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23.06.2016

13:41 Uhr

Terrorgefahr

Nur Hälfte der islamistischen „Gefährder“ ist derzeit in Deutschland

Ihnen traut die Polizei zu, dass sie einen Anschlag begehen können: Es gibt so viele islamistische „Gefährder“ wie nie zuvor. Einige sitzen in Deutschland in Haft. Aber sehr viele sind auch im Ausland.

Der Bundesinnenminister definierte Gefährder in einem Interview als „Personen, bei denen Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie erhebliche Straftaten begehen könnten.“ dpa

Islamistische Gefährder

Der Bundesinnenminister definierte Gefährder in einem Interview als „Personen, bei denen Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie erhebliche Straftaten begehen könnten.“

BerlinJeder zweite der etwa 500 islamistischen „Gefährder“ aus Deutschland befindet sich zurzeit im Ausland. „Gut die Hälfte der Gefährder hält sich aktuell nicht in der Bundesrepublik auf“, sagte der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Das BKA habe auch diese Personen im Blick: „Wir müssen wissen, was sie tun, mit wem sie kommunizieren und ob sie morgen wieder da sind“, betonte er. „Bei ihnen ist es aber schwerer, sie im Blick zu behalten.“ Nicht bei allen sei klar, wo sie sich genau aufhielten. Viele seien in Syrien und im Irak.

„Gefährder“ sind Personen, denen die Polizei schwere Straftaten bis hin zu einem Terroranschlag zutraut. Viele werden erst so eingestuft, wenn sie sich schon aus Deutschland abgesetzt haben. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass einzelne dieser gefährlichen Islamisten Deutschland unerkannt verlassen. Nicht alle werden rund um die Uhr überwacht.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

Die Zahl der islamistischen „Gefährder“ ist mit 501 so hoch wie nie. Münch sagte, 253 von ihnen seien derzeit in Deutschland. „Davon sind 79 in Haft.“ Auch ihnen müssten Polizei und Justiz Aufmerksamkeit widmen, um zu wissen, mit wem sie kommunizieren und ob sie sich weiter radikalisieren.

Die Zahl der Islamisten, die aus Deutschland Richtung Syrien und Irak ausgereist sind, liegt laut Münch inzwischen bei 820. Die Kurve der Ausreisezahlen sei zuletzt abgeflacht. Hintergrund seien zum einen Rückschläge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Kampfgebiet. Zum anderen habe die Türkei bereits vor längerer Zeit ihre Einreisekontrollen verstärkt, was eine Durchreise erschweren dürfte. Außerdem hätten einige Staaten Vorkehrungen getroffen, um Ausreisen zu unterbinden. „Allein in Deutschland haben wir bisher eine dreistellige Zahl von Ausreisen verhindert.“

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