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22.01.2015

18:34 Uhr

Terrorverdächtige

Erneut Islamisten in NRW festgenommen

Im Kampf gegen den islamistischen Terror hat der Generalbundesanwalt erneut Festnahmen angeordnet. Zwei Syrien-Rückkehrer wurden in NRW festgenommen. Auch andernorts gab es Durchsuchungen.

Spezialeinheiten der Polizei haben in einem Wohnhaus in Mönchengladbach einen mutmaßlichen islamistischen Terroristen festgenommen. dpa

Spezialeinheiten der Polizei haben in einem Wohnhaus in Mönchengladbach einen mutmaßlichen islamistischen Terroristen festgenommen.

Düsseldorf/KarlsruheDer Generalbundesanwalt hat in Nordrhein-Westfalen zwei weitere mutmaßliche islamistische Terroristen festnehmen lassen. Die beiden Syrien-Rückkehrer wurden nach Polizeiangaben am Donnerstagmorgen von Spezialeinheiten in ihren Wohnungen in Mönchengladbach und Herford gefasst. Sie leisteten keinen Widerstand.

Die 26 und 27 Jahre alten Verdächtigen sollen im Nahen Osten eine Kampfausbildung durchlaufen und dort ausländischen Terrorvereinigungen angehört haben, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Hinweise auf konkrete Anschlagspläne in Deutschland gebe es nicht.

In Kassel und Offenbach durchsuchte die Polizei zudem die Wohnungen von vier mutmaßlichen Islamisten auf der Suche nach Beweisen. Festnahmen gab es nach Angaben von Staatsanwaltschaft Kassel und Offenbacher Polizei dort nicht.

Die Bundesanwaltschaft rechnet die beiden in NRW Festgenommenen dem Kampfverband „Auswanderer von Aleppo“ zu, der sich nach ihren Angaben Ende 2013 der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen hat. Zuvor sei der Verband Teil der terroristischen Vereinigung Jamwa gewesen, hieß es. Beide Verdächtige seien Deutsche.

Islamistische Szene in Deutschland

Salafisten in Deutschland

Der Verfassungsschutz rechnet mehr als 43.000 Menschen zur islamistischen Szene in Deutschland. Diese ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei der Gruppe der Salafisten, einer besonders konservativen Strömung innerhalb des Islam. Rund 7000 Leute werden inzwischen der Salafisten-Szene zugerechnet. 2011 waren es noch etwa halb so viel. Besonders stark sind die Salafisten in Nordrhein-Westfalen vernetzt.

Millitante Islamisten

Mindestens 600 radikale Islamisten aus Deutschland sind bislang in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist. Die Zahl geht seit langem kontinuierlich nach oben. Viele haben sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen.

Kämpfer kehren zurück

Etwa 200 der Ausgereisten sind inzwischen wieder in Deutschland. Aber nur von einem kleinen Teil davon – etwa 35 Personen – ist bekannt, dass sie aktiv am bewaffneten Konflikt beteiligt waren. Rund 60 Islamisten aus Deutschland sind laut Verfassungsschutz in Syrien und dem Irak gestorben. Mindestens zehn sprengten sich bei Selbstmordanschlägen in die Luft. Dies sind aber nur die bekannten Fälle.

Diese Islamisten sind gefährlich

Die Sicherheitsbehörden stufen viele Islamisten als gefährlich ein. Etwa 1000 Menschen in Deutschland werden dem „islamistisch-terroristischen“ Spektrum zugeordnet. Darunter sind 260 sogenannte Gefährder, also Menschen, denen die Polizei zutraut, dass sie einen Terrorakt begehen könnten. Die Zahl ist so hoch wie nie zuvor. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Diese machen den Sicherheitsbehörden große Sorgen, weil sie oft radikalisiert zurückkommen - und zum Teil kampferprobt.

Die Beschuldigten seien im März und im August 2013 über die Türkei nach Syrien gereist und im November 2013 beziehungsweise September 2014 zurückgekehrt. Sie sollen dort logistische Aufgaben wie den Transport von Verpflegung an die Frontlinie übernommen haben. Der 26-Jährige soll zudem für die Propaganda innerhalb seiner Kampfgruppe zuständig gewesen sein.

In Kassel durchsuchte die Polizei die Wohnungen dreier mutmaßlicher Islamisten. Die Männer im Alter von 19, 22 und 23 Jahren sollen den Krieg in Syrien von Deutschland aus logistisch unterstützt oder die Absicht gehabt haben, nach Syrien zu reisen, um dort an Kampfhandlungen teilzunehmen, wie die Staatsanwaltschaften in Frankfurt und Kassel gemeinsam mitteilten. Mögliche Beweismittel wie Computer und Dateien seien sichergestellt worden. Die Beschuldigten blieben auf freiem Fuß, da es keinen dringenden Tatverdacht gebe, der einen Haftbefehl rechtfertige.

In Offenbach wurde die Wohnung eines 17-Jährigen wegen einer Todesdrohung gegen einen islamischen Religionspädagogen durchsucht. Der der salafistischen Szene zugerechnete Jugendliche soll 2014 den Leiter des Zentrums für islamische Theologie in Münster unter falschem Namen per Mail mit dem Tod bedroht haben.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Klaus Hofer

23.01.2015, 10:12 Uhr

Bei aller gebotenen Distanz gegenüber der Pegida Bewegung ist die Zahl der zu islamistischen Szene gerechneten Personen alarmierend. Wer ernsthaft glaubt, dass Salafisten oder gar Dschihadisten jemals in unsere Gesellschaft integrierbar sind, gibt sich einer naiven und gleichzeitig gefährlichen Illusion hin. Die in den letzten Jahren stetig gestiegene Zahl von Salafisten dokumentiert zugleich das völlige Versagen sämtlicher Islamverbände, welche trotz gegenteiliger Bekundungen nichts gegen die zunehmende Radikalisierung einer hohen Anzahl junger Muslime unternommen haben. Im Gegenteil sind den Behörden zahlreiche Moscheen und sog. islamische Kulturvereine als "ideologische" und zugleich logistische Basis der Salafisten bekannt.

Herr Wolfgang Trantow

23.01.2015, 12:44 Uhr

Wieso werden friedliche Bürger, so unsere Politiker, festgenommen?? Lügen die Politiker also vorsätzlich??

Herr Jens Muche

23.01.2015, 13:27 Uhr

@ Klaus Hofer „...das völlige Versagen sämtlicher Islamverbände, welche trotz gegenteiliger Bekundungen nichts gegen die zunehmende Radikalisierung einer hohen Anzahl junger Muslime unternommen haben.“

Die haben nicht versagt, denn nach deren Auffassung hat der radikale Islam nichts mit dem Islam zu tun, ist ein völlig anderer Islam. Wer‘ s glaubt. Die Muslimverbände hegen klammheimliche Freude über die erfolgreiche Etablierung der Salafisten, vertreten sie doch den richtigen Islam. Die Beteuerungen in Richtung deutscher Gesellschaft dienen lediglich deren Beruhigung in Richtung, „na ja es sind nicht alle so“. Dabei wird übersehen, daß dem Islam von seinem Schöpfer Gewalt gegen andere in die Wiege gelegt wurde, sie weiterhin gepredigt und ausgeübt wird. Man muß schon reichlich naiv sein, um den Beteuerungen der Sprecher dieser Verbände Glauben zu schenken, denn deren Ziel ist die Islamisierung unserer Gesellschaft. Dazu hat sich der Muslim Bassam Tibi schon 2002 schriftlich in „Die Zeit“ geäußert, „selig sind die Belogenen“, sehr lesenswert. Oder das hier: http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/linke-verweigern-diskussion-ueber-islam-und-gewalt-13377388.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Nebenbei, „die Behörden“ handeln nur nach und im Sinne politischer Vorgaben.

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