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23.01.2013

06:20 Uhr

„Thema sollte Chefsache werden“

SPD setzt Merkel wegen Fachkräftemangel unter Druck

VonDietmar Neuerer

ExklusivDass Fachkräfte rar in Deutschland sind, ist bekannt. Die Bundesregierung wollte sich dem Problem mit einem speziellen Konzept stellen. Heute soll eine Zwischenbilanz gezogen werden. Die SPD spricht schon von Scheitern.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise bei einer Fachkräfteoffensive (Archivbild). dpa

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise bei einer Fachkräfteoffensive (Archivbild).

BerlinDer Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Hubertus Heil, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, die Federführung im Kampf gegen den Fachkräftemangel in Deutschland zu übernehmen. „Die Sicherung des Fachkräftebedarfs sollte Chefsache werden“, sagte Heil Handelsblatt Online. „Deshalb fordern wir einen Deutschen Rat für Fachkräftesicherung, der beim Bundeskanzleramt angesiedelt ist.“ Das Thema Fachkräfte steht heute auf der Tagesordnung des Bundeskabinetts. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will eine Zwischenbilanz ihres Fachkräftekonzepts vorlegen.

Heil warf der Ministerin Versagen vor.  „Die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung hat das Problem weiter verschärft“, sagte er. Durch die „massiven Kürzungen“ in der aktiven Arbeitsmarktpolitik sei vielen Menschen die Chance auf Qualifizierung genommen und der Weg aus der Arbeitslosigkeit versperrt worden. Heil sprach von einer Spaltung auf dem Arbeitsmarkt. „Bereits heute gibt es in bestimmten Regionen und Berufen einen Mangel an Fachkräften. Gleichzeitig hat sich der Sockel von Menschen, die dauerhaft in Langzeitarbeitslosigkeit abgehängt sind, verfestigt.“

Das Konzept der Bundesregierung sieht unter anderem vor, die sogenannte Vorrangprüfung für Maschinen-, Fahrzeugbau-, Elektroingenieure sowie Ärzte auszusetzen, um ausländische Kräfte für den Arbeitsmarkt zu gewinnen. Allerdings äußerte selbst von der Leyen Zweifel an dem Vorhaben. Noch bevor sich das Kabinett vor etwa zwei Jahren damit befasste, dämpfte die CDU-Politikerin schon die Erwartungen. Voraussichtlich würden nicht viele ausländische Fachkräfte kommen, "denn Deutschland hat lange signalisiert, dass wir niemanden brauchen", sagte von der Leyen und fügte hinzu: "Uns ist wichtig deutlich zu machen, sie sind willkommen." Der Fachkräftemangel sei auf mittlere Sicht "die stärkste Bedrohung für Wohlstand und Wirtschaft in Deutschland".

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Heil forderte von der Leyen zum Handeln auf. „Ich erwarte konkrete Taten und weniger warme Worte von Frau von der Leyen“, sagte er. „Es könnte noch viel mehr getan werden, um die vorhandenen Potenziale besser auszuschöpfen: durch Qualifizierung von Jugendlichen, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und bessere Beschäftigungschancen für Ältere.“

Kommentare (36)

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RDA

23.01.2013, 07:51 Uhr

Wenn es tatsächlich einen derartigen Fachkräftemangel gäbe, würde sich das in erheblich steigenden Löhnen und guten Arbeitsverträgen für genau diese Gruppen niederschlagen. Mir sind diverse Elektro-Ingenieure bekannt, die nach wie vor mit mäßig entlohnten Zeitverträgen bzw. über Zeitarbeitsfirmen ihr Dasein fristen.
Den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen sowie bei Lehrern in MINT-Fächern könnte man schlicht durch besondere Gehaltszulagen und in Krankenhäusern durch mehr Personal verbessern - dann gehen unsere ausgebildeten Mediziner auch nicht mehr nach Schweden, Norwegen oder in die Schweiz. Und wenn unser Staat nicht die GKV-Beiträge hierfür erhöhen möchte, dann muss er wohl die Steuerquote erhöhen - die ist nämlich im internationalen Vergleich nach wie vor niedrig.

Account gelöscht!

23.01.2013, 07:57 Uhr

Wer einen solchen Lebenslauf sein eigen nennt, ist prädestiniert, über Wirtschaft zu theoretisieren.
Er hat sein ganzes sogenannte Arbeitsleben, nie wirklich in einem Unternehmen gearbeitet. Also sollte man seinen ruhig vorgetragenen Worten mit Vorsicht begegnen.
Für mich ist und bleibt er ein Theoretiker, ohne Praxis in der Arbeitswelt.
Nach dem Abitur 1992 am Gymnasium am Silberkamp in Peine leistete Heil zunächst seinen Zivildienst ab und begann 1995 ein Studium der Politikwissenschaft und der Soziologie an der Universität Potsdam, das er 2006 an der Fernuniversität Hagen abschloss.
Er war von Anfang 1995 bis Ende 1997 Mitarbeiter der brandenburgischen Landtagsabgeordneten Heidrun Förster und 1998 noch kurzzeitig Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Eva Folta. Gleichzeitig war Heil von 1995 bis 1997 Geschäftsführer bei der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen im SPD-Landesverband Brandenburg.
Für mich gibt es keinen Fachkräftemangel, dies ist eine Politische-Lüge. Alle Unternehmen, müssen verpflichtet werden, ihre Fachkräfte selbst wider auszubilden, was nach meinem Kenntnisstand nur ganz wenige machen. Natürlich ist es leichter, fertig ausgebildete Arbeitnehmer einzustellen, denn damit werden Kosten gespart, ausländische Arbeitnehmer, kosten weniger das Unternehmen, und anfallende Kosten trägt der deutsche Steuerzahler.
Es ist und bleibt eine Lüge der Fachkräftemangel.
Basta

nikta

23.01.2013, 08:06 Uhr

A)Deutschland ist nicht attraktiv für wirklich Top-Spezialisten in Bezug auf Verdienst und langfristige Lebensplanung in Deutschland wegen Bürokratie mit dem Aufenthalt. Sogar Vermeiden Deutsch zu lernen, als komplizierte Sprache, und Englisch im Berufsleben zu nützen ist nicht so kompliziert und abneigend für einen Profi als mit Ausländeramt zu tun zu haben. Wenn Gesetzgeber seit 20 Jahren in dem Bereich nichts gemacht und erreicht haben, dann ist es nur Vorwahl-Quatsch ohne Absicht wirklich etwas zu ändern! Damit ist es Lebenslüge Nummer 1. B) Wenn Sie genaue Statistik brauchen, gucken Sie lieber bei Agentur für Arbeit und noch besser bei Job Centern, wo Ingenieure und Promovierte Akademiker mit, wie sie es so niedlich nennen, mit Migrationshintergrund Hartz IV beziehen, ohne jede Chance zum erlernten Job zu kommen. Nicht wegen Sprache, nicht wegen Anerkennung der Diplomas. Nur wegen Herkunft werden sie sogar zum Vorstellungsgespräch nicht eingeladen. Nun Fazit: alle diese Debatten um Fachkräftemangel dienen nur als Angstmacher um Dumpinglöhne auch für Fachkräfte zu halten. Solange Sie bereits lebenden hier Fachkräfte ausländischer Abstammung diskriminieren, kriegen Sie auch keine vom Ausland. Mehr Ehrlichkeit, bitte, meine Damen und Herren!

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