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03.11.2016

20:31 Uhr

Terrorverdächtiger Ashraf Al-T.

IS soll Erlaubnis für Anschlag in Deutschland erteilt haben

Die Polizei in Berlin hat einen 27-jährigen Terrorverdächtigen festgenommen. Er soll von einem IS-Mitglied die Erlaubnis erhalten haben, „zeitnah einen Anschlag auf Menschen in Deutschland zu planen“.

Kampf gegen den Terror

Terrorverdächtiger in Berlin festgenommen

Kampf gegen den Terror: Terrorverdächtiger in Berlin festgenommen

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BerlinGut drei Wochen nach Verhaftung des Syrers Dschaber al-Bakr ist ein weiterer mutmaßlicher islamistischer Terrorist in Berlin gefasst worden. Der 27-jährige Ashraf Al-T. wird von der Bundesanwaltschaft verdächtigt, Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gewesen zu sein. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte er Kontakt zu einem IS-Mitglied in Syrien, das für Anschläge im Ausland zuständig ist. „Von dort soll er die Erlaubnis erhalten haben, zeitnah einen Anschlag auf Menschen in Deutschland zu planen“, teilte die Karlsruher Behörde am Donnerstagabend mit.

Beamte des Landeskriminalamtes hatten den Mann am Mittwochabend in einer Wohnung in Berlin-Schöneberg vorläufig festgenommen. Sprengstoff wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen zunächst nicht gefunden. Die Bundesanwaltschaft beantragte beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Haftbefehl gegen den Mann. Unklar blieb zunächst, wie weit die Anschlagsplanungen fortgeschritten waren.

Der Verdächtige sollte noch am Abend in Karlsruhe dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über den Erlass eines Haftbefehls zu entscheiden hat.

Der Polizei gegenüber hatte der Verdächtige angegeben, 27 Jahre alt und Syrer zu sein. Sicherheitskreisen zufolge soll er aber aus Tunesien stammen und sich als syrischer Kriegsflüchtling ausgegeben haben. Zuerst hatten über diese Details die „Welt“ und die „Berliner Zeitung“ berichtet.

Fragen und Antworten zum Terrorverdächtigen in Berlin

Plante auch der in Berlin Festgenommene einen Anschlag?

Die Behörden hatten einen Hinweis auf einen möglicherweise zeitnah bevorstehenden Anschlag. Deshalb griffen sie am Mittwochabend zu. Was für eine Art Attentat es sein könnte, wird untersucht. Anders als im Fall Al-Bakr wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen kein Sprengstoff gefunden. Der Mann könnte aber einen ähnlichen Anschlag geplant haben, wie ein 17-Jähriger Flüchtling im Sommer in Würzburg. Er hatte mit einer Axt in einem Zug mehrere Menschen schwer verletzt.

Wie wird der Fall in Sicherheitskreisen eingeschätzt?

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte am Donnerstag: „Das war ein wichtiger Fall.“ Der Mann sei schon länger vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet worden. In Sicherheitskreisen hieß es, man könne aber wohl nicht von einem zweiten Fall Al-Bakr sprechen.

Gibt es denn irgendeinen Zusammenhang zum Al-Bakr?

Direkt zusammengearbeitet haben die beiden wohl nicht. Berlins Verfassungsschutz-Chef Bernd Palenda sagte: „Es scheint zumindest so zu sein, dass es keine direkte Verbindung zu Al-Bakr gibt.“ Für eine abschließende Bewertung sei es aber zu früh. Sicherheitskreise gehen davon aus, dass der in Berlin Festgenommene ein Einzeltäter ist. „Aber in der Szene gibt es immer Verbindungen untereinander“, warnte Palenda.

Reagieren die Behörden seit dem Fall Al-Bakr anders?

Sie sind vor diesem Hintergrund jetzt auf jeden Fall sensibler. Bei Hinweisen handeln sie schneller. Der Zugriff am Mittwochabend sei nötig gewesen, da Gefahr im Verzug gewesen sei, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur. Der Hinweis auf eine eventuell bevorstehende Umsetzung von Anschlagspläne habe den Polizeieinsatz ausgelöst.

Wie kam man dem Verdächtigen aus die Spur?

Ein befreundeter Sicherheitsdienst gab Sicherheitskreisen zufolge bereits Mitte Oktober einen nicht sehr konkreten Hinweis auf den Mann. Daraufhin wurde er überwacht und abgehört. Bis zuletzt sei aus der Kommunikation aber nicht hervorgegangen, mit welchen Mitteln ein Attentat verübt werden sollte. Das soll nun auch durch die Auswertung von Handys und Computern geklärt werden.

Was weiß man über den Mann?

Laut Polizei behauptet er, 27 Jahre alt, Syrer und seit 2015 in Deutschland zu sein. Sicherheitskreisen zufolge hat sich der Mann, der den Namen Ashraf Al-T. nutzte, als Kriegsflüchtling aus Syrien ausgegeben. Er sei in Tunesien geboren und habe in Berlin bei einem ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer gelebt. Die durchsuchte Wohnung liegt im Hinterhaus eines gepflegten Altbaus, in dem viele Familien mit Kindern wohnen. Ob sich Ashraf Al-T. selbst radikalisierte und welche Kontakte zu IS-Führungspersonal in Syrien er hatte, ist unklar.

Wie groß ist die Terrorgefahr in Deutschland?

Die Terrormiliz Islamischer Staat ruft seit längerem auch in Deutschland zu Attentaten etwa mit Messern, Autos oder Lastwagen auf, falls Sympathisanten keinen Sprengstoff besorgen könnten. Der Berliner Verfassungsschutz stuft die Sicherheitslage nach der Festnahme nicht anders ein als zuvor. Seit Monaten geht man von einer „abstrakt hohen Gefährdung“ aus.

Sicherheitskreisen zufolge lebte der Mann mit einem ehrenamtlichen Berliner Flüchtlingshelfer in dessen Wohnung. Zugegriffen habe die Polizei wegen des Hinweises, dass die Anschlagspläne bald umgesetzt werden könnten. Welche Art Attentat geplant war, sei unklar.

Nach Informationen des Senders rbb hatte der Terrorverdächtige eine Zeit lang in einer Flüchtlingsnotunterkunft am stillgelegten Flughafen Tempelhof gelebt. Dort soll er in Gewalttätigkeiten verwickelt gewesen sein. Unter anderem wegen seines aggressiven Verhaltens sei er aus der Einrichtung verwiesen worden, berichtete der Sender unter Berufung auf Sicherheitskreise. Der Verdächtige sei polizeibekannt gewesen. Ein Sprecher der Berliner Polizei wollte sich dazu nicht äußern.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigte sich erleichtert. „Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, diesen Verdächtigen festnehmen zu lassen“, sagte er am Rande eines Kongresses zur Arbeit der Geheimdienste in Berlin. Die Behörden täten alles, „damit es in Deutschland nicht zu einem Anschlag kommt“.

In jüngster Zeit hat sich mehrfach gezeigt, dass islamistische Extremisten auch Deutschland im Visier haben. Al-Bakr hatte sich in Sachsen bereits Sprengstoff besorgt und wollte den Ermittlern zufolge einen Berliner Flughafen angreifen. Er erhängte sich kurz nach seiner Festnahme in seiner Gefängniszelle in Leipzig.

Chronologie des Terrors in Deutschland

2. März 2011, Frankfurt

Beim ersten tödlichen Anschlag mit islamistischem Hintergrund in Deutschland werden am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten getötet, zwei weitere werden schwer verletzt. Attentäter ist Arid U., ein gebürtiger Kosovare. Der zur Tatzeit 21-Jährige wurde im Februar 2012 vom Oberlandesgericht Frankfurt zu lebenslanger Haft verurteilt und soll den Anschlag wegen des US-Einsatzes in Afghanistan begangen haben.

26. Februar 2016, Hannover

Die 15-jährige Safia S. greift bei einer Personenkontrolle am Hauptbahnhof von Hannover einen Beamten der Bundespolizei an. Der Polizist erleidet eine lebensbedrohliche Stichwunde und muss operiert werden. S. wollte sich den Ermittlern zufolge der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien anschließen. Ende August erhob die Bundesanwaltschaft Anklage, unter anderem wegen Unterstützung einer ausländischen Terrorvereinigung.

16. April 2016, Essen

Bei einem Sprengstoffanschlag an einem Tempel der Religionsgemeinschaft der Sikh in Essen werden drei Männer verletzt, einer von ihnen schwer. Bei den später festgenommenen Tatverdächtigen handelt es sich um Jugendliche, die Kontakte in die salafistische Szene haben sollen.

18. Juli 2016, Würzburg

In einem Regionalzug greift ein 17-jähriger Flüchtling mit einer Axt als Zufallsopfer vier Chinesen an und verletzt sie zum Teil lebensgefährlich. Danach greift der als Afghane registrierte Mann außerhalb des Zugs noch eine Fußgängerin an, bevor er von der Polizei erschossen wird. In einem vom IS verbreiteten Bekennervideo nennt er sich "Soldat des Kalifats" - es ist das erste Mal, dass die Miliz einen Anschlag in Deutschland für sich beansprucht.

24. Juli 2016, Ansbach

Vor dem Eingang zu einem Musikfestival in der fränkischen Stadt sprengt sich der 27 Jahre alte syrische Flüchtling Mohammed D. selbst in die Luft, mehrere Menschen werden verletzt. D. bekannte sich ebenfalls zum IS. Der psychisch kranke Mann bekam bis unmittelbar vor der Explosion über sein Handy Anweisungen. Kontaktleute sollen wie auch beim Anschlag von Würzburg in Saudi-Arabien gesessen haben.

Anschlag verhindert: April 2002

Zahlreiche Anschläge militanter Islamisten konnten die Sicherheitsbehörden vereiteln. So hoben sie im April 2002 eine Zelle der islamistischen El-Tawhid-Bewegung im Ruhrgebiet aus, deren Mitglieder Anschläge auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Berlin und Düsseldorfer Lokale geplant hatten.

Anschlag verhindert: September 2007

Im September 2007 flog die sogenannte Sauerland-Gruppe auf, die Sprengstoffanschläge insbesondere auf US-Einrichtungen in Deutschland verüben wollte. Im April 2011 wurde in Düsseldorf eine Al-Kaida-Zelle gesprengt.

Anschlag misslungen: Juli 2006

Nicht verhindern konnten die deutschen Ermittler den Anschlagsversuch der sogenannten Kofferbomber. Am 31. Juli 2006 deponierten die Bombenleger - der später im Libanon gefasste Jihad H. und der in Kiel festgenommene Youssef Mohamad E.H. - im Kölner Hauptbahnhof Kofferbomben in zwei Regionalzügen. Die Sprengsätze detonierten nicht - laut Ermittlern wegen handwerklicher Fehler der Bombenbauer.

Anschlag verhindert: August 2016

Am 9. August wurde ein syrischer Asylbewerber im rheinland-pfälzischen Mutterstadt unter Terrorverdacht festgenommen. In diesem Zusammenhang erfolgte zwei Tage später im nordrhein-westfälischen Dinslaken eine weitere Festnahme. Es gab den Verdacht, die Männer könnten einen islamistisch motivierten Angriff auf ein Fußballbundesligaspiel vorbereitet haben.

Anschlag verhindert: September 2016

Am 13. September wurden in Flüchtlingsunterkünften in Schleswig-Holstein drei Syrer festgenommen, die Bezüge zu den Attentätern von Paris im November 2015 gehabt haben sollen. Sie sollten offenbar einen bereits vom IS erhaltenen Auftrag ausführen oder sich für weitere Instruktionen bereithalten.

Der erste, noch unkonkrete Hinweis auf den nun in Berlin Festgenommenen kam Sicherheitskreisen zufolge Mitte Oktober von einem befreundeten ausländischen Geheimdienst. Der Berliner Verfassungsschutz-Chef Bernd Palenda sagte, er gehe davon aus, dass der Mann ein Einzeltäter sei. „Es scheint zumindest so zu sein, dass es keine direkte Verbindung zu Al Bakr gibt“, sagte Palenda. Ähnlich hatte ihn zunächst der Sender N24 zitiert.

Von

dpa

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