Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.03.2017

19:05 Uhr

Terrorismus

Polizei zerschlägt Islamistengruppe in Hildesheim

Die Moschee des Vereins „Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim“ galt schon lange als Treffpunkt radikaler Salafisten. Auch der Berlin-Attentäter Anis Amri wurde dort gesehen. Jetzt hat die Polizei den Verein verboten.

Polizisten stehen vor dem Gebäude des Vereins „Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim“. Der Verein wurde verboten, weil er als Treffpunkt radikaler Salafisten galt. dpa

Razzia in Hildesheim

Polizisten stehen vor dem Gebäude des Vereins „Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim“. Der Verein wurde verboten, weil er als Treffpunkt radikaler Salafisten galt.

HildesheimDie niedersächsischen Sicherheitsbehörden haben ein Rekrutierungszentrum der Terrormiliz Islamischer Staat in Hildesheim verboten und aufgelöst. Rund 400 Polizisten durchsuchten am Dienstag die Moschee des Vereins „Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim“ (DIK) sowie neun Wohnungen von Mitgliedern. Die Moschee wurde versiegelt und das Vereinsvermögen beschlagnahmt. Festnahmen gab es keine.

Der Treffpunkt radikaler Islamisten war schon länger im Visier der Behörden und wurde schon mehrfach durchsucht. Auch der Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, Anis Amri, hatte sich dort vor gut einem Jahr aufgehalten. Bereits seit Dezember 2015 lief ein vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius sagte, Muslime seien in der Moschee zielgerichtet indoktriniert worden, um sie zur Ausreise in die IS-Kampfgebiete zu mobilisieren. „Dieser Verein hat Frauen und Männer dabei unterstützt, sich einer menschenverachtenden dschihadistischen Organisation anzuschließen, um in Syrien, im Irak, im Zweifel aber auch hier in Deutschland schwerste Verbrechen zu begehen.“ Auch mögliche Anschlagspläne in Deutschland seien in der Moschee ins Auge gefasst worden. Mit dem Vereinsverbot sei die Struktur der Salafisten zerschlagen, das Vermögen beschlagnahmt und die Moschee als Anlaufpunkt weggefallen.

Zum harten Kern des Islamkreises hätten etwa 50 Personen gehört, darunter auch einige Gefährder, sagte Landespolizeipräsident Uwe Binias. In der Moschee sei zum sogenannten Heiligen Krieg und zu Gewalt gegen „Ungläubige“ aufgerufen worden. Außerdem sei die Errichtung eines Gottesstaates angestrebt worden. Gegen diverse Mitglieder liefen Ermittlungen wegen der Unterstützung der IS-Terrororganisation.

Buch von Thomas Sigmund über Staatssicherheit: Überfordert und kleingespart

Buch von Thomas Sigmund über Staatssicherheit

Überfordert und kleingespart

Deutschland versagt beim Schutz seiner Bürger, schreibt Thomas Sigmund in seinem Buch „Allein unter Feinden?“ Darin deckt er schonungslos die Probleme des Staates auf – auch solche, die noch unter der Oberfläche liegen.

Zu den Besuchern der Moschee gehörte auch der im November verhaftete Hassprediger Abu Walaa. Er gilt als salafistischer Chefideologe und mutmaßlicher Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat in Deutschland. Nach mit ihm in der Moschee organisierten Exerzitien, bei denen Teilnehmer sich über Tage in den Räumen einschlossen, brachen anschließend etliche unmittelbar in die IS-Kampfgebiete auf.

Wie Verfassungsschutzpräsidentin Maren Brandenburger sagte, hat der Islamkreis auch Jugendliche zur Ausreise nach Syrien bewegt. „Es waren auch eine Reihe von sehr jungen Leuten dabei.“ Der harte Kern der DIK-Mitglieder werde zwar seine extremistische Gesinnung nicht gleich ändern. Doch sei eine mögliche Plattform auf lange Sicht ausgeschaltet.

Sie warnte, dass im Internet die Missionierung weitergehe. „Das wird eine Aufgabe der Zukunft sein, Orte der Radikalisierung zu finden und entgegenzuwirken.“

Den Vorwurf eines zu zögerlichen Vorgehens gegen radikale Islamisten wies Pistorius zurück, ein Vereinsverbot könne nicht über Nacht erlassen werden. Allerdings räumte er ein, dass Defizite des Landeskriminalamtes im Kampf gegen Islamismus erkannt worden seien. „Wir sind heute deutlich besser aufgestellt als vor zwei Jahren.“

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Leo Löwenstein

14.03.2017, 12:46 Uhr

Zerschlagen ist die Gruppe nur dann, wenn die entsprechenden Personen inhaftiert und/oder in ihre Heimatländer abgeschoben sind.

Solange die auf freiem Fuß sind, machen die einfach weiter, in irgendeinem Kellerraum etc. und lachen sich ins Fäustchen.

Inhaftierung mit direkt anschließender unbegrenzter Anschiebehaft für straffällige Ausländer.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×