlebt habe.

Meine Augen begannen über die Welt zu spazieren: Nachdem ich ein rotes Russland, ein schwarzes China und ein orangefarbenes Südamerika erspäht hatte, fand ich schnell meine neue Heimat Deutschland. Ich hatte Angst, dass auch sie Gelb sein würde. Doch euer Land ist weiß – der Ort, den ich für meine Familie ausgesucht habe, ist ein Land wahrer Freiheit. Was für eine Erleichterung.

Ich glaube nicht, dass es eine absolute Freiheit gibt. Absolute Freiheit würde irgendwo immer im Chaos enden: Ich denke, dass sie deshalb nirgendwo existiert, nicht mal in Deutschland. Natürlich darf man sich in Deutschland über Politiker lustig machen oder auch über den Papst oder Jesus. Aber es gibt Grenzen: Volksverhetzung, Antisemitismus. Und das ist auch gut so. Es kann also keine absolute Freiheit geben, auch wenn das einige fordern. Aber es gibt Annährungen.

Der Vergleich zwischen der Pressefreiheit in Syrien und in Deutschland ist eher unfair. Wo es hierzulande eine heiße Diskussion zum Thema Recht auf Synonyme gibt und sich viele Menschen den „Je suis Charlie“-Slogan zu eigen machen, gibt es in Damaskus junge Journalisten, die sich ernsthafte Gedanken darüber machen müssen, ob sie „Großer Präsident“ schreiben müssen oder ob „Herr Präsident“ genügt. Das ist der Unterschied zwischen Schwarz und Weiß auf der Weltkarte der Reporter ohne Grenzen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×