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07.04.2016

13:41 Uhr

Tanit Koch

Neue „Bild“-Chefin lehnt Kampagne gegen AfD ab

Seit knapp 100 Tagen steht Tanit Koch an der Spitze der „Bild“-Zeitung. Als neue Chefredakteurin will sie keine Kampagne gegen die AfD führen – und begründet: „Wir haben als Journalisten keinen Erziehungsauftrag.“

Tanit Koch führt die Redaktion der Boulevardzeitung „Bild“ seit Januar 2016. dpa

„Bild´“-Chefredakteurin Tanit Koch

Tanit Koch führt die Redaktion der Boulevardzeitung „Bild“ seit Januar 2016.

BerlinDeutschlands größte Tageszeitung „Bild“ will keine Kampagne gegen die rechtspopulistische Alternative für Deutschland führen, um sie politisch zu bekämpfen. Das sagte die neue „Bild“-Chefredakteurin Tanit Koch (38) der Deutschen Presse-Agentur. „Eine Kampagne gegen die AfD würde sie wichtiger machen, als sie ist“, betonte Koch.

Die Afd sei eine „Defizitpartei“, die keine Antworten auf Probleme habe. Die Leser würden es „Bild“ jedoch verübeln, wenn sie sich bevormundet fühlten. „Wir haben als Journalisten keinen Erziehungsauftrag“, betonte Koch in ihrem ersten Interview seit ihrem Amtsantritt Anfang Januar. An diesem Samstag (9.4.) ist sie 100 Tage im Amt.

Die „Bild“-Zeitung hatte sich im vergangenen Jahr mit einer Pro-Flüchtlingskampagne unter dem Titel „Refugees Welcome – wir helfen“ hervorgetan. Koch nannte die Aktion ein „klares Bekenntnis zur Hilfsbereitschaft“ in Deutschland für Flüchtlinge.

Wird sich die AfD etablieren oder wieder verschwinden?

Träger

Das hängt vom Auftreten der AfD-Abgeordneten in den Landtagen, von der inhaltlichen und strategischen Ausrichtung der Partei sowie von der Bedeutung der Flüchtlingssituation als dem dominierenden Thema ab. Aber auch ohne Flüchtlingssituation würde die AfD wahrscheinlich nicht in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwinden, sondern könnte ein Kernwählerpotenzial von mehr als fünf Prozent an sich binden und dann – allerdings in deutlich kleinerer Formation – in weitere Parlamente einziehen. Wenn aber die CSU bundesweit antreten würde, könnte es rechts der CDU eng werden; das könnte dann auch zulasten der AfD gehen. Und gelegentlich hat man den Eindruck, dass das Tischtuch von CDU und CSU große Risse hat, aber beide Seiten aus Gewohnheit oder Angst vor einer Zukunft alleine vor dem Gang zum Scheidungsanwalt zurückschrecken.

Poguntke

Die AfD wird nicht verschwinden, aber sie wird auch nicht so stark bleiben.

Auf Bundesebene wird sie sich vielleicht auf Dauer zwischen 5 und 10 Prozent einpendeln, auf Landesebene wird es regionale Unterschiede geben.  Es wird Regionen geben, in denen die AfD fast keine Rolle spielen wird, und Regionen – vor allem in Ostdeutschland –  bei denen sie als politische Kraft im Landtag sitzen wird.

Andererseits kann man aber auch sagen, dass bei neuen Parteien immer die Gefahr besteht, dass sie sich selbst zerlegen. Der wirtschaftsliberale Flügel der AfD hat sich ja bereits abgespalten.

 Es gibt vieles, was darauf hinweist, dass im nächsten Bundestag vermutlich sieben Parteien vertreten sein werden: CDU, CSU, SPD, Grüne, Linke, FDP und AfD.

Lewandowsky

Zurzeit ist die AfD noch stark abhängig von der Protestorientierung der Wähler sowie dem Thema "Flüchtlingskrise". Beruhigt sich die Lage, dann wird der AfD dieses Mobilisierungsthema abhanden kommen. Es wird für die Partei dann entscheidend sein, ob sie in der Lage ist, die Unzufriedenheit mit der Politik weiter zu bedienen und entsprechend zu mobilisieren. Die AfD hat ein großes Wählerpotenzial, ist aber aus meiner Sicht noch nicht in dem Sinne etabliert, als sie über eine ausreichende Zahl von Stammwählern verfügt.

Von

dpa

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