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29.06.2013

14:57 Uhr

Todesschuss in Berlin

Polizeigewerkschaft verteidigt Schützen

Die Gewerkschaft der Polizei hält den tödlichen Schuss auf einen nackten Mann in Berlin für angemessen. Es habe sich um einen lebensbedrohlichen Angriff gehandelt. Mittlerweile kursiert ein Video der Szene im Netz.

Ein blutverschmiertes Hemd, Hose und Schuhe liegen auf den Stufen des Neptunbrunnens vor dem Roten Rathaus in Berlin. Der nackte Mann hatte die Aufforderung, das Messer fallen zu lassen, ignoriert. dpa

Ein blutverschmiertes Hemd, Hose und Schuhe liegen auf den Stufen des Neptunbrunnens vor dem Roten Rathaus in Berlin. Der nackte Mann hatte die Aufforderung, das Messer fallen zu lassen, ignoriert.

BerlinNach dem tödlichen Schuss eines Polizisten auf einen nackten Mann in Berlin hat die Deutsche Polizeigewerkschaft das Vorgehen des Beamten verteidigt. Kein Polizist mache es sich leicht, auf einen anderen Menschen zu schießen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Bodo Pfalzgraf, am Samstag im rbb-Inforadio. „Wenn am Ende jemand mit der Waffe auf einen losgeht, dann ist auch das staatliche Gewaltmonopol gefragt, weil man nicht alle Konflikte dieser Welt sprachlich lösen kann.“

Der Beamte hatte am Freitag auf den verwirrt wirkenden Mann geschossen, nachdem der ihn nach Polizeiangaben mit einem 20 Zentimeter langen Messer im Neptunbrunnen am Roten Rathaus angegriffen hatte. Der 31-Jährige hatte sich zuvor mit dem Messer mehrfach selbst verletzt. Auf die „Messer weg“-Rufe reagierte er nicht, wie auch ein Video der Szene zeigt. Der Beamte schoss daraufhin. Die Kugel durchschlug laut der Obduktion die Lunge des Mannes. Er starb wenig später im Rettungswagen. Der Beamte wollte den Mann nach Angaben der Staatsanwaltschaft beruhigen und aus dem Brunnen herausholen.

Die Mordkommission des Berliner Landeskriminalamts ermittelt nun gegen den Polizisten wegen Totschlags. Nach Einschätzung Pfalzgrafs war das Vorgehen des Beamten angemessen, auch der Schuss auf den Brustkorb. Bei Notwehr sei der ganze Körper die Trefferfläche. „Man muss diesen lebensbedrohlichen Angriff abwehren. Da wird nicht trainiert, auf Arme und Beine zu schießen.“ Es sei auch nicht möglich alle Berliner Beamten zu Scharfschützen auszubilden, die in solchen Situationen auf Arme oder Beine zielen, so Pfalzgraf.

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In Berlin hat ein Polizist am Freitag einen nackten Mann erschossen. Der 31-Jährige soll mit einem Sägemesser auf den Beamten losgegangen sein. Es spreche einiges für Notwehr, befand die Staatsanwaltschaft.

Ein Video der Erschießungsszene verbreitet sich mittlerweile im Internet, vor allem über Youtube und Facebook. Das löst Kritik an den Seitenbetreibern aus. „So etwas darf nicht gepostet werden. Wenn es etwas gibt, wo Facebook sofort reagieren muss, damit die Bilder aus dem Netz genommen werden, dann sind das solche Fälle“, sagte der CDU-Medienexperte und Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Die Bilder des zigfach geteilten Videos seien „menschenverachtend“.

Ähnlich äußerte sich dem Magazin zufolge auch ein Sprecher von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU): „Offenbar reichen die technischen Instrumente und die Teams, die Inhalte der Seiten angeblich rund um die Uhr prüfen, nicht aus.“

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hat sich nach dem tödlichen Schuss für den Einsatz von Elektroschock-Pistolen ausgesprochen. Sogenannte Taser seien trotz Risiken ein vergleichsweise mildes Mittel, sagte Henkel der „B.Z. am Sonntag“. Es sei durchaus ratsam, erneut darüber zu diskutieren. „Allerdings ist völlig unklar, ob es dafür eine politische Mehrheit gäbe“, zitiert die Zeitung den Minister.

Das Vorgehen des Polizisten selbst verteidigte Henkel: „Was auf dem Video nicht zu sehen ist, ist die Ich-Perspektive und das Innenleben eines Polizisten, der Millisekunden hat, um eine Entscheidung zu treffen, auch über sein eigenes Leben.“ Es spreche vieles dafür, dass der Beamte in Berlin in Notwehr gehandelt habe.

Von

dpa

Kommentare (13)

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Rechner

29.06.2013, 16:20 Uhr

O-Ton Polizeigewerkschaft Bodo Pfalzgraf
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„Wenn am Ende jemand mit der Waffe auf einen losgeht, dann ist auch das staatliche Gewaltmonopol gefragt, weil man nicht alle Konflikte dieser Welt sprachlich lösen kann.“
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Diese Art von abgrundtief dummem Gesülze ist mal wieder typisch für Gewerkschaftsbonzen.

Denn erstens gibt es kein "staatliches Gewaltmonopol", sondern ein Recht eines jeden Bürgers auf Notwehr und Widerstand.

Und zweitens mag es durchaus sein, daß es in dem Moment in dem der Schuß abgegeben wurde entschuldbar oder sogar vertretbar war zu schießen.

Die Frage ist aber auch, inwieweit der Schütze durch sein eigenes Verhalten diese Situation selbst mitverursacht hat.

Schließlich war er nicht gezwungen, mit gezogener Waffe in den Brunnen zu steigen - eine unmittelbare Gefahr für dritte bestand zu diesem Zeitpunkt nämlich nach vorliegenden Informationen nicht.

Das macht aus dem Todesschuß zwar keinen Mord und auch kein Verbrechen, wie von diversen Chaoten behauptet wird.

An der Eignung des Schützen für den Polizeidienst kommen aber erhebliche Zweifel auf.

Account gelöscht!

29.06.2013, 16:30 Uhr

Meine Anteilnahme gehört dem Polizisten, der entschieden hat zu Schießen. Bin mal gespannt, welche Diskussionen in Berlin wieder losgetreten werden,wenn schon der Einsatz von Pfefferspray in dieser Stadt auf einer Initiative der Jusos hin, verboten werden soll. Wundern würde es mich nicht, angesichts der Tatsache, dass man als Funkwagenbesatzung oder Ermittler der Kripo, die zum Einsatz fährt, auch wenn er "Nicht eilbedürftig" ist, einen Parkschein zu ziehen hat, obwohl ordnungswidriges Parken durch eine rechtmäßige Amtshandlung gerechtfertigt ist. Irgendwann kann man als Schutzmann in Berlin nur noch sagen: "Macht eure Scheiße selbst."

Rechner

29.06.2013, 16:45 Uhr

O-Ton Christdemagoge Michael Kretschmer
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„So etwas darf nicht gepostet werden. Wenn es etwas gibt, wo Facebook sofort reagieren muss, damit die Bilder aus dem Netz genommen werden, dann sind das solche Fälle“, sagte der CDU-Medienexperte und Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Die Bilder des zigfach geteilten Videos seien „menschenverachtend“.
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"Menschenverachtend" ist bloß der Zensurreflex dieser Systemfigur.

Selbstverständlich hat jeder Bürger das Recht Beweismittel hinsichtlich des Treibens der Polizei zu sehen.

Wie soll er sich sonst ein Urteil bilden?

Auf die "unabhängige Justiz" und Sesselfurzer vom Schlage Kretschmer kann man sich offensichtlich nicht verlassen.

...

Bezeichnend für die Bildungsferne des Politdarstellers Kretschmer ist auch der falsche Gebrauch von "wo" in "Wenn es etwas gibt, wo Facebook sofort reagieren muss".

Ein "Medienexperte" und Fraktionsvorsitzender, der nicht einmal seine Muttersprache beherrscht!

Geht es noch peinlicher?

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