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15.02.2006

19:19 Uhr

Tarifkompromiss im öffentlichen Dienst

Früherer ÖTV-Chef Mai sagt Verdi Spannungen voraus

Ein möglicher Tarifkompromiss im öffentlichen Dienst wird nach Einschätzung des früheren ÖTV-Chefs Herbert Mai noch zu erheblichen Spannungen innerhalb der Gewerkschaft Verdi führen.

BERLIN. Am Ende werde es "extrem schwierig werden, ein Tarifergebnis in die Gewerkschaft hinein zu vermitteln", sagte Mai dem Handelsblatt. "Die Streikenden werden natürlich sehr kritisch fragen, ob sich der Arbeitskampf wirklich gelohnt hat." Mai war von 1994 bis 2000 als Chef der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) direkter Vorgänger des heutigen Verdi-Chefs Frank Bsirske. Seit 2001 ist er Arbeitsdirektor des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport AG.

Mit Blick auf den aktuellen Streik sagte Mai weiter: "In der Tat ist die Ausgangslage ganz, ganz schwierig, wenn man einen Arbeitskampf mit dem Ziel führt, jegliche Arbeitszeitverlängerung zu verhindern." Die Erfahrung zeige nun einmal, "dass das Tarifgeschäft am Ende fast immer zu Kompromissen führt", so der frühere Gewerkschaftschef.

Mai hatte sein Amt nach einer Abstimmungsniederlage auf dem ÖTV-Kongress 2000 aufgegeben. Die Niederlage war nach seiner eigenen Einschätzung die indirekte Folge eines gewerkschaftsinternen Konflikts in der Tarifrunde 2000. Damals hatte die ÖTV-Spitze kurz vor Beginn der geplanten Streiks doch noch einen Kompromiss mit den Arbeitgebern akzeptiert. "Nach meiner Einschätzung wäre es damals noch schwieriger gewesen, erst den Streik zu führen und dann den Mitgliedern ein trotzdem kaum besseres Ergebnis zu vermitteln", sagte Mai.

Dass an dem aktuellen Arbeitskampf auch Verdi-Chef Bsirske scheitern könnte, "sehe ich so nicht", sagte Mai. Bisher sei es Bsirske "noch immer mit bemerkenswertem Erfolg gelungen, den Mitgliedern die Notwendigkeiten darzustellen".

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