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03.06.2016

13:04 Uhr

Terroranschlag in Düsseldorf vereitelt

„Wie weit ist das weg von Deiner Arbeit?“ „600 Meter“

Düsseldorf als Angriffsziel von Terroristen? Viele Redakteure lassen die Ereignisse auch nach Feierabend lange noch nicht los. Denn die Altstadt ist nur wenige Meter vom Büro des Handelsblatts entfernt. Ein Streiflicht.

An der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee haben IS-Terroristen einen Anschlag geplant. dpa

U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee in Düsseldorf

An der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee haben IS-Terroristen einen Anschlag geplant.

Düsseldorf/KölnAm Tag, nachdem bekannt wurde, dass die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in der Düsseldorfer Altstadt einen Anschlag plante, reagieren die Menschen unterschiedlich. Für viele Redakteure beim Handelsblatt ist die Festnahme dreier mutmaßlicher Terroristen auch noch Thema, lange nachdem die Zeitung in Druck ist und Online alle Nachrichten verarbeitet sind. Denn die Düsseldorfer Altstadt ist nur einen Steinwurf vom eigenen Arbeitsplatz entfernt – wie für Axel Schrinner und seine Tochter: „Papa, arbeitest Du nicht da?“, fragt die Tochter. „Ja“, antwortet er. „Wie weit ist das weg von Deiner Arbeit?“ „600 Meter.“

Andere sind nicht überrascht, fühlen sich wenig betroffen. Denn für sie ist die Bedrohung nicht neu. Unsere Redakteure berichten, was sie erlebt haben.


Stefan Menzel: Die Angst vor dem Terror und die Reaktion der Kinder

Terrorziel Düsseldorf: Anschlag mit zehn Attentätern?

Terrorziel Düsseldorf

Anschlag mit zehn Attentätern?

Der Terroranschlag in Düsseldorf sollte weit größere Ausmaße haben als bisher bekannt. Die Islamisten planten einem Bericht zufolge, dass zehn Attentäter Terror in der beliebten Altstadt verbreiten.

Schon auf dem Heimweg ist mir am Donnerstag klar gewesen: Das wird zu Hause kein gewöhnlicher Abend. Schon den ganzen Nachmittag über liefen die Meldungen über den geplanten Terroranschlag in der Düsseldorfer Altstadt, natürlich mussten meine Kinder davon etwas mitbekommen haben. Sie würden mich danach fragen, zumal die Redaktion nur wenige Hundert Meter entfernt ist vom avisierten Anschlagsziel in der Heinrich-Heine-Allee in der Düsseldorfer Innenstadt.

Was ich erwartet hatte, passierte dann auch sofort. Ich hatte nur die Haustür aufgeschlossen, da kam schon mein Junge auf mich zu. „Papa, hast du gehört? Warum Düsseldorf? Warum ausgerechnet dort, wo wir leben? Ich bin doch manchmal auch an der Heine-Allee“, sagte mein Sohn.

Wie sollte ich in diesem Moment reagieren? Mein Kind hat Angst, fühlt sich bedroht, wird vielleicht in den nächsten Tagen nicht mehr in die Stadt gehen. Paris und Brüssel waren am Ende doch weit weg. Aber Düsseldorf ist unsere Stadt.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

Ich wollte meinen Kindern nicht noch mehr Angst machen, meine einzige Chance: Ich versuchte, so viel Positives wie nur möglich herauszuholen. „Seht doch, die Polizei hat gut gearbeitet. Sie haben die Täter geschnappt, bevor etwas passieren konnte. Wir müssen also nichts befürchten“, war meine Reaktion.

Doch natürlich standen immer noch die Fragezeichen in den Gesichtern meiner Kinder. Auch mein Hinweis, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Terroranschlag am Ende extrem niedrig ist, hat sie nicht richtig überzeugen können. Ich hoffe, dass ich ihnen zumindest ein wenig Mut machen konnte. Nicht viel, aber immerhin. Mit einem Rest von Unsicherheit und Ungewissheit müssen wir jetzt alle leben. Nicht nur die Kinder.
Stefan Menzel

Kommentare (59)

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Herr Franz Paul

03.06.2016, 13:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Frau Ursula Neumann

03.06.2016, 13:39 Uhr

Wofür Sie ja ein gutes Beispiel abgeben.

Account gelöscht!

03.06.2016, 13:44 Uhr

Nur einfältige Kleingeister ändern ihre Grundeinstellung deswegen zu Flüchtlingen. Warum auch ? Pauschalisierungen waren und sind zielführend.

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