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26.12.2013

18:03 Uhr

Talkshow-Bilanz 2013

Blabla in Endlosschleife

VonChristian Bartels

Deutschland talkt und talkt und talkt. Dabei werden die Titel der Sendungen immer spektakulärer, doch die Themen immer austauschbarer. Wo soll das noch hinführen? Unser Autor zieht die Talkshow-Bilanz 2013.

Im Öffentlich-Rechtlichen wird getalkt und getalkt. Sehr oft geht es dabei um „Deutschland“ an sich oder um „uns“. Selbst wenn so ein Ansatz mal stimmig sein sollte, die Wiederholung des Musters führt ihn ad absurdum.

Im Öffentlich-Rechtlichen wird getalkt und getalkt. Sehr oft geht es dabei um „Deutschland“ an sich oder um „uns“. Selbst wenn so ein Ansatz mal stimmig sein sollte, die Wiederholung des Musters führt ihn ad absurdum.

BerlinNoch genau ein Jahr wird der Höhepunkt der „Talkshowflut“ im öffentlich-rechtlichen Fernsehen andauern, die mit Günther Jauchs Start als Sonntags-Talker im September 2011 begann. Seither hat die ARD an fünf aufeinanderfolgenden Wochentagen politische Talkshows im Programmschema. Wann die Flut abebben wird, steht bereits fest: Ende 2014 gibt Reinhold Beckmann seine Donnerstags-Talkshow auf. Bis dahin noch zeigen die öffentlich-rechtlichen Hauptprogrammen also sechs politische Talkshows pro Woche – oder bis zu neun, wenn man die Spätabend-Shows des Alles-Mögliche-Talkers Markus Lanz dazuzählt.

Lanz unterhält sich mit Politikern, die ebensogut in Maybrit Illners vorheriger Sendung hätten sitzen können, so schmerzfrei wie mit C-Prominenten des Privatfernsehens. Bloß sind Lanz' Sendungen oft aufgezeichnet, da der Gastgeber, etwa als „Wetten, dass..?“-Moderator, auch noch andere Verpflichtungen hat.

Tatsächlich prägte auch 2013 vor allem die Rivalität der ARD-Talker untereinander das Bild der Talk-Republik. Mit der Raffinesse von „Bild“-Zeitungs-Schlagzeilen und ermüdender Penetranz strapazierten sie große Begriffe. „Den Managern ans Gehalt! Brauchen wir ein Gesetz gegen die Gier?“ und „Herrenwitz mit Folgen – hat Deutschland ein Sexismus-Problem?“, fragte zum Beispiel Jauch, dessen Fernseh-Qualitäten weiterhin in in anderen Genres als dem Polit-Talk liegen. „Das Aldi-Prinzip – wird Deutschland zur Billig-Republik?“, fragte Frank Plasberg, dessen „Hart aber Fair“-Show den Talkshow-Boom einst angeheizt hat und schon lang mit Verschleißerscheinungen kämpft, und „Festgeldkonto schlägt Echte Liebe – was lehrt uns der Bayernsieg?“.

„Schluss mit Rauchen, Fleisch und Alkohol/Will der Staat uns umerziehen?“ und „Deutschland gerecht: Mehr Steuern für Reiche?“ lauteten die Titel von Sandra-Maischberger-Shows in aufeinander folgenden Wochen. „Merkels Euro-Kurs in der Kritik – sind wir Europas Zuchtmeister?“ und „Große Koalition – Der große Wurf für Deutschland?“, fragte Anne Will, die auf Jauchs Sendeplatz sinnvoller eingesetzt wäre als am oft sehr späten Mittwochabend, an dem ihre Shows aus unerfindlichen Gründen stets lange 75 Minuten dauern müssen. „Deutschlands Schüler – überfordert und unterfördert?“ und „Sind wir auf dem Weg in die Ego-Gesellschaft?“ fragte Beckmann.

Sehr oft geht es um „Deutschland“ an sich oder um „uns“. Selbst wenn so ein Ansatz mal stimmig sein sollte, die Wiederholung des Musters führt ihn ad absurdum. Die SPD-Strategen, die den Wahlkampfslogan „Das Wir entscheidet“ ersonnen haben, dürften zu viele Talkshows gesehen haben. Dabei darf man die Titel der Sendungen natürlich nicht überbewerten. Sie dienen allein dem Kampf um Aufmerksamkeit. Daran, am Ende einer Sendung die Frage vom Anfang zu rekapitulieren und zu überlegen, ob eine Antwort nähergerückt ist, denken Talkshow-Gastgeber grundsätzlich nicht.

Kommentare (8)

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27.12.2013, 08:42 Uhr

Das nennt man Zuschauerbeteiligung, der Author hat hier was missverstanden *g*.
Mit diesen Talks muss man keine Drehbücher mehr schreiben, man muß sich nicht um "Urheberrechte" kümmern, man generiert durch solche "Talks" automatisch neuen Content, auch für das HB :).
Es zeigt einfach nur wie alles gesättigt ist, und man verzweifelt noch Inhalten buddelt.
Moderatoren des Zeitgeschehens?
Ist wie mit dem Wachstum, irgendwann gehts nur noch im Weltraum aufwärts.

Leiden

27.12.2013, 09:01 Uhr

Es ist schon bemerkenswert, in welcher Penetranz Ursula von der Leyen in wechselnden Talkshows ihre eigene Show abzog. Als Bundesministerin hatte sie in 2013 wohl mehr Zeit in TV-Shows verbracht, als in ihrem Ministeramt.
Die mediale Präsenz steht bei ihr eindeutig über ihrer Aufgabe.
Es wäre interessant, eine Rangfolge von Politikerauftritten in TV-Shows für 2013 zu sehen. Das drückt auch aus, wie ernst Politiker Ihr Amt nehmen.

Mazi

27.12.2013, 11:54 Uhr

Talk, Talk, ...
Natürlich finden wir Bürger es zum Kotzen. Aber ist es denn so falsch?

Aufgrund der Wahlverhältnisse, wie sie nun mal sind, hat die Opposition im deutschen Bundestag kaum noch Redezeit. Was die Mitspracherechte durch Stimmverhalten angeht, kann man ohne weiter zu überlegen feststellen, dass diese gleich "Null" sind. Was verstehen wir also unter Demokratie oder was wollen wir darunter verstehen? Wollen wir das darunter verstehen was möglich ist oder was gemeint war.

Kommen wir zurück zu den Talkrunden.
Keine Moderatorin käme auf den Gedanken Talkrunden gemäß den Mehrheitsverhältnissen im deutschen Bundestag zu besetzen.

Mit Leuten zu besetzen, die wie Herr Oppermann, SPD, formuilierte, alle nur Rollen spielen. Den Bundestag also als Laienspieltruppe bezeichnete.

Wenn die Opposition also Gehör finden will und dies nicht im Bundestag erreichen kann, dann muss sie in die Öffentlichkeit gehen und sich dort Gehör verschaffen. Wie sollte eine Oppostion in der Bundesrepublik anderweitig Gehör finden?

Talkrunden abzuschaffen, wäre demnach ein weiterer Abbau unserer Demokratie.

Was wir ändern sollten, wäre mehr Mitsprache bei der Besetzung der Teilnehmer durch die Bürger. Die Dauerquassler, die Dampfplauderer, die, denen der Geist zum Reden fehlt, die müssen schnell raus.

Der Bürger sollte achlich und sachlich besser informiert werden.

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