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23.02.2016

17:10 Uhr

Tillich zu Fremdenfeindlichkeit

„Ohne Weltoffenheit wird die Zukunft keine gute sein“

VonDietmar Neuerer

Wegen der fremdenfeindlichen Vorfälle in Sachsen steht die Regierung des Landes in der Kritik. Ministerpräsident Tillich kontert die Vorwürfe und fordert einen breiten gesellschaftlichen Aufstand gegen den rechten Mob.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat Vorwürfe zurückgewiesen, die CDU trage eine Mitschuld an der fremdenfeindlichen Stimmung im Land. dpa

Ministerpräsident Tillich

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat Vorwürfe zurückgewiesen, die CDU trage eine Mitschuld an der fremdenfeindlichen Stimmung im Land.

BerlinLange hat der sächsische Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) zu den neuen ausländerfeindlichen Vorfällen in Sachsen geschwiegen – für manche zu lange. Nachdem der Druck auch von Seiten der Wirtschaft immer größer wurde, ging der CDU-Politiker am Dienstag in die Offensive. Nach einer Kabinettssitzung in Dresden versuchte er mit markigen Worten deutlich zu machen, dass er den Ernst der Lage durchaus verstanden hat. „Ohne Weltoffenheit in Sachsen wird die Zukunft keine gute sein“, sagte Tillich.

Diese Weltoffeneinheit hat durch die jüngsten Ereignisse in Clausnitz und Bautzen empfindliche und für den Standort Sachsen gefährliche Kratzer bekommen. In Clausnitz hatten rund 100 Demonstranten ankommende Flüchtlinge angefeindet. Beim vermutlich absichtlich gelegten Brand einer Flüchtlingsunterkunft in Bautzen war die Feuerwehr von einer johlenden Menge beim Löschen behindert worden.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer fürchtet, dass Deutschland insgesamt Schaden nehmen könne. „Es muss selbstverständlich sein, dass Asylsuchende in Deutschland unabhängig von ihrer Bleibeperspektive mit Respekt behandelt werden“, sagte er. Zuvor hatte der Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden, Detlef Hamann, im Handelsblatt vor negativen Auswirkungen auf den Standort Sachsen gewarnt.

Sachsen in Zahlen

Einwohnerzahl

In Sachsen leben nach Berechnungen des Landesstatistikamts rund 4,055 Millionen Menschen. Bei einer Fläche von 18.420 Quadratkilometern kommt das Bundesland auf etwa 220 Einwohner pro Quadratkilometer (Bundesdurchschnitt 225; Höchstwert Berlin 3785).

Finanzen

Zum Stichtag 30. September 2015 hatte das Land rund 6,6 Milliarden Euro Schulden. Seit der Aufnahme in den Länderfinanzausgleich 1995 gehört das Land zu den Nehmerländern – im Schnitt erhielt Sachsen seither rund eine Milliarde Euro pro Jahr. Die Wirtschaft des Freistaats wuchs im ersten Halbjahr 2015 leicht um 1,7 Prozent.

Arbeitslosigkeit

Im Januar 2016 betrug die Arbeitslosenquote in Sachsen 8,5 Prozent. Das liegt zwar unter dem ostdeutschen Durchschnitt von 9,6 Prozent, aber immer noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt (6,7 Prozent).

Bevölkerungsentwicklung

Seit 1950 ist die Einwohnerzahl Sachsens rückläufig. Viele Ortschaften dünnen durch Abwanderung aus. So haben seit 1950 rund eine halbe Million Sachsen das Bundesland verlassen. Bis 2030 soll die Einwohnerzahl nach einer Prognose der Bertelsmann-Stiftung auf 3,7 Millionen Menschen schrumpfen.

Der durchschnittliche Sachse

Der Durchschnittssachse ist 46,6 Jahre alt und hat 1,57 Kinder. Damit liegt die Kinderquote deutschlandweit an erster Stelle unter den Bundesländern. Bei der Geburt ihres Kindes waren sächsische Mütter im Jahr 2013 durchschnittlich 27,6 Jahre alt (Bundesdurchschnitt 29,3 Jahre).

Religion

Der überwiegende Teil Sachsens ist laut Zensus 2011 konfessionslos (72,6 Prozent) oder evangelisch getauft (21,4 Prozent).

Angriffe auf Asylbewerberheime

Angriffe auf Asylbewerberheime werden mit deutlicher Mehrheit vor allem in Sachsen verübt. Allein von Januar bis September 2015 gab es im Freistaat 159 Attacken auf Unterkünfte – Platz 2 ging mit „lediglich“ 72 Übergriffen an Brandenburg.

Auch die deutsche Chipindustrie ist alarmiert. Sachsen ist traditionell das Mekka der Halbleiterindustrie in Deutschland. Rund 50.000 Menschen arbeiten dort in der Branche, Infineon und der arabische Auftragsfertiger Globalfoundries unterhalten hier wichtige Werke. „Die Schlagzeilen, die jeden Tag auf uns als Bürger und Unternehmer einprasseln, machen ziemlich klar, dass wir ein Problem haben. Das ist eindeutig“, sagte Heinz Martin Esser, Präsident des regionalen Branchenverbands Silicon Saxony.

Tatsächlich leidet die Wirtschaft in dem Bundesland schon. Wie eine jüngste Zahlen beweisen, sind die Touristenzahlen für Dresden erstmals nach sechs Jahren rückläufig. Im vergangenen Jahr gingen die Übernachtungen um 3 Prozent auf 4,3 Millionen zurück, bei den Ankünften gab es ein Minus von 2,3 Prozent. Bettina Bunge, die Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH (DMG), sprach am Dienstag von einem "Pegida-Effekt" und einem Imageverlust für die sächsische Landeshauptstadt aufgrund der fremdenfeindlichen Parolen. Das habe auch eine repräsentative Markenstudie gezeigt.

Kommentare (23)

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Herr Marc Otto

23.02.2016, 17:31 Uhr

Mal ehrlich, hat es zu Silvester / Köln auch so einen Aufschrei der Entrüstung gegeben? Immerhin, was da passiert war und in vielen anderen Städten, war ja schrecklich und hat sich GEGEN die Einwohner dieses Landes gerichtet? .

Herr Egon Rasselpferd

23.02.2016, 17:35 Uhr

Also auch wenn es unser Landesvater anders sieht:
Die Situation wäre nicht so wenn die Regierungen der Bundesländer (auch Sachsens) den Alleingang der Kanzlerin nicht unterstützt hätten. Bei deutlicher Kritik an ihrem Vorgehen wären diese vielen Menschen nicht da.
Außerdem gilt nicht das mangelnde Weltoffenheit das Problem ist sondern das massenweise ungebildete Menschen in unserer Sozialsystem einwandern. Dazu kommen die krassen Unterschiede zwischen den islamischen Einwandern und unserer eigenen Grundkultur.
Menschen aus kompatiblen Kulturkreisen - sind überall in Sachsen willkommen.
Leider sind die Menschen aus Nordafrika mit uns nicht kompatibel.
Auch bei Syrern / Afghanen ... dürfen ernsthafte Zweifel bestehen, die die da kommen haben viel Geld für Schlepper ausgegeben und wollen das wieder reinholen....

Aber trotzdem: Brandstiftung ist eine Straftat, Nötigung auch.
Beides ist geschehen und einzelne Menschen (Asylbewerber) anzupöbeln ist keine Lösung.

Herr Marc Otto

23.02.2016, 17:37 Uhr

Sorry muss mich entschuldigen, selbstverständlich hat es (gegen den Maulwurf) diesen Aufschrei gegeben . Die arabisch muslimischen Vergewaltiger läßt man laufen, aber jetzt ermittelt man gegen den Maulwurf.

Ich frage mich nur, warum das HB davon nichts berichtet?

Warum berichtet das HB nichts davon, dass die Staatsführung von China (evlt, auch von anderen Ländern) ihren Jugentlichen untersagt in Deutschland zu studieren?

Grund: Muslimische Banden und Flüchtlinge verursichern die Städte. Ausdrücklich ist da nicht von den Rechten die Rede, sondern von arabisch, muslimischen Banden?
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