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11.04.2016

19:46 Uhr

Tarifverhandlungen

IG Metall empört über Arbeitgeber-Vorschlag

Deutschlands Metall-Arbeitgeber bieten dauerhaft 0,9 Prozent mehr Geld. Die IG Metall lehnt empört ab. Für weitere Gespräche bleiben bis zum Ende der Friedenspflicht nur noch wenige Wochen Zeit.

Stahlarbeiter demonstrierten am Montag in mehreren Städten, wie hier im nordrhein-westfälischen Duisburg. AFP; Files; Francois Guillot

Proteste in Duisburg

Stahlarbeiter demonstrierten am Montag in mehreren Städten, wie hier im nordrhein-westfälischen Duisburg.

Düsseldorf/OsnabrückBei den Tarifverhandlungen für die deutsche Metall- und Elektroindustrie haben die Arbeitgeber in Düsseldorf und Osnabrück parallel erste Angebote vorgelegt. Danach sollen die Gehälter der rund 700 000 Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen und der gut 16 000 Kollegen im Bezirk Osnabrück-Emsland um insgesamt 1,2 Prozent steigen. Allerdings entfallen davon 0,3 Prozent auf eine Einmalzahlung, die nicht dauerhaft wirksam wäre.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Metall NRW, Arndt Kirchhoff, nannte das Angebot „angemessen und realitätsabbildend“. Der Chef der IG Metall in NRW, Knut Giesler, sprach dagegen von einem „mickrigen Angebot“ und einer Provokation. Die Gewerkschaft verlangt ein Lohnplus von 5 Prozent. Die Laufzeit soll nach den Arbeitgebervorschlägen zwölf Monate betragen und wäre damit relativ kurz.

Bundesweit werden rund 3,8 Millionen Menschen nach den Metall-Flächentarifen bezahlt. Die Friedenspflicht endet in der Nacht zum 29. April. In NRW ist noch vorher am 28. April in Neuss eine dritte Verhandlungsrunde angesetzt.

Aus Sicht der Arbeitgeber spiegelt das Angebot die verschlechterte wirtschaftliche Lage der Branche. „Mit unserem Angebot berücksichtigen wir die Unsicherheit der konjunkturellen Entwicklung“, sagte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger der Deutschen Presse-Agentur. Der Verteilungsspielraum sei ausgeschöpft. Vor allem gehe es einzelnen Unternehmen nach wie vor sehr unterschiedlich. Dem wolle man mit der Einmalzahlung entsprechen. Trotz allem würden die Arbeitnehmer erneut einen deutlichen Reallohnzuwachs bekommen, betonte Dulger.

Stahl: ein vielseitiger Werkstoff

Produktion

Es ist nicht so, dass man sich um den Wirkstoff Stahl wirklich Sorgen machen muss: Noch nie wurde so viel von dem vielseitigen Werkstoff hergestellt wie 2014 – genau 1,665 Milliarden Tonnen. Aber die weltweiten Gewichte von Produktion und Verbrauch haben sich verschoben. Inzwischen ist China mit über 800 Millionen Tonnen der mit Abstand führende Stahlproduzent. Japan als Nummer zwei stellt dagegen bescheidene 110 Millionen Tonnen her, Deutschland auf Rang sieben der weltgrößten Hersteller gerade noch 42 Millionen.

Forschung

Inzwischen ist der Pro-Kopf-Verbrauch in Europa auf 280 Kilo Stahl pro Jahr gesunken (China: 477 Kilo). Um nicht weiter Boden gegen die Konkurrenten Aluminium und Kunststoff zu verlieren, steckt die Stahlbranche viel Geld in die Forschung, um das Material fester und leichter zu machen und damit für neue Anwendungen zu öffnen. Das gilt nicht nur für den Autobau. So werden derzeit Stahlträger und Fassaden für Wolkenkratzer entwickelt, auf die sich Solarzellen per Anstrich aufbringen lassen und das Gebäude mit Strom versorgen.

Der bundesweite IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sprach dagegen von „Magerkost für die Beschäftigten zu Gunsten der Profite“. „Dies gefährdet Wachstum und Beschäftigung, denn wer die Nachfrage schwächt, riskiert den konjunkturellen Sturzflug“, sagte Hofmann am Rande des Stahlaktionstages in Duisburg. 0,9 Prozent seien das niedrigste Angebot der jüngsten Tarifgeschichte.

Die Verhandlungen gehen jetzt weiter. Dass dieses Angebot nicht das letzte Wort der Arbeitgeber sei, räumte Kirchhoff auf Nachfrage ein. „Wir gehen wieder an den Verhandlungstisch. Da muss jeder ein bisschen Luft geben“, sagte er.

Damit sind sowohl eine längere Laufzeit, höhere Prozentzusagen oder auch zusätzliche Instrumente zur Flexibilisierung weiter möglich. Die Tarifverhandlungen für die deutsche Kernindustrie werden zunächst regional geführt und erst zu einem späteren Zeitpunkt in einem Pilotbezirk zum Abschluss gebracht. Da die Arbeitgeber ihr erstes Angebot in der zweiten regionalen Runde in Nordrhein-Westfalen vorgelegt haben, könnte dieser Pilotbezirk 2016 NRW sein.

Von

dpa

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