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30.01.2013

11:05 Uhr

Tarifrunden 2013

Das Ende der Bescheidenheit

VonStefan Kaufmann

Ausgerechnet im Wahljahr laufen viele Lohn- und Gehaltstarife aus. Die Gewerkschaften gehen in die Vollen und fordern kräftige Aufschläge für 12,5 Millionen Beschäftigte. Die Politik ist ihnen dabei keine große Hilfe.

Nicht die Sinne vernebeln lassen

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DüsseldorfDas Beschnuppern beginnt am Donnerstagmorgen in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Berlin. Dann wird Verdi-Chef Frank Bsirske seinem Gegenüber Jens Bullerjahn erstmals offiziell die Forderungen der Gewerkschaft für die rund 800.000 Arbeitnehmer der Länder präsentieren: 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt, 100 Euro mehr für die Auszubildenden, eine verbindliche Eingruppierung der angestellten Lehrer, die je nach Bundesland unterschiedlich bezahlt werden.

Was passiert, wenn die Länder nicht mitspielen, hat Bsirske schon durchklingen lassen: „Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie bereit sind, notfalls für ihre Forderungen zu streiken.

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Die Metall- und Elektroindustrie erlebe im Schnitt eine stabile Entwicklung.

Der Arbeitskampf im öffentlichen Dienst ist nur der Anfang – zahlreiche große Tarifrunden stehen in diesem Jahr noch an: Die Forderungen von rund 12,5 Millionen Beschäftigten kommen 2013 auf den Tisch.

Nach erfolgreichen Abschlüssen in 2012 – als Verträge für rund 8,9 Millionen Beschäftigte abgeschlossen wurden – drängen die Gewerkschaften auch in diesem Jahr auf kräftige Zuschläge. Die Forderungen liegen zwischen 5 und 6,6 Prozent, teilt das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung mit.

Verhandelt wird unter anderem für große Branchen wie das Bauhauptgewerbe. Hier hat die IG Bau eine Forderung von 6,6 Prozent aufgestellt. Auch in der Metall- und Elektroindustrie, im Einzelhandel, im Kfz-Gewerbe und in der Leih- und Zeitarbeit stehen Tarifrunden an.

Die großen Tarifrunden in 2013

Metall- und Elektroindustrie

Erste IG-Metall-Bezirke haben die bis Ende April laufenden Verträge bereits gekündigt. Die Verhandlungen beginnen in der zweiten Märzhälfte. Der Gewerkschaftsvorstand will am 15. März in Frankfurt/Main abschließend über die Forderungen entscheiden. Die Branche hat nach Angaben des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall rund 3,7 Millionen Beschäftigte. Das WSI-Tarifarchiv nennt etwa 3,4 Millionen Beschäftigte (Stand September 2012).

Bauhauptgewerbe

Die Verhandlung für die nach übereinstimmenden Gewerkschafts- und Arbeitgeberangaben etwa 750 000 Beschäftigten beginnen am 20. Februar in Wiesbaden.

Deutsche Bahn AG

Der Tarifvertrag für die DB lief Ende 2012 aus. Verhandelt wird nach Angaben der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) voraussichtlich ab Ende Januar für rund 130 000 Beschäftigte, der Arbeitgeberverband BDA nennt 135 000 Beschäftigte. Die EVG verhandelt nach eigenen Angaben auch für 20 000 Beschäftigte bei den Bahnen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) mit. Deren Vertrag läuft Ende Januar aus.

Volkswagen AG

Die IG Metall hat die Tarifverträge für die Beschäftigten der westdeutschen VW-Werke und der VW-Finanztochter zu Ende Juni gekündigt (Gewerkschaft: 102 000 Beschäftigte, BDA: 100 000). Die Verhandlungen sollen im Mai beginnen.

Versicherungsgewerbe

Kündigungstermin Ende März (WSI: etwa 173 000 Beschäftigte im Innendienst, BDA: 160 000).

Deutsche Post AG

Kündigungstermin Ende März (WSI: etwa 128 000 Beschäftigte, BDA: 130 000).

Eisen- und Stahlindustrie

Hier laufen Ende Februar die Tarifverträge in Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen und im Tarifgebiet Ost (WSI: etwa 100 000 Beschäftigte; BDA: 93 000) aus, im Saarland Ende Mai (WSI: etwa 12 000 Beschäftigte, BDA: 15 000).

Zeitarbeit

Kündigungstermine sind Ende Oktober. Die DGB-Tarifgemeinschaft verhandelt mit dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Die Branche hatte laut Bundesagentur für Arbeit im Herbst 2012 knapp unter 800 000 Beschäftigte.

Druckindustrie

Kündigungstermin Ende Dezember (WSI: etwa 156 000 Beschäftigte, Bundesverband Druck und Medien: etwa 155 000).

Chemische Industrie

Hier laufen Ende 2013/Anfang 2014 die Verträge für mehr als 500 000 Beschäftigte aus.

„Einige Runden werden schwierig werden: Ich erwarte Warnstreiks im öffentlichen Dienst und in der Metall- und Elektroindustrie“, sagt Reinhard Bispinck, Leiter WSI-Tarifarchiv, im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Die IG Metall gibt sich schon mal kampfbereit: „Wir müssen dazu beitragen, dass die Konjunkturlokomotive Deutschland weiter unter Dampf steht“, sagte der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann am Dienstag in Filderstadt. Deshalb sei eine Kaufkrafterhöhung für die 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche angesagt.

Kommentare (13)

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MrX

30.01.2013, 11:37 Uhr

Die meisten Branchen können sich üppige Lohnsteigerungen auch gar nicht (mehr) leisten...
Ich wünsche mir ja eine Gehaltesteigerung wenigstens Netto in Höhe der Inflation... Aber das haben wir kleinen Angestellten ja schon lange nicht mehr gehabt.

Wir erleben in Branchen wie Banken oder vor allem im Einzelhandel ja deutliche Jobkürzungen, zum größten Teil dem Internet geschuldet.

Die Deutschen sind wieder Weltmeister im Jammer, und haben alle Mittleid mit den Angestellten im Einzelhandel, bestellen aber alle schön bei Amazon wo die Steuergelder und Arbeitsplätze nach Luxenbourg fließen.

Es werden noch einige Lohnkürzungen, Arbeitsplatstreichungen und eine Agenda 2020 auf uns zu kommen. Teils selbst vom Bürger verschuldet.

halfbrain

30.01.2013, 11:45 Uhr

Es wird auch langsam Zeit mit den Gewerkschafstforderungen!! Wenn anderswo - wie jetzt offenbar wieder im Falle Zypern - Milliarden verbrannt werden, dann wäre dieses Geld in den Händen unserer Arbeiter und Angestellten 100mal besser angelegt!

leser

30.01.2013, 11:59 Uhr

2,3% "kräftige" Lohnaufschläge.
Und wenn es 4% werden sollten?

Dann wären es wohl die Kommunisten.

Man schämt sich stets wieder für Mit-Unternehmer im Lande, die ihren Angestellten ihren berechtigten Anteil am Gewinn vorenthalten.

Das sind ja keine Angestelltenverhältnisse, um die es den Blutsaugern geht: sondern schlichtweg Sklaverei, mit der sie in ihren, ich bin aus meinem auch deswegen ausgetreten, Golfclubs auf dicke Welle machen.

Dass hierzulande der Prolet als leitgebende Kultfigur macht, beschämt btw nicht nur Beobachter solch frechen Treibens!

Und alles schreiben sie in ihre großartigen Unternehmensprofile hinein, wie wichtig doch MA seien.

Schämt Euch!

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