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29.06.2016

11:00 Uhr

TK-Gesundheits-Report

Job? Mehr Last als Lust

VonPeter Thelen

Überlastung, Stress, Termindruck: Arbeitnehmer leiden immer häufiger unter ihrem Job, zeigt eine Studie. Selbst in der Freizeit bekommen viele den Beruf nicht aus ihrem Kopf. Das hat Folgen – auch für den Arbeitgeber.

Viele Arbeitnehmer fühlen sich vom Job gestresst – auch in der Freizeit.

Überarbeitet

Viele Arbeitnehmer fühlen sich vom Job gestresst – auch in der Freizeit.

BerlinDie Arbeit wird für immer mehr Menschen von der Lust zur Last. Dies belegt eine neue Studie der Techniker-Krankenkasse (TK). Seit 2002 betreibt die Kasse mit eigenen Beratern aktives Gesundheitsmanagement in Betrieben. Nun hat sie insgesamt 29 Einzelbefragungen von fast 9.000 Arbeitnehmern ausgewertet.

Vertreten waren Betriebe aus dem produzierenden Gewerbe genauso wie Dienstleistungsunternehmen und der Öffentliche Dienst. Ziel der Untersuchung war herauszufinden, wie sich die Arbeitsbelastung mit der Zeit verändert hat. Zwar sind sieben von zehn Befragten mit ihrer Jobsituation insgesamt immer noch zufrieden. „Doch der Belastungslevel steigt“ sagt der Vorstandschef der TK, Jens Baas. „Wir haben die zwölf Jahre in zwei Befragungszeiträume aufgeteilt. Dabei zeigt sich, dass in der ersten Phase von 2002 bis 2009 nur drei von zehn Befragten angaben, dass sie ihre Arbeit auch nach Feierabend stresst. Im späteren Zeitraum der Jahre 2010 bis 2015 sagten das fast zwei Fünftel der Befragten.“

In acht Schritten zum Burn-Out

Erster Schritt

Es beginnt alles mit dem Wunsch, sich zu beweisen. Dieser aber treibt einen in den Zwang, sich noch mehr anzustrengen, noch mehr zu leisten bzw. es allen recht zu machen. Man nimmt jeden Auftrag an, sagt immer seltener Nein. Jettet von Termin zu Termin. Und nimmt abends Arbeit mit nach Hause.

(Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit)

Zweiter Schritt

Man nimmt seine eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahr. Schläft zu wenig, isst hastig oder gar nichts. Sagt den Kinobesuch mit Freunden ab.

Dritter Schritt

Man missachtet die Warnsignale des Körpers, wie Schlafstörungen, Verspannungen, Kopfschmerzen, hoher Blutdruck, flaches Atmen, Konzentrationsschwäche.

Vierter Schritt

Um wieder funktionieren zu können, greifen manche zu Drogen wie Schmerzmitteln, Schlaftabletten, Alkohol, Aufputschern.

Fünfter Schritt

Das eigene Wertesystem verändert sich. Die Freunde sind langweilig, der Besuch mit dem Kollegen im Café verschwendete Zeit. Die Probleme mit dem Partner oder Familie nimmt man einfach nicht mehr wahr. Man zieht sich zurück aus gesellschaftlichen Kontakten. Und endet oft in völliger Isolation.

Sechster Schritt

Die Persönlichkeit verändert sich. Alles dreht sich nur noch darum, zu funktionieren, zu arbeiten. Gefühle und Emotionen werden verdrängt. Man verliert den Humor, reagiert mit Schärfe und Sarkasmus, empfindet Verachtung für Menschen, die das Faulsein genießen. Man verhärtet.

Siebter Schritt

Man verliert das Gefühl für die eigene Persönlichkeit. Spürt nur noch Gereiztheit, Schmerzen, Erschöpfung, Überlastung, Angst vor einem Zusammenbruch. Und sonst nichts mehr. Keine Freude, keine Fröhlichkeit, keine Neugierde. Der Mensch funktioniert wie eine Maschine. Die Seele erstarrt.

Achter Schritt

Die wachsende innere Leere, genährt von dem Gedanken "Wenn ich nicht arbeite, was bin ich dann?", führt zur Depression, zur völligen Erschöpfung, zum Zusammenbruch, zum Ausgebranntsein.

Dabei ist besonders bemerkenswert, dass der Anteil der Arbeitnehmer, die sich Arbeit mit nach Hause nehmen, in den vergangenen zwölf Jahren kaum gestiegen ist. Zugenommen hat aber die Unzufriedenheit mit dieser Situation. Das Verschmelzen von Arbeit und Privatleben steigt mit der Position im Unternehmen. Zwei Drittel der befragten Führungskräfte geben an, sich auch außerhalb der offiziellen Arbeitszeit mit beruflichen Belangen zu befassen. Von ihnen empfindet immerhin jeder zweite das als Belastung. Unter der Beschäftigten ohne eigene Führungsverantwortung sagen allerdings drei von vieren, dass sie sich durch diese Situation gestresst fühlen.

Auch sonst hat die Zufriedenheit mit dem Job eher abgenommen. Beklagten sich vor 2009 vier von zehn Arbeitnehmern über eine ziemlich oder sehr starke Zusatzbelastung, waren das im Befragungszeitraum der vergangenen fünf Jahre bereits die Hälfte der befragten Arbeitnehmer. Nur 12,7 Prozent sind mit ihrer Arbeitssituation rundum zufrieden. Als überhaupt nicht oder kaum zufrieden bezeichnen sich 30 Prozent.

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