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29.07.2016

14:15 Uhr

Terrassengespräch der Verlagsgruppe Handelsblatt

„Die herrschende politische Klasse versagt“

VonJessica Schwarzer

Terrorangst, Flüchtlingskrise und Politikverdrossenheit lassen Populisten in Europa und in den USA erstarken. Doch wie verändert der Aufstieg des Populismus die Medien? Stärken sie die Populisten vielleicht sogar?

„Wie verändert der Aufstieg des Populismus die Medien?“ fragte der Moderator Jochen Breyer den Ex-Minister Wolfgang Clement, N-TV-Chefin Sonja Schwetje und Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (von links).

Düsseldorfer Terrassengespräch

„Wie verändert der Aufstieg des Populismus die Medien?“ fragte der Moderator Jochen Breyer den Ex-Minister Wolfgang Clement, N-TV-Chefin Sonja Schwetje und Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (von links).

Aktueller konnte das Thema kaum sein. Erst vor wenigen Tagen haben die Amerikaner mit Donald Trump einen Populisten zum US-Präsidentschaftskandidaten nominiert. Die Briten haben sich vor einigen Wochen für den Austritt aus der Europäischen Union (EU) entschieden – auch aufgrund falscher Versprechungen von Populisten wie Boris Johnson, heutiger britischer Außenminister, oder Ukip-Parteichef Nigel Farage. Und in Frankreich wächst mit jedem Terroranschlag der Zuspruch für die Rechten, den Front National von Marine Le Pen.

Der Populismus, so scheint es, hat Hochkonjunktur. Ein Phänomen, das auch Thema des ersten Terrassengesprächs der Verlagsgruppe Handelsblatt in diesem Sommer war. „Wie verändert der Aufstieg des Populismus die Medien?“ fragte Fernsehmoderator Jochen Breyer die N-TV-Chefredakteurin Sonja Schwetje, den ehemaligen Bundesminister Wolfgang Clement (SPD) und Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe.

Gut 120 Gäste erlebten eine muntere Diskussion auf der Dachterrasse des Verlagsgebäudes in Düsseldorf. Ex-Superminister Clement brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt: „Populismus wendet sich gegen die Eliten.“ Doch diese Einsicht alleine erklärt weder das Phänomen noch den Zuspruch, den Trump, Johnson, Farage oder Le Pen erfahren. „Populismus reduziert komplexe Themen“, wagte N-TV-Chefin Schwetje einen Erklärungsversuch. „Die Menschen haben einen Wunsch nach einfachen Antworten, nach einfachen Lösungen.“ Das mache es so einfach für Populisten, denn sie schienen nah an den Menschen dran zu sein, ohne sich anzubiedern.

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Das konnte Handelsblatt-Chefredakteur Afhüppe zwar unterschreiben, ergänzte aber: „Populismus fällt nicht vom Himmel. Populismus entsteht, weil in vielen Ländern die politischen Systeme keine Lösungen für die drängenden Probleme der Zeit liefern.“ Ob Flüchtlingskrise oder drohende Altersarmut – Antworten auf drängende Fragen würden die Menschen oft am rechten oder linken Rand finden. „Die herrschende politische Klasse versagt hier“, so Afhüppe. „Wenn die Politik ihre Entscheidungen zudem als alternativlos verkauft, bereitet sie den Nährboden für Populismus.“

Clement ergänzte, dass die Antworten der Populisten oft nicht akzeptabel, mitunter sogar inhaltlich falsch seien. „Doch ihre Kritik zeigt Mängel der Politik auf“, so Clement. Die Diskutanten waren sich einig, dass die Populisten oft ein wichtiges und richtiges Thema aufgriffen, ihre Argumente aber oft falsch und ihre Forderungen irreführend seien. „Populismus ist nicht grundsätzlich böse“, sagte Schwetje. „Aber wir müssen über Fakten sprechen. Emotionen helfen bei komplexen Themen nicht weiter.“

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