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29.01.2010

12:00 Uhr

Technik an Privatschulen

Mit dem Solarboot auf den Stausee

VonBritta Mersch

Mit speziellen Projekten fördern private Schulen das Interesse der Schüler an Naturwissenschaft. Dabei soll nicht die graue Theorie, sondern praktische Wissenserprobung eine große Rolle spielen. So können schon junge Schüler in ihren Begabungen gefördert werden - und das Profil der Schule geschärft werden.

Privatschulen setzen auf Praxis in den Naturwissenschaften. dpa

Privatschulen setzen auf Praxis in den Naturwissenschaften.

KÖLN. Seine Schüler im Unterricht nur Mathe- oder Physikaufgaben lösen zu lassen, davon hält Joachim Weckler wenig. Der Lehrer am Internatsgymnasium Institut Lucius im hessischen Echzell schraubt mit ihnen lieber Solarmodelle zusammen, mit denen sie an Wettbewerben und Rallyes teilnehmen. Das Ziel: eine vorgegebene Strecke möglichst energieeffizient zurückzulegen. Offenbar mit Erfolg. Schon mehrfach haben die Schüler des Instituts Lucius Wettbewerbe gewonnen – etwa die Internationale Deutsche Solarmobil-Meisterschaft.

Mehr als zehn Jahre lang gibt es die AG schon, zuletzt haben die Schüler ein Solarboot entwickelt, mit dem sie auch Fahrten auf einem nahe gelegenen Stausee machen. Dass die Schüler so begeistert dabei sind, liegt laut Joachim Weckler daran, dass er an einem privaten Internat ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten hat als an einer staatlichen Schule: „Ein solches Engagement ist nur im Rahmen von zusätzlichen Arbeitsgemeinschaften möglich, die sehr zeitintensiv sind.“ Zwei Stunden Arbeit pro Woche plant er ein. Viele Schüler machen aber deutlich mehr: „Sie arbeiten auch am Wochenende oder in den Ferien an ihren Modellen.“

Das Engagement der Schulen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint) hat in Deutschland insgesamt zugenommen – auch weil es politisch so gewollt ist. Das spiegelt sich im Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen Deutschlands (Mintec) wider, der das naturwissenschaftliche Profil von Schulen stärken will.

Insgesamt 100 Schulen haben sich dem Netzwerk mittlerweile angeschlossen – bei den privaten sind es vor allem Schulen mit kirchlichen Trägern. Eine kirchliche Schule, die zum Netzwerk gehört, ist die CJD Christophorusschule in Rostock, die ganz unterschiedliche inhaltliche Profile hat. Weil sie aus zwei Schulen mit den Schwerpunkten Sport und Naturwissenschaften hervorgegangen ist, pflegt sie noch heute diese Spezialisierungen.

Die Schule mit 950 Schülern besteht aus Grundschule, Gymnasium und Internat. Als staatlich anerkannte Schule ist sie zwar an Prüfungsordnungen gebunden – aber wie der Unterricht aussieht, kann die Schule freier gestalten: „Jedes Kind soll bei uns die Chance bekommen, in seinen Neigungen und Interessen am besten gefördert zu werden“, sagt Jürgen Penthin, Oberstufenkoordinator des Gymnasiums.

Zusätzlich zum Kernunterricht wählen die Schüler aus einem Kanon von zehn Fächern eines aus, in dem sie besonders gefördert werden. Schüler mit einem besonderen naturwissenschaftlich-technischen Interesse können zum Beispiel Zusatz-Experimente in Physik machen, kleine Maschinen bauen oder an Wettbewerben teilnehmen: „Wir wollen die Schüler auf diese Weise ermuntern, schon früh ihre Stärken herauszufinden“, sagt Penthin.

Ein Profil, mit dem Privatschulen gegenüber den staatlichen deutlich punkten: „Privatschulen können schon deshalb mehr Programm anbieten, weil sie über ganz andere Ressourcen verfügen“, sagt der Wuppertaler Bildungsforscher Walter Thomann. Sie können frei Lehrer wählen, pflegen oft enge Kontakte zu den Schülern und können diese in einer Form fördern, die an staatlichen Schulen oft nicht möglich ist. Zwei besondere inhaltliche Schwerpunkte gibt es auch im Internat und Gymnasium Haus Overbach. Neben der Musik sind es die Naturwissenschaften: Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen werden dort gepflegt, zum Beispiel mit den Forschungslaboratorien der Philips GmbH Aachen. Der Mint-Unterricht ist besonders innovativ, weil die Schüler fachübergreifend in den Naturwissenschaften und Mathematik unterrichtet werden. Sie nehmen an vielen Wettbewerben teil und können im neuen Science-College auf dem Campus, das im vergangenen Jahr eröffnet wurde, ihr Wissen in Laboren erproben. Dort treffen sie auch mit internationalen Wissenschaftlern zusammen. Auch im Pädagogium Baden-Baden liegt ein Schwerpunkt der Schule im Bereich der Naturwissenschaften. Der spielerische Umgang mit den Mint-Fächern beginnt schon in der 5. Klasse.

Die Schüler lernen, wie eine Glühbirne funktioniert oder wie Transistoren arbeiten. Zusätzlich zum Unterricht wird in diesem Jahr ein Exzellenzkurs eingerichtet. Schüler ab der Klasse 6, die besondere Begabungen in den Naturwissenschaften haben, können sich mit bestimmten Problemen oder Phänomenen näher beschäftigen.

Den Lehrern des Pädagogiums Baden-Baden ist es wichtig, dass die Schüler mit einem guten Rüstzeug in den Beruf starten. Schulleiter Thomas Raible betont, was sein Konzept von dem öffentlicher Schulen unterscheidet: „An der Privatschule können wir immer neue Ideen ausprobieren, so dass auch die Schüler wieder neue Erfahrungen machen.“ Durch den engen Kontakt zu den Schülern sei eine individuelle Förderung unmittelbar möglich.

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