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23.05.2015

15:22 Uhr

Terror in Deutschland

Verhafteter IS-Mann wollte wohl Gauck töten

Hatte ein in Schweizer U-Haft sitzender mutmaßlicher IS-Terrorist vor, Bundespräsident Gauck zu töten? Entsprechenden Spuren gehen Ermittler in der Grenzregion nach, seit der irakische Islamist festgenommen wurde.

Ziel eines IS-Terrorattentats? Bundespräsident Joachim Gauck. dpa

Joachim Gauck

Ziel eines IS-Terrorattentats? Bundespräsident Joachim Gauck.

Berlin/BellinzonaSchweizer Ermittler prüfen nach Medienberichten derzeit Verdachtsmomente gegen einen im Vorjahr festgenommenen Islamisten, der möglicherweise einen Anschlag auf Bundespräsident Joachim Gauck plante. Wie die „Berliner Morgenpost“ und das Onlineportal „Der Westen“ am Samstag schrieben, ist der Verdächtige ein „mutmaßlich hochrangiger IS-Terrorist“ in Schweizer Untersuchungshaft.

Der 27-jährige Iraker wurde am 21. März 2014 in Beringen im Schweizer Kanton Schaffhausen am Bodensee festgenommen. Konkret wird ihm „Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht“ vorgeworfen. Das Bundesstrafgericht der Schweiz in Bellinzona verlängerte seinen Gefängnisaufenthalt kürzlich auch mit der Begründung, er habe sich selbst als „beliebten und angesehenen Kämpfer“ des Islamischen Staates (IS) bezeichnet.

Er soll über Kontakte zu Freunden in Österreich, Deutschland und Großbritannien verfügt haben. Nach Auswertung der beschlagnahmten elektronischen Kommunikation gehen die Fahnder davon aus, dass er in der Schweiz eine IS-Terrorzelle aufbauen wollte, heißt es in den Medienberichten.

So viel kostet ein Terroranschlag

Die exakten Kosten...

... ... für Anschläge von Terrororganisationen sind schwierig zu bestimmen, wurden jedoch gerade als Folge von 9/11 von den Ermittlungsbehörden taxiert.

500.000 US-Dollar...

... haben demnach die Anschläge vom 11. September gekostet. Es ist die höchste Summe, die soweit bekannt, jemals für einen Terrorangriff ausgegeben wurde. Bereitgestellt wurde das Geld durch Überweisungen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung...

... aus Sicht der Islamisten ist dabei gerade nach 9/11 perfekt aufgegangen. Den 500.000 investierten Dollars stehen direkte Kosten des Sachschadens 15,5 Milliarden US-Dollar gegenüber plus weitere Milliarden Belastungen der Haushalte durch den „Kampf gegen den Terror“ und gesamtwirtschaftliche Kosten, etwa für Fluglinien und Versicherungen.

Die Bombenanschläge auf Bali...

... mit mehr als 200 Todesopfern im Oktober 2002 kosteten die Terroristen deutlich weniger. So wird die Summe, die dafür aufgewendet wurde, mit 50.000 Dollar taxiert.

Die Anschläge von Madrid...

... vom 11. März 2004 auf Nahverkehrszüge, bei denen 192 Menschen starben, werden mit maximal 15.000 Dollar angegeben.

Extrem niedrige Kosten...

... für die Islamisten verursachten die Anschläge auf die U-Bahn in London im Juli 2005 mit mehr als 30 Toten zur Rushhour am 7. Juli 2005. Die vier Bomben, vier Rucksäcke, Handys und Zugtickets kosteten die Terroristen höchstens 2000 Dollar.

Diese Mikrofinanzierung...

... des Terrors macht es so schwierig, die Finanzströme mit den üblichen Kontrollen aufzudecken und zu stoppen. Das zentrale Mittel dieser Organisationen sind die selbstmordbereiten Attentäter, für deren individuellen und kollektiven Deradikalisierung aus Sicht von Experten zu wenig getan wird.

Quelle

German Institute of Global and Area Studies/Konrad-Adenauer-Stiftung/eigene Recherche

Die brisanteste Spur der Pläne des Mannes und von zwei ebenfalls festgenommenen mutmaßlichen Komplizen führe nach Deutschland: Der Verdächtige habe womöglich vorgehabt, die Bundeswehr anzugreifen oder Gauck zu töten.

Die Schweizer Polizei soll auf dem Handy des 27-Jährigen ein Kartenprogramm gefunden und ausgewertet haben. Drei Markierungen zeigten Schauplätze in Syrien, an denen es IS-Anschläge gegeben hatte, drei weitere Orte in Deutschland: ein Bundeswehr-Krankenhaus, ein Gebäude des Chemiekonzerns Bayer - und Schloss Bellevue, den Amtssitz des Bundespräsidenten.

Die Schweizer Behörden machten am Samstag unter Hinweis auf das laufende Verfahren keine Angaben zu dem Fall. Dem Vernehmen nach sollen die Informationen aus deutschen Ermittlerkreisen stammen. „Der Vorgang ist der Bundesanwaltschaft bekannt“, bestätigte ein Sprecher in Karlsruhe der „Berliner Morgenpost“ und dem „Westen“, ohne Details zu nennen. Mit einer Bewertung des Falles halte sich die oberste deutsche Ermittlungsbehörde derzeit zurück, hieß es.

Von

dpa

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