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19.11.2015

14:57 Uhr

Terror in der Welt

Eine Formel für den Frieden

VonMichael Wolffsohn

Die islamische Welt kommt nicht erst jetzt zu uns. Längst sind wir demografisch und religionspolitisch mit allen Konflikten der islamischen Welt verflochten. Das birgt Gefahren – und ermöglicht Chancen. Ein Kommentar.

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Professor Tacheles

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

DüsseldorfDeutschland und Westeuropa durchleben eine gesellschaftliche, demografische Revolution. Sie ist nicht neu. Sie begann nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwei Ursachen sind zu nennen. Entkolonialisierung und wirtschaftliche Magnetkraft. Diese demografische Revolution ist zugleich eine „theologische“ Revolution. Präziser: eine religiöse.

Westeuropa und Deutschland wurden und werden islamischer. Der Grund ist ganz einfach. Es gibt weder Kinder noch Inder oder – trotz hoher Arbeitslosigkeit in ihrer Heimat – nicht einmal genügend Europäer, welche die demografische Lücke schließen, also unsere Überalterung verlangsamen oder verhindern.

Die islamische Welt kommt nicht erst jetzt zu uns. Längst sind wir demografisch und religionspolitisch durch die Neu-Bevölkerung mit allen Konflikten der islamisch-nah- und mittelöstlichen Welt verflochten.

Terror in Mali: Mindestens 27 Menschen sterben bei Angriff auf Luxushotel

Terror in Mali

Mindestens 27 Menschen sterben bei Angriff auf Luxushotel

Die Geiselnahme im Radisson-Luxushotel in Malis Hauptstadt Bamako ist beendet: Dschihadistische Angreifer hatten 170 Geiseln genommen – unter ihnen auch Deutsche. Mindestens 27 Menschen wurden getötet.

Das birgt Gefahren. Das ermöglicht auch Chancen. Etwa diese: Wenn wir auf unseren Regeln gewaltloser Debatten beharren, könnten sich weltoffene islamische Reformer gegen Islamisten durchsetzen. Der militante Islam wäre „entmilitarisiert“.

Manche fragen: Wann kommt der „Aufstand anständiger Muslime“? Viele Muslime, Personen und Institutionen, protestieren gegen Terror, islamische und andere Intoleranz. Sie müssen sich, so wenig wie „die“ Deutschen, für alles und jedes in ihrer Teil-Welt persönlich verantwortlich fühlen, täglich demonstrieren (das nutzt sich ab und polarisiert zusätzlich) oder gar einen „Aufstand“ (welcher Art?) anzetteln.

Im Gefolge der Entkolonialisierung von 1945 bis 1975 strömten viele Menschen aus den außereuropäischen Ex-Kolonien in die ehemaligen Kolonialstaaten. Besonders nach Großbritannien, Frankreich, teils Italien, die Niederlande, Belgien, Spanien und Portugal.

Erfolge, Niederlagen und Terror des IS seit Ausrufung des „Kalifats“

IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak hervor. Ein Rückblick:

29. Juni 2014

Die sunnitischen Dschihadisten rufen in den von ihnen eroberten Gebieten in Syrien und im Irak ein „Kalifat“ aus. Erster „Kalif“ des neuen Gottesstaates sei Anführer Abu Bakr al-Bagdadi.

August 2014

8. August: Die USA fliegen erste Angriffe im Nordirak.

August: Die Enthauptung eines US-Journalisten schockt die Welt. In den folgenden Monaten verbreitet der IS im Internet weitere Videos mit der Ermordung zweier US-Bürger und zweier Briten.

19. September und Dezember 2014

19. September: Frankreich startet mit Hilfe arabischer Partnerländer erstmals Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien.

Dezember: Kurdische Soldaten beenden mit Hilfe internationaler Luftangriffe die Belagerung des Sindschar-Gebirges nahe der IS-Hochburg Mossul. Im August waren Zehntausende Angehörige der jesidischen Volksgruppe vor den Dschihadisten in die Berge geflohen.

Januar und Februar 2015

Januar 2015: Nach monatelangen Kämpfen vertreiben kurdische Kämpfer den IS aus der nordsyrischen Stadt Kobane an der türkischen Grenze.

Februar: Ein Video zeigt, wie ein gefangener jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wird. Zuvor hatte die Terrormiliz bereits die Tötung zweier japanischer Geiseln zur Schau gestellt.

März und April 2015

März: Irakische Kräfte erobern die strategisch wichtige Stadt Tikrit zurück, die die Extremisten im Juni 2014 besetzt hatten.

April: IS-Kämpfer dringen in Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad ein. Tausende Iraker fliehen vor dem Terror Richtung Bagdad, dürfen die Hauptstadt aber nicht betreten.

Mai und Juli 2015

Mai: Die Terrormiliz bringt Ramadi vollständig unter ihre Kontrolle. Kurden erobern IS-Gebiete in Nordsyrien.

Juni: Der IS verbreitet ein schockierendes Video über neue Hinrichtungsmethoden.

24. Juli und 6. August 2015

24. Juli: Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag im türkischen Suruc fliegen türkische Kampfjets erstmals Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Zudem öffnet Ankara wenig später den südtürkischen Nato-Stützpunkt Incirlik für US-Luftschläge gegen den IS.

6. August: Einer US-Bilanz zufolge hat das internationale Anti-Teror-Bündnis in einem Jahr mehr als 5900 Luftschläge gegen den IS im Irak und in Syrien geflogen. Außerdem sollen 10 000 IS-Kämpfer bei Angriffen getötet worden sein.

18. und 23. August 2015

18. August: Der IS enthauptet den früheren Chef-Archäologen der irakischen Oasenstadt Palmyra. Nach US-Angaben stirbt die Nummer zwei der Terrormiliz, Hadschi Mutas, bei einem Luftangriff im Irak.

23. August: Der IS sprengt den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin in Palmyra. Einige Tage später zerstören die Extremisten auch den Baaltempel.

September 2015

Eine weitere Koalition bildet sich.  Russland bestätigt erstmals die Präsenz von Militärexperten in Syrien. Vorher waren Bilder russischer Soldaten in Syrien in den sozialen Netzwerken aufgetaucht. Russland und Iran unterstützen Syrien im Kampf gegen den IS, aber auch gegen andere Oppositionsgruppen.

November 2015

Nach den Anschlägen von Paris vom 13. November mit mindestens 129 Toten fliegt die französische Luftwaffe verstärkt Angriffe auf die Stadt Al-Raqqa, das inoffizielle Zentrum des vom IS kontrollierten Gebiet im Irak und Syrien. Frankreich fliegt bereits seit September 2014 Luftangriffe auf IS-Stellungen.

Als die DDR-Führung im August 1961 ihre Bürger hinter Mauer und Stacheldraht einsperrte und auf Flüchtlinge schoss, suchte Westdeutschland händeringend „Gastarbeiter“. Man fand sie in der Türkei. Die türkischen Gäste blieben, bekamen Kinder oder holten ihre Familien nach. Sie wurden Einwohner, Staats- und Mitbürger.

Mehr oder weniger integriert, nicht paradiesisch, aber deutlich besser als etwa in Frankreich, Belgien oder Großbritannien. Weil es sich trotz aller Integrationsprobleme in Krisenregionen (besonders in der islamischen Welt und auf dem Balkan) herumsprach, dass man in Deutschland gut lebt, kamen immer mehr Migranten. Allen voran muslimische.

Dem Zerfall des Ostblocks und Jugoslawiens seit 1989/90 folgten Chaos und Kriege, denen zahlreiche Menschen entflohen. Sie kamen besonders 1991 bis 1993 nach Deutschland, wo alte und neue Rechtsextremisten (wie jetzt) Flüchtlingsheime in Brand steckten.

New York, Madrid, Paris, ...: Der neue Krieg

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Premium Der neue Krieg

Der Krieg verändert sein Gesicht. Beim Kampf gegen Terrorgruppen wie den Islamischen Staat gibt es weder Sieg noch Niederlage – und deswegen ist auch nicht zu erwarten, dass er bald enden wird. Eine Bedrohungsanalyse.

Als 1998/99 der Kosovo-Krieg tobte, strömten erneut Flüchtlinge zu uns. Um diesen Strom zu stoppen, zogen „wir“ mit anderen in diesen Krieg. Serbien wurde besiegt. Einstweilen blieben die Menschen in den neuen Balkanstaaten. Schon vor 2014/15, der neuen Flüchtlingswelle, hatte jeder fünfte Deutsche einen „Migrationshintergrund“. Die Entwicklung auf dem Balkan stagniert, die Menschen verloren 2014/15 die Geduld. Sie strömen wieder zu uns. Hätten wir dort investiert, sähe es anders aus.

Aus den Ex-Kolonien kamen von 1945 bis 1975 nach Westeuropa vornehmlich Ex-Kollaborateure (=Mitmacher) der Kolonialmächte oder Menschen, die meinten, sie könnten im einstigen „Mutterland“ besser, bequemer und wohlständiger leben. Auch hier war es der Wirtschaftsmagnet, der Migranten herzog.

Kommentare (43)

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Herr Jürgen Bertram

20.11.2015, 14:46 Uhr

@Wolffson

Die Zeiten, wo "Westdeutschland händeringend Gastarbeiter gesucht" hat, sind lange vorbei.
Die "Job's", die die Mehrzahl der Flüchtlinge aufgrund Ihrer (i.d.R. leider fehlenden Lesen, Schreiben, Sparche) Bildung ausführen können, lassen sich an einer Hand abzhählen.
Wo wollen Sie diese Leute arbeitsmäßig unterbringen?

Es überfordert unseren Sozialstaat, diese Masse an Menschen hier, nach unseren Sozialstandards, durchzufüttern.
Was werden die "Flüchtlinge tun, wenn Sie irgendwann merken, dass Sie hier nicht das "versprochende Paradies" vorfinden?

Wenn Sie die Sache realistisch betrachten kann nur ein Fazit stehen:
Die "Flüchtlingspolitik" von Fr. Dr. Angela Merkel ist nicht umsetzbar.

Daher bleibt nur zu sagen:

!!!! MERKEL MUSS WEG !!!!

Herr Peter Delli

20.11.2015, 14:46 Uhr

Eine Formel für den Frieden"
Europa führt glücklicherweise seit 1300 Jahren Krieg gegen den Islam und sollte
das auch weiter tun. Niemand braucht diese Religion die christliche ist schon
schlimm genug. Die Frage der Überalterung ist mit, was für ein Glück, endlich
gibt es Platz für ein Leben als Mensch und nicht als Ölsardine. Bleiben Sie mir weg mit Moslems und Überalterung aber machen sie endlich die Grenzen dicht und behalten sie die täglichen 10000 Okkupanten in Afrika.

Account gelöscht!

20.11.2015, 14:46 Uhr

Die Formel für Frieden heißt bestimmt nicht weiter so. Zumindest nicht für einen Deutschen. Das gilt nur für einen Großteil der Poliltik und der Ägide dieser Gesellschaft und sonstige Renter und Gutmenschen.

In fast allen Stadtteilen in Deutschlands Großstädten ist der Anteil von Ausländern -vornehmlich Muslime- über 30%. In Frankfurt am Main wird in 2016 jedes 2. Kind mit Migrstionshintergrund sein. Im Ruhrgebiet leben mind. ein Drittel dieser Menschen von Transferleistungen. Im Arrest liegt der Anteil bereits bei 70%.

Das sind keine Dinge aus dercTrickkistr, sondern schon lsnge Realität. Das wissen viele Menschen, die auch sehen können, wie ganze Stadtteile regelrecht unter die Räder gekommen sind. Teils beherrschen ganze Clans Straßenzüge die aus verschiedensten Nationalitäten hier ihren Job als Kriminelle bestreiten.

Und jetzt noch die Flüchtlingskrise on Top brlastet hier viele Menschen, die das Glad überlaufen sehen.

Vermutlich habe diese Menschen aber mehr emotionale Intelligenz und Gespür für solche Dinge, weil sie die in der Realität und nicht im Elfenbeintutm leben.


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