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15.08.2016

15:32 Uhr

Test für Ferndiagnosen per Internet

Videochat statt Praxisbesuch

Keine lange Warterei und weite Wege für Patienten, mehr Zeit für den Arzt – dank der Telemedizin. In Baden-Württemberg starten Ärzte ein bundesweites Pilotprojekt. Chancen gibt es viele – und einige offene Fragen.

Vor allem in ländlichen Gebieten könnten Ferndiagnosen mit einer Videoschalte hilfreich sein. dpa

Technik gegen Ärztemangel

Vor allem in ländlichen Gebieten könnten Ferndiagnosen mit einer Videoschalte hilfreich sein.

KarlsruheDer Patient sitzt zu Hause entspannt im Sessel und schildert dem Arzt die Symptome. Der stellt per Telefon oder Videoschalte die Diagnose – und das Antibiotikum kommt per Drohne ins Haus. So könnte es mal sein. Doch es gibt schon verschiedene Ansätze der Telemedizin, die eine derartige Sprechstunde möglich machen. Vor allem im Ausland. Ärzte im Baden-Württemberg wollen jetzt bundesweit ein neues Modell erproben - nach dem Vorbild Schweiz.

Bis zu 5000 Telekonsultationen pro Tag, rund 5,7 Millionen seit dem Jahr 2000 zählt allein der Schweizer Dienstleister Medgate – mit 320 Mitarbeitern, darunter 100 Ärzte. Der Patient ruft dort im Callcenter an, gibt beim „Empfang“ seine Personalien und Krankheitssymptome durch, schickt im Zweifel noch ein Foto etwa von der Haut- oder Augenveränderung. Ein Medizin-Team berät dann über die Behandlung und der Medgate-Arzt stellt gegebenenfalls ein Rezept aus.

„Bedarf ist da“, sagt Oliver Erens, Sprecher der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Etwa bei Medizinern, die nicht nur auf der Schwäbischen Alb oder im Schwarzwald händeringend nach einem Nachfolger suchen und „rund um die Uhr ackern“. Und bei Patienten, die schneller und bequemer ärztlichen Rat bekommen und bei Krankenkassen, die sich mehr Effizienz erhoffen.

In Deutschland gibt es noch Hürden: Nach der ärztlichen Berufsordnung muss ein Arzt den Patienten „unmittelbar“ behandeln. Auch bei einer Tele-Sprechstunde muss er den Patienten mindestens einmal real untersucht haben.

Muss das wirklich sein? Aus Sicht der Landesärztekammer macht die Vorschrift durchaus Sinn: „Bei einer ausschließlich über Telekommunikationsmedien stattfindenden Beratung oder Behandlung besteht die Gefahr, dass entscheidende Fakten gar nicht zur Sprache kommen, was im Einzelfall gravierende Folgen haben könnte“, warnt Kammerpräsident Ulrich Clever.

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