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06.06.2012

11:23 Uhr

Taumelnde Banken

Spanien-Krise schreckt deutsche Politik auf

Mit wachsender Sorge blickt Deutschland auf die Bankenprobleme Spaniens. Die Union sieht die Regierung in Madrid am Zug, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die SPD fürchtet bereits eine weitere Zuspitzung der Krise.

Schuldenkrise

Spanien: Entspannung ist nicht in Sicht

Schuldenkrise: Spanien: Entspannung ist nicht in Sicht

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BerlinSpanien gerät immer tiefer in den Sog der Schuldenkrise. Der Staat kann die Kapitalmärkte nicht mehr anzapfen. Taumelnde Banken drohen das Land in den Abgrund zu ziehen. Die Entwicklung wird in Deutschland mit wachsender Sorge beobachtet. Mit Unionsfraktionschef Volker Kauder hat erstmals ein führender deutscher Koalitionspolitiker Spanien offen dazu gedrängt, sich wegen seiner Bankenprobleme unter den europäischen Rettungsschirm EFSF zu begeben. „Ich denke schon, dass Spanien nicht wegen des Landes, sondern wegen der Banken unter den Rettungsschirm muss“, sagte Kauder am Mittwochmorgen in der ARD.

Den Weg, über den EFSF dem staatlichen spanischen Bankenrettungsfonds Frob direkt Mittel zur Rekapitalisierung spanischer Banken zu geben, hält Kauder für nicht gangbar. Damit widersprach er einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, in dem dieser Weg als möglicher Kompromiss bezeichnet wurde, um die spanischen Bankenprobleme zu lösen.

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angesichts der spanischen Bankenprobleme zum Handeln auf. „Wenn sich in diesen Tagen die Krise wegen der spanischen Banken in ganz Europa wieder zuspitzt, wird es Zeit, dass die Bundeskanzlerin mit dem spanischen Ministerpräsidenten ein ernstes Wort redet“, sagte Schneider Handelsblatt Online. „Die spanische Regierung muss jetzt endlich entschlossen und zügig handeln.“ Der gesamte spanische Bankensektor müsse durchleuchtet werden. Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) habe „nicht überzeugend gearbeitet“, kritisierte Schneider. „Die Zahlen müssten dort eigentlich verfügbar sein.“

Forderungen deutscher Banken und Versicherungen an Spanien

Deutsche Bank

Das größte deutsche Finanzhaus war Ende März laut Geschäftsbericht mit netto insgesamt 13,7 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Rund die Hälfte der Summe (6,6 Mrd.) steht als Unternehmenskredite in den Büchern. Staatsanleihen und Kredite an die öffentliche Hand beliefen sich auf rund 1,4 Milliarden Euro. Weitere 3,6 Milliarden Euro verlieh die Bank an spanische Finanzinstitute. Hinzu kamen 1,9 Milliarden für den Bereich Retail.

Commerzbank

Die Bank bezifferte ihr Engagement Ende März auf mehr als 14 Milliarden Euro. Mit 2,9 Milliarden Euro standen Staatsanleihen in den Büchern. Gewerbliche Immobilienkredite beliefen sich auf 4,0 Milliarden Euro, Kredite an Unternehmen und sonstige auf 3,0 Milliarden. Auf 4,4 Milliarden Euro beliefen sich die Forderungen gegenüber Finanzinstituten.

DZ Bank

Das genossenschaftliche Institut hatte Ende 2011 Forderungen von 7,6 Milliarden Euro gegenüber der öffentlichen Hand sowie Unternehmen und Banken in Spanien. Rund 3 Milliarden entfielen auf Staatsanleihen. Der größte Teil mit rund 4 Milliarden Euro waren Wertpapiergeschäfte im nichtöffentlichen Bereich. Hinzu kamen Kredite an Unternehmen und die öffentliche Hand.

DekaBank

Das Institut war zum 31. Dezember 2011 mit insgesamt 1,35 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Auf rund 0,5 Milliarden Euro beliefen sich Forderungen gegenüber Banken und auf etwa 0,1 Milliarden Euro gegenüber den Staat. Der Rest entfiel im Wesentlichen auf Unternehmenskredite.

HRE

Die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) hält keine spanischen Staatspapiere, aber Papiere etwa von Kommunen oder staatsnahen Unternehmen im Wert von rund 4,5 Milliarden Euro. Dazu kommen 600 Millionen Euro für die Finanzierung gewerblicher Immobilien.

FMS Wertmanagement

Bei der Bad Bank der HRE sieht es anders aus: Die staatliche FMS Wertmanagement verfügt noch über spanische Papiere im Wert von 10,5 Milliarden Euro. In die Bad Bank wurden im Herbst 2010 Altlasten der HRE in Höhe von 173 Milliarden ausgelagert.

Allianz

Die Allianz hatte zum Ende des ersten Quartals spanische Staatsanleihen im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro in den Büchern stehen.

MunichRe

Der weltgrößte Rückversicherer ist laut Quartalsbericht in dem Land mit rund 1,4 Milliarden Euro in Staatspapieren engagiert. Weitere 4,6 Milliarden Euro stecken in Pfandbriefen. Bei spanischen Banken ist der weltgrößte Rückversicherer nur mit 14 Millionen Euro engagiert. Zur Höhe der Beteiligung etwa an spanischen Unternehmensanleihen, macht die MunichRe keine Angaben.

Bayrische Landesbank

Die Bayerische Landesbank hat keine spanischen Staatsanleihen in den Büchern. Allerdings summieren sich dem Geschäftsbericht 2011 zufolge die nach Spanien insgesamt vergebenen Kredite auf knapp 5,8 Milliarden Euro.

Norddeutsche Landesbank

Die Norddeutsche Landesbank war zum Ende des ersten Quartals (31. März) noch mit 499 Millionen Euro in Spanien engagiert. Details sollen voraussichtlich bei der Vorstellung der Geschäftszahlen am Donnerstag bekanntgegeben werden.

Westdeutsche Landesbank

Die Engagements der WestLB in Spanien (Staatsanleihen) liegen bei 727 Millionen Euro, bei der Ersten Abwicklungsanstalt EAA in Düsseldorf sind es für den gesamten öffentlichen Bereich (public finance, also Staat, Gebietskörperschaften, Kommunen) 1,18 Milliarden Euro.

HSH Nordbank

Die HSH Nordbank ist per Stichtag 31. März mit insgesamt 176 Millionen Euro in spanischen Staatspapieren engagiert. Das umfasst laut Bank klassische Staatsanleihen ebenso wie staatlich abgesicherte Kredite an staatsnahe Betriebe.

Spanien kämpft seit Tagen angesichts eines immer höheren Kapitalhilfe-Bedarfs für notleidende spanische Banken mit steigenden Zinsen bei staatlichen Kreditaufnahmen am Markt. Über die vergangenen Wochen hatte sich die Regierung des Landes hartnäckig geweigert, externe Hilfen über die EU-Rettungsschirme in Anspruch zu nehmen. Allerdings hatte Finanzminister Christobal Montoro am Dienstag erstmals eingeräumt, dass Spanien inzwischen unter Finanzierungsproblemen leide. Zu den derzeit hohen Zinsen seien die Märkte für sein Land praktisch nicht mehr zugänglich, klagte er.

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Unionsfraktionschef Kauder, der als Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel gilt, forderte Spanien nunmehr auf, sich mit einem Hilfeantrag an den EFSF zu wenden. Nach der nächsten größeren Kreditaufnahme des Landes müsse die Regierung Entscheidungen treffen, sagte er. Allerdings könne es dabei gemäß den Bestimmungen des Rettungsschirmes EFSF nur um Hilfen für das Land gehen, die üblicherweise mit Auflagen verbunden werden, und nicht um Direkthilfen für notleidende Banken. Gelder des EFSF an den spanischen Bankenrettungsfonds zu zahlen, ist Kauder zufolge keine erlaubte Lösung. „Diese Möglichkeit sehe ich nicht“, sagte der Unionspolitiker. Das gäben die geltenden EFSF-Regeln nicht her.

Spanische Nationalflagge. Reuters

Spanische Nationalflagge.

Kommentare (21)

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Eurowahn

06.06.2012, 11:52 Uhr

Spanien muss nicht wegen des Landes sodern wegen der Banken unter den Rettungsschirm, sagt Herr Kauder. Das ist ja mal ein Ding, dass das einer der Politiker offen sagt !! Jetzt werden also die Banken zum zweiten Mal gerettet auf internationaler Ebene. Jetzt geben es selbst die Politiker zu, dass die ganzen Hilfen nicht der Bevölkerung oder den Bürgern dienen, sondern auschließlich den Banken. Wenn das schon Herr Kauder sagt, der Frau Merkel so nahe steht.
Leute lasst euch nicht weiter für dumm verkaufen. Wir arbeiten dann bis 67 während die Franzosen u.a. bald weider mit 60 Jahren in Rente gehen. Alles was wir hier in Deutschland erwirtschaften, verschleudern unsere Politiker an internationale Banken.
Wenn das schon Her Kauder sagt muss es ja stimmen. $ Jahre nach Ausbruch der Krsie hatten die Plitiker Zeit, die Banken an die Leine zu nehmen. Nichts wurd egeamcht, es ist alles nur noch schlimmer geworden. Die Politiker haben über 4 Billionen Euro in das Bankensystem gepumpt.
Das Geld ist bei der Bevölkerung nie angekommen, deswegen verarmen die Menschen in den PIGSauch immer mehr.
Die Banken haben alleine davon profitiert und deren Manager und Vorstände. Denn die können sich ihre Millionengehälter und Boni mit unserem Geld weiter bezahlen. Im Jahre 2010 z.B. waren die Bankenboni in den USA höher als vor der Krise - sage und schreibe ca. 18 Milliarden Dollar

Account gelöscht!

06.06.2012, 12:04 Uhr

Alles kein Problem. Der Finanzexperte der Grünen, Schick hat sicher eine Lösung. Die Bankguthaben und die Finanzkraft der Deutschen ist unendlich.

FredFerkel

06.06.2012, 12:14 Uhr

Die Banken haben deshalb so eine Macht, da unsere ganze Wirtschaft auf Pump lebt.
Ich bin für Staatliche Banken ohne TOP Boni gehälter in welchen nur Beamte nach Dienstvorschrift verwalten.

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