Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2007

09:21 Uhr

Tarifrunde 2007

Neue Runde im Verteilungskampf

VonDietrich Creutzburg

Aus Sicht der Gewerkschaften ist die Ausgangslage der anstehenden Tarifrunde so günstig wie selten: Die Konjunktur brummt, führende Politiker haben die Zeit der Lohnzurückhaltung für beendet erklärt. Und obendrein gibt es nun auch noch das Mehrwertsteuer-Argument, das in die Verhandlungen eingepreist werden dürfte.

Merkel hat den Steuer-Lukas (auf dem Rosenmontagszug 2006 in Mainz): Für die höhere Abgabe dürften die Gewerkschaften bei der Tarifrunde einen Ausgleich verlangen. Foto: ap ap

Merkel hat den Steuer-Lukas (auf dem Rosenmontagszug 2006 in Mainz): Für die höhere Abgabe dürften die Gewerkschaften bei der Tarifrunde einen Ausgleich verlangen. Foto: ap

BERLIN. Das Schicksal will es, dass im Frühjahr 2007 binnen weniger Monate in so vielen Branchen neue Tarifverträge auszuhandeln sind wie seit langem nicht mehr. Von der chemischen Industrie über Metall- und Elektro bis zum Handel geht es um die Lohnentwicklung von mehr als sieben Millionen Beschäftigten. Da nimmt es fast Wunder, dass noch keine der Gewerkschaften direkt einen dreiprozentigen Lohnzuschlag als Mehrwertsteuerausgleich gefordert hat.

Jenseits aller ökonomischen Einwände liegt es zum einen wohl daran, dass die kräftige Konjunktur und das politische Meinungsklima ohnehin schon allerhand Stoff für höhere Lohnforderungen liefern. Da ist die Erklärungsnot einfach nicht so groß.

Zum anderen bedarf es gar keiner offenen Forderung, um die Mehrwertsteuer in die Tarifrunde einzubringen: Nach den üblichen Lohnformeln der Gewerkschaften sind die Verbraucherpreise einer der Faktoren, aus denen sich ihre Forderungen errechnen. Und anders als die meisten Ökonomen nehmen sie es dabei mit den Ursachen der Teuerung nicht so genau. Dass höhere Konsumsteuern und andere extern beeinflusste Preisfaktoren aus der Lohnrechnung explizit herauszuhalten sei, hört man bei Gewerkschaften jedenfalls kaum.

Formal sieht die Rechnung bei der IG Metall traditionell so aus: Neben dem gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwachs geht in ihre Forderung die mittelfristige Preissteigerung als Faktor ein. Hinzu kommt eine so genannte Umverteilungskomponente, die Spielraum für ein gesellschaftspolitisch oder branchenspezifisch begründetes Element der Lohnforderung eröffnet. Was genau unter der mittelfristigen Teuerung zu verstehen ist, bleibt dabei interpretationsfähig. Dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Inflation auf mittlere Sicht bei knapp zwei Prozent halten will, gilt der IG Metall zwar als Anhaltspunkt. Das hindert sie aber nicht, den Spielraum bei Bedarf etwas auszudehnen.

Nach den ersten Vorbereitungen zur Lohnrunde 2007 geht ihr Vorstand davon aus, dass die Wirtschaft im Schnitt etwa einen Prozentpunkt der Mehrwertsteuererhöhung auf die Preise überwälzt. Dennoch werde man nicht mechanisch einen Prozentpunkt zur Lohnforderung hinzuaddieren, betont ein Sprecher. Die nähere Marschroute legt die IG Metall am 6. Februar fest: Dann wird der Bundesvorstand eine erste konkrete Forderungszahl beschließen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×