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13.05.2013

21:45 Uhr

Tatort-Kritik auf Twitter

„Pickelhaube statt Birkenstock“

VonJonas Jansen

Sie sind Fans des sonntäglichen Tatort - sehen aber immer wieder auch Fehlverhalten der Polizei. Deshalb weisen einige Grünenpolitiker bei Twitter auf Bürgerrechtsverletzungen hin. Das stößt nicht nur auf Verständnis.

Der sonntägliche Tatort ist für Millionen von Zuschauern ein Muss. dpa

Der sonntägliche Tatort ist für Millionen von Zuschauern ein Muss.

DüsseldorfDer Tatort ist eine Institution im deutschen Fernsehen und wird jede Woche auch bei Twitter heiß diskutiert. Wer ist der Mörder? Was taugt die Geschichte? Wer schauspielert gut oder schlecht? Seit Sonntag hat sich eine neue Diskussion dazugesellt: Grüne Politiker sammeln unter dem Account @TatortWatch „BürgerInnenrechtsverletzungen“, die Kommissare oder Polizisten in dem Krimistreifen verüben. „Darf der Tatort das?“, fragen sie. Und ja, das meinen sie ernst.

Die Idee dazu hatte Sebastian Brux, Bürochef des Grünen-Parlamentariers Volker Beck. Knapp fünf grüne Juristen aus Deutschland und Österreich sollen künftig den Tatort kritisch begleiten.

„Es gibt keinen Tatort ohne Bürgerrechtsverletzung“, sagt Brux zu Handelsblatt Online. Etwa wenn Ermittler ohne Rechtsgrundlage in Wohnungen marschierten, dürfe man das kritisieren, meint Brux. Selbstverständlich sei der Tatort bloß ein verdichteter Film und man wolle auch keine Änderungen vom Tatort verlangen, aber „wenn die Autoren demnächst einen Anwalt bei der Vernehmung ins Drehbuch schreiben, freuen wir uns“, sagt Brux.

Sonntag twitterte die Berliner Juristin Paula Riester für Tatortwatch - und ärgerte sich etwa über etwas forsches Vorgehen des Sondereinsatzkommandos:

Der Twitter-Aktion der Grünen stößt bei Vertretern der anderen Parteien auf Unverständnis. Christian Soeder, Vorstandsmitglied der SPD Rhein-Neckar, beklagt sich über „grünes Nannytum“. Der Generalsekretär der CDU, Hermann Gröhe sieht ein „grünes Bevormundungsprojekt“.

Und der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Tauber twitterte gar:

Sebastian Brux findet das „albern“. Tauber habe kein Interesse an einer kritischen Diskussion über das Bürgerrecht: „Denn er gehört einer Partei an, die stets an der Einschränkung von Grundrechten arbeitet.“

Die Diskussion auf Twitter mache das sonst sperrige Thema Bürgerrechte lebensnah, sagt Brux. Wenn sonst über die Lippen der Leipziger Kommissarin oder den Ausschnitt der Frankfurter Ermittlerin getwittert werde, dürfe eine politische Diskussion auch mal erlaubt sein.

Bei aller Kritik an dem Projekt scheint es aber auch zu gefallen. Mehr als 1200 Follower hat der Account @TatortWatch bereits gesammelt - mit einer Sendung. Und das Fazit des grünen Fernsehabends fällt auch sanft aus:

Andere Tatort-Kommissare gehen da deutlich ruppiger vor - und müssen mit Kritik rechnen. Wie lange das Projekt noch dauert, kann Brux nicht sagen. „Falls wir nach ein paar Monaten unsere Beziehungen riskieren, weil wir unseren einzigen freien Tag in der Woche opfern, beenden wir das vielleicht.“ Doch bis es soweit kommt, wollen sie den Tatort weiter kritisch begleiten. Dabei werden die Grünen vermutlich selbst kritisch begleitet.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

13.05.2013, 22:54 Uhr

„BürgerInnenrechtsverletzungen“

Gleich fällt mir der Himmel auf den Kopf.
"Die spinnen, die GrünInnen"
Ich lach mich tot ;-)

Account gelöscht!

13.05.2013, 23:19 Uhr

Wenn ich daran zurück denke, wie die Grünen vor vielen vielen Jahren mal angetreten sind als "revolutinäre Kämpfer" gegen das "Establishment", gegen verkrustete engstirnige Kleinbürgerstrukturen in unserer Gesellschaft ....

.... und heute sind sie selber spießige Moralapostel, die mit der Mentalität kleingeistiger Erbsenzähler und mit völlig überzogener Regelungswut den Menschen hier im Lande nur noch auf den Geist gehen.

Account gelöscht!

13.05.2013, 23:56 Uhr

@Reingold - ich lach´immer noch...

Sponti-Sprüche
für Jüngere: Sprüche der 68´ger GrünInnen

Der Klügere gibt solange nach, bis er der Dumme ist.

Manche Menschen haben einen Horizont mit dem Radius Null und nennen das ihren Standpunkt.

Gestern standen wir am Rande des Abgrunds - heute sind wir einen Schritt weiter.

Lieber am Busen der Natur, als am Arsch der Welt!


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