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30.12.2015

09:10 Uhr

Terrorgefahr

Zwei Drittel rechnen mit Anschlag in Deutschland

Nach den Anschlägen von Paris ist auch die Terrorangst in Deutschland groß. Die meisten Deutschen rechnen für 2016 mit einem Anschlag. Das glaubt auch ein ranghoher Politiker – und stellt Forderungen an die Bundesbürger.

Überlebende nach dem Blutbad in Paris. Deutschland ist bisher von größeren islamistischen Terroranschlägen verschont geblieben. dpa

Terroranschlag in Paris

Überlebende nach dem Blutbad in Paris. Deutschland ist bisher von größeren islamistischen Terroranschlägen verschont geblieben.

Berlin, HannoverZwei Drittel der Bundesbürger rechnen mit einem Anschlag der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Deutschland im nächsten Jahr. Nur 17 Prozent glauben nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur nicht daran. Weitere 17 Prozent machten keine Angaben.

Deutschland ist bisher von größeren islamistischen Terroranschlägen verschont geblieben. Am 13. November waren bei einem Anschlag des IS in Paris 130 Menschen getötet worden. Als Reaktion darauf beteiligt sich Deutschland nun an den Luftangriffen gegen den IS in Syrien und im Irak. YouGov befragte zwischen dem 21. und 23. Dezember 2031 Bundesbürger.

So viel kostet ein Terroranschlag

Die exakten Kosten...

... ... für Anschläge von Terrororganisationen sind schwierig zu bestimmen, wurden jedoch gerade als Folge von 9/11 von den Ermittlungsbehörden taxiert.

500.000 US-Dollar...

... haben demnach die Anschläge vom 11. September gekostet. Es ist die höchste Summe, die soweit bekannt, jemals für einen Terrorangriff ausgegeben wurde. Bereitgestellt wurde das Geld durch Überweisungen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung...

... aus Sicht der Islamisten ist dabei gerade nach 9/11 perfekt aufgegangen. Den 500.000 investierten Dollars stehen direkte Kosten des Sachschadens 15,5 Milliarden US-Dollar gegenüber plus weitere Milliarden Belastungen der Haushalte durch den „Kampf gegen den Terror“ und gesamtwirtschaftliche Kosten, etwa für Fluglinien und Versicherungen.

Die Bombenanschläge auf Bali...

... mit mehr als 200 Todesopfern im Oktober 2002 kosteten die Terroristen deutlich weniger. So wird die Summe, die dafür aufgewendet wurde, mit 50.000 Dollar taxiert.

Die Anschläge von Madrid...

... vom 11. März 2004 auf Nahverkehrszüge, bei denen 192 Menschen starben, werden mit maximal 15.000 Dollar angegeben.

Extrem niedrige Kosten...

... für die Islamisten verursachten die Anschläge auf die U-Bahn in London im Juli 2005 mit mehr als 30 Toten zur Rushhour am 7. Juli 2005. Die vier Bomben, vier Rucksäcke, Handys und Zugtickets kosteten die Terroristen höchstens 2000 Dollar.

Diese Mikrofinanzierung...

... des Terrors macht es so schwierig, die Finanzströme mit den üblichen Kontrollen aufzudecken und zu stoppen. Das zentrale Mittel dieser Organisationen sind die selbstmordbereiten Attentäter, für deren individuellen und kollektiven Deradikalisierung aus Sicht von Experten zu wenig getan wird.

Quelle

German Institute of Global and Area Studies/Konrad-Adenauer-Stiftung/eigene Recherche

Die Deutschen müssen nach Ansicht von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius lernen, dauerhaft mit einer latenten Anschlagsgefahr durch islamistische Terroristen umzugehen. „Wir stehen im Fadenkreuz des sogenannten IS als Unterstützer der Front gegen ihn“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Der Terrorismus sei unberechenbarer geworden. „Sie haben es ganz bewusst auf die allgemeine Bevölkerung abgesehen, um Angst zu schüren und uns zu veranlassen, unsere Werte infrage zu stellen.“ Davor dürfe die Gesellschaft aber nicht in die Knie gehen, forderte Pistorius.

Der Minister schließt nicht aus, dass weitere öffentliche Großveranstaltungen wie das Fußball-Länderspiel Niederlande Mitte in November in Hannover wegen akuter Terrorgefahr abgesagt werden. Zwar sei nicht jeder Hinweis Grund für vergleichbare Entscheidungen. Nach jedem Attentat gebe es Trittbrettfahrer.

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„Was die Polizei im letzten Jahrzehnt aber perfektioniert hat ist, die Belastbarkeit solcher Hinweise sehr genau zu prüfen und sich ein abschließendes und umfassendes Bild davon zu machen, wie ein solcher Hinweis am Ende genommen werden und welche Entscheidung dann getroffen werden muss“, sagte Pistorius.

Von

dpa

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