Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.10.2016

15:24 Uhr

Thomas de Maizière

Persönliches Lob für die zwei Syrer sieht anders aus

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die zwei Syrer gelobt, die den mutmaßlichen Anschlagsplaner von Chemnitz überwältigt haben. Das Lob fiel allerdings recht unpersönlich und allgemein aus.

Nach Festnahme in Chemnitz

So lobt de Maizière lobt Syrer für Einsatz gegen Terrorverdächtigen

Nach Festnahme in Chemnitz: So lobt de Maizière lobt Syrer für Einsatz gegen Terrorverdächtigen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinBundesinnenminister Thomas de Maizière hat die zwei Syrer, die den mutmaßlichen Anschlagsplaner von Chemnitz überwältigt haben, für ihren Einsatz gelobt. „Wenn Menschen, die bei uns leben, bei öffentlichen Fahndungsaufrufen den Sicherheitsbehörden helfen und das möglicherweise unter Inkaufnahme der Gefahr für sie selbst, dann verdient ein solches Verhalten Lob und Anerkennung“, sagte der Minister am Mittwoch in Berlin. Zu Forderungen, den Männern beschleunigt den Flüchtlingsstatus zuzuerkennen, sagte der CDU-Politiker, den hätten sie bereits.

De Maizière äußerte sich auch zu Forderungen, die Männer mit dem Bundesverdienstkreuz zu ehren. Jeder könne einen Menschen für diese Auszeichnung vorschlagen. Darüber entscheide letztlich der Bundespräsident. De Maizière war in die Kritik geraten, weil er zu Wochenanfang zwar den Sicherheitsbehörden nicht aber den beiden Syrern gedankt hatte.

Die Polizei hatte den Syrer am Montag in Leipzig festgenommen, nachdem er von Landsleuten in einer Wohnung überwältigt und gefesselt worden war. Ihm wird vorgeworfen, einen Anschlag auf einen Berliner Flughafen geplant zu haben.

Vereitelte islamistische Anschläge in Deutschland

April 2002

Seit den Attacken vom 11. September 2001 in den USA wurden eine Reihe von Anschlägen in Deutschland vereitelt. Einige aufsehenerregende Fälle im Überblick.
Im April 2002 nimmt die Polizei Anhänger der zum Al-Kaida-Netzwerk zählenden Terrorgruppe Al-Tawhid fest. Die Männer planten Angriffe auf das jüdische Gemeindezentrum in Berlin und jüdische Gaststätten in Düsseldorf. Sie werden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Dezember 2004

Mitglieder der Islamistengruppe Ansar al-Islam planen, Iraks Ministerpräsidenten Ijad Allawi während eines Deutschland-Besuchs zu ermorden. Drei Iraker erhalten deshalb langjährige Haftstrafen. Der verurteilte Chefplaner des Anschlags wird im September 2015 in Berlin von einem Polizisten erschossen, nachdem er dessen Kollegin mit einem Messer schwer verletzt hatte.

September 2007

Die islamistische Sauerland-Gruppe wird gefasst. Die vier Mitglieder werden wegen geplanter Terroranschläge auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland zu mehrjährige Freiheitsstrafen verurteilt.

April 2011

Ermittler nehmen in Düsseldorf drei mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder fest, die einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant hatten. Im Dezember 2011 wird in Bochum ein viertes mutmaßliches Mitglied der Düsseldorfer Zelle gefasst. Die vier Männer müssen mehrere Jahre ins Gefängnis.

März 2013

Die Polizei fasst vier Verdächtige aus der Bonner Islamisten-Szene, die einen Anschlag auf den Chef der rechtsextremen Splitterpartei „Pro NRW“ geplant haben sollen. Einer soll die Bombe in Bonn deponiert haben. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Terroristen in Düsseldorf dauert an.

Februar 2016

Die Polizei kommt einer mutmaßlichen Terrorzelle auf die Schliche und schlägt gleichzeitig in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu. Die vier Verdächtigen hatten womöglich einen Anschlag in Berlin geplant.

Juni 2016

Spezialkräfte der Polizei nehmen drei mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Brandenburg fest. Sie sollen einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben.
(Quelle: dpa)

Oktober 2016

In Leipzig nimmt die Polizei einen Syrer fest. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz hatte der anerkannte Flüchtling Dschaber al-Bakr einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant und bereits weitestgehend vorbereitet.

(Quelle: dpa)

Medienberichten zufolge soll sich Dschaber al-Bakr im Sommer mehrere Monate in der Türkei aufgehalten haben. De Maizière sagte dazu, die Reisetätigkeiten des Mannes, „wie viele, wohin, warum, mit welchem Geld, mit welchen Reisedokumenten“ seien Gegenstand von Ermittlungen. Spekuliert wird, ob sich al-Bakr auch in einem syrischen Islamisten-Camp ausbilden ließ.

Zur Forderung aus der CSU nach Überprüfungen aller hier lebender Flüchtlinge durch die Geheimdienste sagte de Maizière, wenn es irgendeinen Anhalt für ein Sicherheitsproblem bei einem anerkannten Asylbewerber gebe, könne sofort gehandelt werden. Dies sei aus seiner Sicht der richtige Weg. Auch bei Sicherheitsbedenken während der Anhörungen in Asylverfahren würden die Nachrichtendienste eingeschaltet.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×