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16.02.2012

08:12 Uhr

Talkshow von Anne Will

„Jetzt geht das Niveau wieder voll in den Keller!“

VonChristian Bartels

Mehr als nur die üblichen Verdächtigen bei Anne Will: Neben sehenswerten Rededuellen zwischen Martin Lindner und Sarah Wagenknecht verblüffte die Talkshow zum Thema Griechenland auch mit ein paar Erkenntnismomenten.

Sahra Wagenknecht lieferte sich mit Martin Lindner von der FDP bei der Talkshow Anne Will ein Streitgespräch. dpa

Sahra Wagenknecht lieferte sich mit Martin Lindner von der FDP bei der Talkshow Anne Will ein Streitgespräch.

Ja, war denn gestern schon Donnerstag? Statt wie gewohnt donnerstags bei Maybrit Illlner im ZDF wurde am Mittwochabend in Anne Wills ARD-Talkshow über die Griechenland-Krise diskutiert - mit kampferprobten Talkshow-Haudegen wie Martin Lindner (FDP) und Sahra Wagenknecht (Die Linke) sowie Illners Quasi-Stammgast Dirk Müller. Und auch die Idee, einen im Fernsehen unverbrauchten recht jungen Journalisten wie Michalis Pantelouris in solch eine Talkrunde voller üblicher Verdächtiger einzuladen, hätte man eher bei Illner erwartet. Bloß Hemdenhersteller Wolfgang Grupp verbreitete allerklassischstes Talkshow-Feeling.

Pantelouris, im Internet unter anderem als Betreiber des Medienblogs mit dem provokanten Titel print-wuergt.de bekannt, bekam zum Thema "Griechenland brennt, Deutschland zahlt - Euro-Rettung um jeden Preis?" das erste Wort. Der 37-jährige, dessen Schwester in Athen lebt, meinte, Deutschland würde schon "bei sehr viel weniger Sparprogramm wirklich brennen".

Im Anschluss begann die Runde der Talkshowveteranen, bestens bekannten Argumente zum Thema Griechenland auszutauschen. So kamen zur Sprache: Griechenlands Staatsquote (Lindner), dass es vor 14 Jahren ein Politikerfehler gewesen sei, Griechenlands damals gefälschte Bilanzen zu akzeptieren (Grupp), dass der Fehler des damaligen Reichskanzlers Brüning, in der Krise der frühen 1930er Jahre zu sparen, katastrophale Folgen gehabt hatte (Müller), dass die Kredite in Wahrheit bloß dazu dienten, die "angebliche Zahlungsfähigkeit" des Landes gegenüber seinen Gläubigern aufrechtzuerhalten (Wagenknecht), dass Griechenlands Problem auch darin bestünde, als Mitglied der Euro-Zone nicht währungspolitisch so handeln zu können, wie es nichteuropäische Staaten in ähnlicher Lage ja taten (Heiner Geißler).

Lauter derart unbestreitbare Argumente, dass der wie immer blendend gekleidete Wolfgang Grupp (der sich nicht allein wegen generell hoher Talkshowpräsenz für die Sendung qualifiziert hatte, sondern auch, weil der "größte Garnlieferant" seines Unternehmens Trigema ein griechisches Familienunternehmen sei), gerne allen Mit-Talkern "in allem, was Sie gesagt haben", recht geben wollte. Jedoch fielen die Vorschläge, was denn aktuell zu tun sei, erwartungsgemäß gegensätzlich aus.

Auswege bestünden etwa in einem radikalen Schuldenschnitt für Griechenland und der Vermeidung des "Kniefalls vor den sogenannten Finanzmärkten" (Wagenknecht), einem europäischen Marshallplan (Geißler), Griechenlands Austritt aus der Euro-Zone (Dirk Müller) oder eben dem, was die amtierende Bundesregierung will (Lindner).

Kommentare (74)

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gehtsnoch

16.02.2012, 09:13 Uhr

Der Humorist Kurt Lauterbach sagte ein mal über den Deutschen Bundestag "dat isse ne Raudau- und Bingbud". Das selbe würde er heute bestimmt über Anne Wills und all die anderen Quassel-Sendung sagen. Lohnt nicht mehr das einschalten! Gelle?

Account gelöscht!

16.02.2012, 09:51 Uhr

Das Niveau war schlicht unterirdisch, Frau Illner wie so oft fotogen überfordert und die illustre Gästeschar (bis auf Herrn Lindner und partiell Herr Grupp) schlicht und einfach ökonomische Analphabeten. Im angelsächsischen Ausland würde man mit so einer Sendung zur Lachnummer.

flu

16.02.2012, 09:53 Uhr

Werde bestimmt nie die Linke wählen, aber bei der Diskussion gestern hat Herr Lidner das Umfragetief der FDP nochmal zementiert. Frau Wagenknecht fand ich im Verhältnis für die sonst recht radikalen Forderungen der Linken (hinter denen ich nicht stehe) sehr ausgewogen. Dass man die aktuellen Rettungspläne vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen / politischen Entwicklungen in Griechenlöand immer noch als der Weisheit letzter Stand vehement vertritt, zeugt von wenig Reflexionsfähigkeit der FDP. Ich denke die Partei hat sich selbst überlebt. Vielleicht kann die Truppe nach der nächsten Wahl geschlossen in den Australischen Dschungel (oder was uns dafür verkauft wird). Eine gute Quote wäre RTL sicher...

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