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09.08.2013

07:13 Uhr

Thomas Oppermann

Steinbrücks Mann für alle Fälle

VonDietmar Neuerer

Er bringt als einziger Farbe ins SPD-Schattenkabinett: Thomas Oppermann. In der NSA-Affäre trumpft er mächtig auf. Damit empfiehlt er sich für höhere Aufgaben. Aber nutzt sein Hau-drauf-Stil auch dem Kanzlerkandidaten?

Thomas Oppermann: Bisher ist es für Steinbrück und die SPD eher ein Hürdenlauf. Doch da kommt der SPD-Fraktionsgeschäftsführer ins Spiel. Gerrit Sievert

Thomas Oppermann: Bisher ist es für Steinbrück und die SPD eher ein Hürdenlauf. Doch da kommt der SPD-Fraktionsgeschäftsführer ins Spiel.

BerlinPeer Steinbrück ist ein großer Freund des Nashorns. Ihn fasziniert die dicke Haut, vor allem aber dass die Tiere langsam loslaufen, schneller werden und dann von nichts und niemandem mehr aufzuhalten sind. Genau so will es der SPD-Kandidat nun im Wahlkampf machen. Beim Wahlkampfauftakt am gestrigen Abend in seiner Geburtsstadt Hamburg gibt er Vollgas. “Merkel lullt uns alle ein,” giftet er vor rund 3000 Zuhörern gegen die Kanzlerin. Und er macht den Genossen Mut: „Wir können den Wechsel schaffen mit Rot-Grün. Und mit mir als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.“

Bisher allerdings ist der Wahlkampf für Steinbrück und die SPD eher ein Hürdenlauf. Nun droht ihm auch das Thema um die Spähaffäre des US-Geheimdienstes NSA, mögliche Verwicklungen des Bundesnachrichtendienstes (BND) und die Frage nach der Verantwortung der schwarz-gelben Bundesregierung abhandenzukommen. Statt Rückenwind, also mal wieder Gegenwind – wäre da nicht Thomas Oppermann.

Der umtriebige SPD-Fraktionsgeschäftsführer ist stets zur Stelle, wenn es darum geht, die neueste Wendung in der NSA-Affäre zu kommentieren. Dafür ließ Oppermann auch einen Teil seines Urlaubs sausen. Fast täglich nimmt er die Bundesregierung unter Beschuss. Man könnte jetzt sagen, es ist sein Job, dies zu tun, weil er der größten Oppositionsfraktion im Bundestag angehört und er überdies auch noch Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums zur Überwachung der Geheimdienste ist.

Doch selbst für die Presse mutet die Häufigkeit und vor allem die Schnelligkeit, mit der Oppermann durch den Berliner Politikbetrieb poltert, etwas seltsam an.  Die „Süddeutsche Zeitung“ nannte Oppermann jüngst einen „Alleinunterhalter“. Allein zwischen dem 5. und dem 26. Juli habe die Pressestelle der SPD-Fraktion zehn kritische Stellungnahmen von ihm verschickt. „Die Bundesregierung kann nicht erklären . . .“, hieß es darin. Oder: „Das erschüttert die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin bis ins Mark.“ Oder: „Die Reise des Bundesinnenministers in die USA war eine Farce.“

Wenn Kinder ständig irgendetwas tun oder sagen müssen, hält man ihnen gerne vor, sie hätten Hummeln im Hintern. So ähnlich wirkt das verbale Dauerfeuer Oppermanns. In der NSA-Debatte ist er es, der die Schlagzahl ständig erhöht und die Bundesregierung vor sich her treibt, während andere SPD-Spitzen sich nur punktuell dazu äußern. Warum auch – immerhin sind Parlamentsferien.

Es ist aber auch Wahlkampf. Und für die SPD geht es um alles oder nichts. Oppermann hat das längst begriffen. Der studierte Jurist ist im Kompetenzteam des SPD-Kanzlerkandidaten als Minister für den Bereich Inneres und Recht vorgesehen. Für ihn geht es also auch um viel. In seiner Partei gilt er schon länger als ministrabel. „Thomas Oppermann ist ein feiner Kerl, immer gut informiert, stark auf der Sachebene, aber gleichzeitig überzeugend in der politischen Attacke“, sagt Johannes Kahrs, Sprecher des einflussreichen Seeheimer Kreises in der SPD. Er schätze den gebürtigen Westfalen, weil er fröhlich und verbindlich im Umgang sei und gut mit Menschen könne.

Kommentare (31)

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Siehe_ftd

09.08.2013, 08:10 Uhr

Früher führte der morgendliche Blick in die Wirtschaftspresse quasi automatisch zuerst zum Handelsblatt.
Heute führt er immer öfter am Handelsblatt vorbei: politischer Meinungsjournalismus, mutmasslich gegen die eigene Kernleserschaft gerichtet.

Der heutige Aufmacher ist wieder so ein Beispiel dafür, dass das Handelsblatt keine Wirtschaftszeitung mehr ist.

Account gelöscht!

09.08.2013, 08:30 Uhr


Nur ein Schröder Wadenbeisser und "Gleitanpasser".

Aus der Hannoverecke kommen nicht nur "unsägliche Landwirtschaftsbarone", die "Hannoverelite aller Parteien" graust ebenfalls.
Meine Stimme kriegt ein Oppermann nie und nimmer.

Account gelöscht!

09.08.2013, 08:33 Uhr

Mit Oppermann, das Grinsen der SPD, hat Steinbrück als politischer Schröderzwilling einen guten Partner, der ihn hilft, dass die Wahlniederlage gelingt,sollte es nicht R/R/G
werden.

Nun hat Steinbrück über Merkel auch noch die Ostdeutschen beleidigt und auch hier geht Steinbrück stramm den Weg von Schröder. Man kann nur hoffen, dass die "Ossis" endlich politisch mitdenken und nicht ihre "Henker" wählen. Immer wenn Oppermann vor einer Kamara tritt, sieht man ihm die Vorfreude schon im grinsenden Gesicht an, gleich etwas weltbewegendes zu sagen.

Aber auch Oppermann ist einer der ohne Grün nicht leben kann und damit treibt er wie die ganze SPD, Tausende Mitglieder aus der Partei hin zu Nichtwählern.

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