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29.03.2012

17:31 Uhr

Tatort-Autoren in Wut

Streitschrift gegen die Umsonstkultur

VonOliver Stock

Tatort Internet: 51 Drehbuchautoren der Krimiserie beschimpfen die Netzgemeinde. Sie fordern: mit der Gratiskultur muss endlich Schluss sein. Die Diskussion um den Urheberschutz gewinnt an Brisanz.

Die Schauspieler Simone Thomalla und Martin Wuttke posieren für einen Tatort. Die Drehbuchautoren der Krimiserie wenden sich gegen die Gratiskultur im Netz. dpa

Die Schauspieler Simone Thomalla und Martin Wuttke posieren für einen Tatort. Die Drehbuchautoren der Krimiserie wenden sich gegen die Gratiskultur im Netz.

DüsseldorfDie Anrede ist weitschweifig, aber eindeutig: „Liebe Grüne, liebe Piraten, liebe Linke, liebe Netzgemeinde!“ lautet sie und stammt von jenen 51 Autoren, die Deutschland jeden Sonntag Abend mit der neuesten Folge der Krimiserie „Tatort“ beglücken. Die Autoren haben am Donnerstag einen Brief an die Angesprochenen veröffentlicht und damit in eine im Netz tobende Debatte eingegriffen.

Es geht um den Urheberschutz - um den inzwischen verbissen gekämpft wird: Auf der einen Seite steht dabei jener Teil der Generation Web 2.0, die sich für die Gratiskultur im Internet stark macht. Auf der anderen Seite formiert sich aber inzwischen eine Gegenbewegung, deren Größe zunimmt und die jetzt mit den Drehbuchautoren neue öffentliche Unterstützer gefunden haben. Sie wollen dem Gratistrend ein Ende setzen und verlangen, dass geistiges Eigentum im Internet nicht kostenlos für jeden zugänglich sein darf.

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Die „Tatort“-Autoren fordern die Netzgemeinde auf, "sich von ein paar Lebenslügen zu verabschieden". zum Beispiel: "Die Menschenrechte garantieren in der Tat einen freien, aber doch keinen kostenfreien Zugang zu Kunst und Kultur. Diese politische Verkürzung von Grünen, Piraten, Linken und Netzgemeinde dient lediglich der Aufwertung der User-Interessen, deren Umsonstkultur so in den Rang eines Grundrechtes gehievt werden soll." Rechtsverstöße wie illegales Kopieren, so klagen die Autoren weiter, werden "zum Freiheitsakt hochgejazzt". Die Grundrechte der Urheber aber würden dagegen marginalisiert: Zum Beispiel das Grundrecht auf geistiges Eigentum.

„Die vermutlich gravierendste Lebenslüge der selbsternannten Problemlöser“, so meinen die Autoren sei diese: „Wenn man Urheber und User besser stellen will, braucht es ja einen, der diesen Alle-haben-alle-wieder-lieb-Kompromiss, der den Kram bezahlt – denn wie in allem, was hergestellt wird, steckt auch im „Content“ verdammt viel Arbeit von Urhebern und kostet deshalb auch Geld, das irgend jemand bezahlen muss. Diesen omnipotenten Zahler kennt die Netzge-meinde auch schon ganz genau: Nein, nicht Google, youtube und die anderen Internetserviceprovider, die sich dumm und dämlich daran verdienen, illegale Kontakte zu vermitteln, den kriminellen Modellen wie kino.to, megaupload, the Pirate Bay etc. überhaupt zum Erfolg zu verhelfen. Nein, für die Grünen, Piraten und Netzpolitiker aller Parteien ist der große Übeltäter die Verwertungsindustrie: Sony, Universal, Bertelsmann und, ganz wichtig, natürlich die GEMA und die anderen Verwertungsgesellschaften. Das sind in ihren Augen die Blutsauger, die sollen die Zeche zahlen.“

Mit einer Floskel verabschieden sich die 51 Briefschreiber am Ende: „Für konstruktive Gespräche über den anstehenden historischen Kompromiss zwischen Urhebern und Usern stehen wir jederzeit bereit.“

Kommentare (25)

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WiSindMeineGebuehren

29.03.2012, 17:56 Uhr

Ausgerechnet öffentlich rechtlich Finanzierte (wohl auch sehr gut finanziert), regen sich auf. Gerade sie werden doch schon von der Allgemeinheit bezahlt und sollen das auch weiterhin!

Gelddruckmaschine

29.03.2012, 17:59 Uhr

Die Kritik scheint auf dem ersten Blick plausibel. Wenn man aber bedenkt, dass auf sämtliche Kopiergeräte - seien es Drucker, CD-Brenner, DVD-Rohlinge, etc. - eine Pauschalabgabe fällig wird, kommt man ins Grübeln. Ganz zu schweigen von der Zwangsabgabe durch die GEZ, die selbst von Medien-Abstinezlern mit Methoden eingetrieben wird, die an Schutzgeldzahlung in Teilen Siziliens erinnert.
Die Autoren, Künstler und Kulturschaffenden unterschlagen völlig, dass sie Jahrzehntelang von eben diesen Geldern gut und gerne gelebt haben. Ich zum Beispiel habe seit bestimmt 20 Jahren keinen "Tatort" mehr gesehen. Ich habe noch nie von Autoren oder Schauspielern gehört, die darin eine Ungerechtigkeit sahen und um eine gerechte Abänderung baten.

li001

29.03.2012, 18:09 Uhr

Die Herrschaften erhalten eine Vergütung bereits über die
Gebühren der Zuschauer.
Zudem sind die meisten (wohl alle) von ihnen komfortabel und für billiges Geld auf Kosten der Allgemeinheit in der Künstlersozialkasse versichert.
Die Autoren solten daher nicht immer nur den eigenen Vorteil im Auge habe, vielmehr der Gemeinschaft auch wieder zurückgeben, was nur mit Hilfe der Gemeinschaft geschaffen werden konnte oder konsequent alle Kosten ihrer Kranken- und Alterversicherung zu den üblichen Sätzen tragen.

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