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25.01.2005

17:00 Uhr

Terrorprozess in Hamburg

"Anschläge wurden in Hamburg geplant"

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Terrorhelfer Mounir El Motassadeq hat am Dienstag ein FBI-Agent die dramatischen letzten Minuten an Bord der entführten Flugzeuge vom 11. September 2001 geschildert.

Aktenordner Verfahren Mounir El Motassadeq. Foto: dpa

Aktenordner Verfahren Mounir El Motassadeq. Foto: dpa

HB HAMBURG. Die verheerenden Terroranschläge sind nach Ermittlungen der US-Bundespolizei FBI in Hamburg geplant worden. „Die Idee dazu mag in Afghanistan entstanden sein, aber das Wie und Wer und Wann stammt aus Hamburg“, sagte der FBI- Ermittler Matthew Walsh vor dem Hamburger Oberlandesgericht (OLG).

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, hatte dagegen noch im November 2004 vor dem OLG betont, die Anschläge seien in Afghanistan geplant worden. Erst Ende 1999 habe Osama bin Ladens Terrornetzwerk El Kaida die Terrorflieger in Afghanistan rekrutiert und die Anschläge dort geplant. Die Bundesanwaltschaft geht ebenso wie das FBI davon aus, dass die Terrorzelle um Mohammed Atta ihre Attentatspläne gegen die USA in der Hansestadt schmiedete. Neben Atta hatten auch die Todespiloten Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah vor den Anschlägen in Hamburg ein unauffälliges Leben geführt.

Der FBI-Agent Walsh, der vom US-Justizministerium nur eine beschränkte Aussagegenehmigung für den Prozess erhalten hatte und von einem US-Staatsanwalt begleitet wurde, schilderte am Dienstag die letzten Minuten an Bord des Todesfluges „American Airlines 11“. „Es brach keine richtige Panik aus, aber es muss die Hölle gewesen sein“, sagte der FBI-Beamte. Bis zum Einschlag des Flugzeuges in den Nordturm des New Yorker World Trade Centers seien die Passagiere genau 32 Minuten der Gewalt ihrer Entführer ausgesetzt gewesen.

„Ich weiß nicht, ob die Passagiere wussten, dass sie sterben würden, aber auf jeden Fall haben sie die Gewalt mitbekommen“, sagt er. Die Flugzeugentführer hätten einem Passagier die Kehle durchgeschnitten, zwei Flugbegleiter durch Messerstiche verletzt und Pfefferspray im Flugzeug versprüht. Bei den Anschlägen der 19 Attentäter mit vier entführten Flugzeugen wurden nach Angaben von Walsh insgesamt 3115 Menschen getötet.

Motassadeq muss sich wegen Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten. In einem ersten Prozess war er bereits 2003 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, doch hatte der Bundesgerichtshof das Urteil aufgehoben. Walsh war bereits im ersten Prozess gegen Motassadeq gehört worden. Er wiederholte weitgehend seine Aussagen aus dem früheren Prozess.

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