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01.11.2014

16:38 Uhr

Terrorgefahr in Deutschland

BKA warnt vor Anschlagsversuchen von Islamisten

Die größte Gefahr terroristischer Anschläge geht laut Bundeskriminalamt derzeit von fanatisierten Einzeltätern oder Kleinstgruppen der islamistischen Szene aus. Die Zahl sogenannter Gefährder habe sich fast verdoppelt.

Ein Bundespolizist in der Abflughalle des Flughafens in Frankfurt: Das BKA rechnet mit Anschlagversuchen in Deutschland. ap

Ein Bundespolizist in der Abflughalle des Flughafens in Frankfurt: Das BKA rechnet mit Anschlagversuchen in Deutschland.

BerlinDer Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, rechnet mit neuen Anschlagsversuchen der islamistischen Extremisten-Szene in Deutschland. Dabei gehe derzeit die größte Gefahr von fanatisierten Einzeltätern oder Kleinstgruppen aus, sagte Ziercke in einem am Samstag veröffentlichten Interview der Zeitung „Die Welt".

In den vergangenen vier Jahren habe sich in Deutschland die Zahl sogenannter Gefährder, denen schwere Straftaten zugetraut werden, fast verdoppelt: Während 2010 noch 120 Personen so eingestuft worden seien, schätze das BKA ihre Zahl derzeit auf rund 230. Die gesamte Szene umfasse vermutlich 1000 Personen.

So viel kostet ein Terroranschlag

Die exakten Kosten...

... ... für Anschläge von Terrororganisationen sind schwierig zu bestimmen, wurden jedoch gerade als Folge von 9/11 von den Ermittlungsbehörden taxiert.

500.000 US-Dollar...

... haben demnach die Anschläge vom 11. September gekostet. Es ist die höchste Summe, die soweit bekannt, jemals für einen Terrorangriff ausgegeben wurde. Bereitgestellt wurde das Geld durch Überweisungen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung...

... aus Sicht der Islamisten ist dabei gerade nach 9/11 perfekt aufgegangen. Den 500.000 investierten Dollars stehen direkte Kosten des Sachschadens 15,5 Milliarden US-Dollar gegenüber plus weitere Milliarden Belastungen der Haushalte durch den „Kampf gegen den Terror“ und gesamtwirtschaftliche Kosten, etwa für Fluglinien und Versicherungen.

Die Bombenanschläge auf Bali...

... mit mehr als 200 Todesopfern im Oktober 2002 kosteten die Terroristen deutlich weniger. So wird die Summe, die dafür aufgewendet wurde, mit 50.000 Dollar taxiert.

Die Anschläge von Madrid...

... vom 11. März 2004 auf Nahverkehrszüge, bei denen 192 Menschen starben, werden mit maximal 15.000 Dollar angegeben.

Extrem niedrige Kosten...

... für die Islamisten verursachten die Anschläge auf die U-Bahn in London im Juli 2005 mit mehr als 30 Toten zur Rushhour am 7. Juli 2005. Die vier Bomben, vier Rucksäcke, Handys und Zugtickets kosteten die Terroristen höchstens 2000 Dollar.

Diese Mikrofinanzierung...

... des Terrors macht es so schwierig, die Finanzströme mit den üblichen Kontrollen aufzudecken und zu stoppen. Das zentrale Mittel dieser Organisationen sind die selbstmordbereiten Attentäter, für deren individuellen und kollektiven Deradikalisierung aus Sicht von Experten zu wenig getan wird.

Quelle

German Institute of Global and Area Studies/Konrad-Adenauer-Stiftung/eigene Recherche

Seine Warnung vor weiteren Anschlagsversuchen begründete Ziercke mit einer Reihe von Attentaten, die die Polizei in den vergangenen Jahren habe vereiteln können oder die gescheitert waren. Zudem verwies er auf den tödlichen Anschlag eines Islamisten auf zwei US-Soldaten auf dem Frankfurter Flughafen 2011.

Ziercke betonte zugleich, dass Deutschland gegen die aktuelle Gefahr gewappnet sei: Wir als Sicherheitsbehörden sind jedoch gut aufgestellt und werden mit aller Kraft versuchen, solche Pläne zu durchkreuzen", betonte Ziercke. „Panik ist nicht angebracht."

Erst am Dienstag hatte Innenminister Thomas de Maiziere die Bedrohung in Deutschland durch radikale Islamisten als ernst bezeichnet. Die Zahl der Gefährder sei noch nie so hoch gewesen wie derzeit, sagte der CDU-Politiker.

Von

dpa

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