Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2015

14:34 Uhr

Tegida

Die Anti-Pegida-Bewegung auf Facebook

VonNora Burgard-Arp
Quelle:Meedia.de

Immer mehr Menschen demonstrieren gegen Pegida: Bei Facebook ging die Seite „Tolerante Europäer gegen die Idiotisierung des Abendlandes” (Tegida) online. Innerhalb weniger Tage kamen mehrere Tausend Likes zusammen.

Bei Facebook ruft die Initiative Tegida („Tolerante Europäer gegen die Idiotisierung des Abendlandes”) zu einer Anti-Pegida-Demo auf.

Bei Facebook ruft die Initiative Tegida („Tolerante Europäer gegen die Idiotisierung des Abendlandes”) zu einer Anti-Pegida-Demo auf.

Gegründet wurde die Facebook-Seite von einer Privatperson, die auch zu Hamburgs erster Anti-Pegida-Demo aufrief. Die Veranstaltung verbreitete sich bei Facebook wie ein Lauffeuer und innerhalb nur eines Tages meldeten sich 1500 Teilnehmer an. Mittlerweile sind es über 4000.

Gegenüber dem Blog „Mit Vergnügen Hamburg” erklärt die Initiatorin, sie habe die Seite aus „einer Laune heraus” ins Leben gerufen, sie sei für Freunde und Mitstreiter gedacht gewesen. Mit einem derartigen Zulauf habe sie nicht gerechnet.

Die geplante Demo für Toleranz und gegen Pegida sagte sie deshalb zunächst mit der Begründung ab, die Organisation nicht alleine tragen zu können.

Das Phänomen „Pegida“ und was dahinter steckt

„Pegida“

Als Ende Oktober die ersten paar Hundert Leute demonstrierten, stießen auf wenig Beachtung. „Pegida“-Anhänger protestieren gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands und angeblichen Asylmissbrauch. Das neue Ausmaß der Demos schreckt Politiker und Experten auf, auch im Bund. Sie warnen vor „Hetze“ und „Pogromstimmung“. (Quelle: dpa)

Was wollen die „Pegida“-Leute?

Die Anhänger der Bewegung fordern eine strengere Asylpolitik und sind gegen die Aufnahme von „Wirtschaftsflüchtlingen“ – also Asylbewerbern, die ihrer Ansicht nach keinen Anspruch auf Schutz haben und angeblich nur auf Sozialleistungen aus sind. Sie wettern gegen muslimische Extremisten und vermeintliche Glaubenskriege auf deutschem Boden.

Wer steht hinter „Pegida“?

Der Initiator ist Lutz Bachmann. Der gelernte Koch ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Drogendelikten. An seiner Seite demonstrieren viele Bürger, die sich ausdrücklich nicht in die Nähe von Rechtsextremen gerückt sehen wollen. Auch Bachmann betont immer wieder, er lehne jede Art von Radikalismus ab. Es haben sich aber längst Hooligans, Neonazis und bekennende Islamfeinde unter die Protestler gemischt. Auch zahlreiche Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) sind dabei.

Ist das Phänomen auf Dresden beschränkt?

Nein. Inzwischen gibt es auch in anderen Regionen Ableger von „Pegida“ – etwa in Düsseldorf („Dügida“), Kassel („Kagida“), Bayern („Bagida“) oder Ostfriesland („Ogida“), aber auch in einigen anderen Städten. Die Bewegung wächst schnell – nicht zuletzt durch das Internet. Die Macher sind sehr aktiv bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken und mobilisieren so stetig neue Anhänger.

Warum halten Politiker und Experten die Bewegung für gefährlich?

„Pegida“ verallgemeinere extrem und vermische wild Themen, meinen Fachleute. Die Gruppe werfe „Kampfvokabeln“ in die Menge, nutze Ängste in der Bevölkerung und lade sie zu Ressentiments auf, sagt der Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke. Das sei klassischer Rechtspopulismus. Funke sieht bereits Ansätze einer rechtsextrem inspirierten Massenbewegung. Sicherheitskreise befürchten, dass Rechtsextreme die Bewegung systematisch unterwandern könnten. Auch viele Politiker sprechen von besorgniserregender ausländerfeindlicher Stimmungsmache. Die AfD zeigt dagegen Verständnis für die Proteste.

Wie konnte „Pegida“ entstehen?

Auslöser der Proteste ist die Asylpolitik. Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit langem. Experten meinen, Bund und Länder hätten viel zu spät darauf reagiert. Das Ergebnis: Viele Kommunen sind mit der Lage überfordert, müssen Flüchtlinge in Wohncontainern oder Zelten unterbringen. Mancher Bürger hat daher das Gefühl, Deutschland könne damit kaum fertig werden – auch wenn das für die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt sicher nicht zutrifft. Funke klagt, die politischen Verantwortlichen hätten es versäumt, auf solche Ängste in der Bevölkerung einzugehen. Die Linke wirft den Innenministern der Union vor, sie hätten für all das überhaupt erst den Boden bereitet – durch ihre Warnungen vor „Armutszuwanderung“ oder „Asylmissbrauch“.

Wie geht es weiter?

Bisher wurden die Dresdner Demos jede Woche größer. Inzwischen formiert sich aber einiger Widerstand gegen die neue Bewegung. Die Gegendemonstration in Dresden war am Montag fast so groß wie der „Pegida“-Aufmarsch. Experten mahnen, wichtig sei nicht nur breite Gegenwehr dieser Art. Entscheidend sei, vernünftig mit der wachsenden Zahl an Flüchtlingen umzugehen und so den Ängsten in der Bevölkerung zu begegnen. Das Thema „Pegida“ kommt Ende der Woche auch bei der Innenministerkonferenz in Köln auf den Tisch.

Ihre Hoffnung, es könne sich ein anderer Organisator finden, wurde prompt erfüllt: Ein Abgeordneter der Linken, Horst Schneider, schrieb unter den Beitrag, er würde dies sehr gerne übernehmen. Im Gespräch mit „Mit Vergnügen Hamburg” betonte er: „Wir haben das übernommen, weil wir gemerkt haben, dass da etwas Großes, Positives entsteht. Zumal die Absage ein gefundenes Fressen für Pegida und Co gewesen wäre.” Die Demonstration wird also wie geplant in Hamburg stattfinden.

Das Phänomen Tegida beweist gleich zwei Dinge: Erstens wie dringend die Menschen gegen die Pegida-Montage demonstrieren wollen und zweitens welche politische Wirkungskraft Social Media – vor allem Facebook – haben kann. Pegida selbst entstand aus einer Facebook-Gruppe und zählt mittlerweile mehr als 100.000 „Gefällt mir”-Angaben.

Doch auch die Gegenstimmen im Social Web werden immer lauter. Neben Tegida hat zum Beispiel die Seite No Bergida bereits knapp 3000 Likes gesammelt und 24.000 Kölner kündigten bei Facebook bereits an, während der angekündigten Pegida-Demo am Montag die Lichter in ihren Wohnungen auszuschalten – um die Demonstranten im Dunkeln stehen zu lassen. Auch der Kölner Dom wird sich anschließen und das Licht ausknipsen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolfgang Trantow

05.01.2015, 18:42 Uhr

Wie können Menschen Mörder unterstützen? Jeder Islamgläubige befolgt den Defehl? Tötet Andersgläubige! Haben wir nur noch Todessüchtige im Land? Wieso bekämpfen diese leute nicht den Islam bzw. die Fatwa? Wollen Sie Hr. Rushdie unbedingt tot sehen??

Herr Niccolo Machiavelli

06.01.2015, 08:15 Uhr

"Tolerante Europäer gegen die Idiotisierung des Abendlandes"

Toleranz ist die Manifestation der Scheidelinie zwischen Menschen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×