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28.05.2012

17:25 Uhr

Teure Rechnung

Deutsche zahlen immer mehr für Strom

Der Anteil von Steuern und Abgaben an der Stromrechnung wird immer höher. Mittlerweile beträgt er fast die Hälfte. Vor allem die Förderung der Erneuerbaren Energien kostet die Deutschen viel Geld.

Die Deutschen müssen für Strom immer tiefer in die Tasche greifen. dpa

Die Deutschen müssen für Strom immer tiefer in die Tasche greifen.

BerlinDie Deutschen müssen für Strom immer tiefer in die Tasche greifen. So zahlt ein Dreipersonenhaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden Strom im Jahr derzeit 75 Euro im Monat, errechnete der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Das sind sechs Euro mehr als noch 2010. Hauptgrund ist der wachsende Anteil von Steuern und Abgaben. Darauf entfallen laut BDEW allein 34 der 75 Euro im Monat, das entspricht rund 45 Prozent.

Die Summe staatlicher Steuern und Abgaben (Stromsteuer, Ökostrom-Umlage, Mehrwertsteuer, Konzessionsabgabe) beim Strompreis hat sich laut BDEW seit der Liberalisierung 1998 verzehnfacht. Vor 14 Jahren hätten Stromkunden 2,3 Milliarden Euro dafür aufbringen müssen. Heute entfielen 23,7 Milliarden Euro auf Steuern und Abgaben.

Herkulesaufgabe Energiewende

Mammutprojekt Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erbt von Norbert Röttgen eine Menge Probleme. Diese sind aber weniger Röttgens Arbeit geschuldet als der Tatsache, dass die Energiewende ein Mammutprojekt ist. Ein Jahr nach dem Start drängt die Zeit: Weichenstellungen für Investitionen in neue Netze, mehr Energiespeicher und neue Gaskraftwerke sind dringend nötig.

Solarstrom-Reform

Im Vermittlungsausschuss muss Altmaier wegen des Widerstands gerade der ostdeutschen Länder die Pläne für die Kürzung der Solarförderung wohl etwas abmildern lassen. Dadurch drohen aber steigende Belastungen für die Bürger. Sie zahlen die Förderkosten über den Strompreis.

Die Regierung will, dass die Bürger nicht mehr als die derzeit 125 Euro (bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden) pro Jahr für die Ökostromförderung zahlen. Das auch im Bundestagswahljahr 2013 zu schaffen, wird immer schwerer.

Ökoenergie-Kosten und fehlende Kraftwerke

Bisher gibt es kein tragfähiges Modell, um erneuerbare Energien wettbewerbsfähig zu machen, also die Subventionierung massiv zurückzufahren. Und wegen des Einspeisevorrangs für Wind- und Sonnenstrom lohnen sich zum Beispiel neue Gaskraftwerke kaum noch. Die braucht man aber, wenn es keine Sonne oder Wind gibt und die Atomkraftwerke abgeschaltet sind.

Daher müssen hier Anreize oder Regelungen geschaffen werden, damit diese jetzt bald gebaut werden, denn bis 2022 sollen die restlichen neun Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

Speicher und Netze

Die Regierung investiert in Speicherforschung, doch schnelle Lösungen sind nicht zu erwarten. Immer mehr Wind- und Solarparks bringen nur etwas, wenn überschüssiger Strom eines Tages auch gespeichert werden kann. Zudem können die Netze mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien (Stromanteil schon rund 20 Prozent) kaum noch mithalten.

Tausende Kilometer an neuen Leitungen sind nötig. Hier muss Altmaier mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Lösungen finden, in Kürze soll ein Bundesnetzplan vorliegen. Besonders der Anschluss der See-Windparks muss beschleunigt werden.

Koordinierung

Jedes Bundesland hat sein Energiekonzept, hinzu kommen hunderte kommunale Pläne. Hier ist dringend mehr Abstimmung und eine einheitliche Koordinierung nötig, damit neue Wind- und Solarparks da entstehen, wo sie gebraucht werden und wo es Netze gibt.

Zudem muss ein Ausufern von Subventionen vermieden werden, denn der Netzausbau treibt in diesem Jahr stark die Netzentgelte, die wie die Ökoförderkosten über den Strompreis zu zahlen sind.

Geld für Energiewende-Projekte

Damit die Einnahmen aus dem Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten wieder anziehen, wäre eine Anhebung des EU-Klimaziels auf 30 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2020 (im Vergleich zu 1990) notwendig. Doch das Kohleland Polen blockiert. Die Einnahmen sind nötig zur Finanzierung von Energiewende-Projekten. Bleiben diese weiter aus, könnten bis zu fünf Milliarden Euro in den kommenden Jahren fehlen.

Besonders Maßnahmen für Energieeinsparungen würden darunter leiden. Wird weniger Energie verbraucht, werden auch weniger Netze und Kraftwerke gebraucht - ein Schlüssel zum Erfolg.

Atom-Endlager

Röttgen hat viel Vorarbeit geleistet für eine neue Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Doch geklärt werden muss noch, wie der bisher favorisierte Standort Gorleben in das Suchverfahren integriert wird und wer das Sagen bei der Suche haben soll.

Bis zum Sommer soll das Problem abgeräumt werden und mit SPD und Grünen ein Suchgesetz erarbeitet werden.

Asse

Altmaier muss klären, wie das Problem in dem maroden Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle bei Wolfenbüttel gelöst werden soll, wo 126.000 Atomfässer geborgen werden sollen.

Es kommt aber zu ständigen Verzögerungen, und die Zweifel wachsen, ob eine Bergung angesichts mangelnder Stabilität des Lagers noch möglich ist.

Den größten Anteil macht die Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien aus. Für die Förderung von Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse sind in diesem Jahr 14,1 Milliarden Euro (2011: 13,5 Milliarden) zu zahlen. Die Umlage konnte nach 3,5 Cent pro Kilowattstunde mit knapp 3,6 Cent aber weitgehend stabil gehalten werden. Preistreibend sind in diesem Jahr vor allem höhere Netzentgelte und Befreiungsregelungen für energieintensive Firmen.

Die Umlage war im Jahr 2000 im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verankert worden, um den Atomausstieg zu schaffen. Gezahlt wird die Differenz zwischen dem Marktpreis, etwa für eine Kilowattstunde Solarstrom, und dem festen Fördersatz. Ein Beispiel: Derzeit bekommt ein Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach 24,43 Cent pro Kilowattstunde. Wird der Strom an der Strombörse für 7 Cent verkauft, müssen die Verbraucher 17,4 Cent über die EEG-Umlage bezahlen.

Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl die Förderzahlungen und geben zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert und nachgeholt.

Von

dpa

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

28.05.2012, 17:46 Uhr

Den größten Anteil macht die Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien aus. Für die Förderung von Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse sind in diesem Jahr 14,1 Milliarden Euro (2011: 13,5 Milliarden) zu zahlen. Die Umlage konnte nach 3,5 Cent pro Kilowattstunde mit knapp 3,6 Cent aber weitgehend stabil gehalten werden.
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Nanu , wie kann das sein ?
Vielleicht hat der Herr Trittin eine Antwort darauf , behauptete er und seine Gesinnungsgenossen immer das gegenteil !

monetarist

28.05.2012, 18:10 Uhr

Trotz dieser Kostensteigerung pro Kilowattstunde sind die Stromkosten unseres Haushalts (4 Personen) seit 2007 durch die Anschaffung neuer Elektrogeräte und Glühbirnen seit 2007 stetig gesunken.

Allerdings hat das ca. 5000 Euro gekostet...

Nachwuchs

28.05.2012, 20:11 Uhr

Genau das wollen unsere Politiker. Die Deutschen sollen auf Strom verzichten und Steuern nur noch für die Verschwendungssucht der Politiker zahlen!

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