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04.11.2013

19:30 Uhr

Tom Enders

EADS-Chef fordert Aufrüstung der Nachrichtendienste

ExklusivTom Enders ruft zur stärkeren Abwehr von Spionage und Gegenmaßnahmen auf. Der BND müsse in der Liga der Briten und der Franzosen spielen, sagt der EADS-Chef. Die Bundesregierung müsse sich der Herausforderung stellen.

EADS-Chef Tom Enders auf der Hauptversammlung des Konzerns im Mai: „Der BND muss in derselben Liga spielen wie seine britischen und französischen Pendants.“ dpa

EADS-Chef Tom Enders auf der Hauptversammlung des Konzerns im Mai: „Der BND muss in derselben Liga spielen wie seine britischen und französischen Pendants.“

BerlinEADS-Chef Tom Enders fordert die Bundesregierung auf, „die deutschen Nachrichtendienste aufzurüsten.“ Mit Blick auf die neuen Bedrohungen und entsprechend der wirtschaftlich-technologischen wie auch politischen Bedeutung Deutschlands in der Welt müsse schnell gehandelt werden. In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt (Dienstagausgabe) schreibt Enders, „Benchmark sollten die diesbezüglichen Fähigkeiten Frankreichs und Großbritanniens sein.“

Wer sich wehren möchte, müsse, so Enders, über Mittel zur Abwehr und Gegenspionage verfügen. Das verschaffe Respekt und Optionen für Kooperation, wo dies im eigenen Interesse liegt. „Der BND muss in derselben Liga spielen wie seine britischen und französischen Pendants.“ Sich dieser Herausforderung nicht zu stellen und „stattdessen den Eindruck zu erwecken, die größte Gefahr für die westliche Wirtschaft und Politik gehe von der NSA aus“, wäre unverantwortlich.

Die NSA-Spähaffäre und die Causa Snowden

5.Juni

Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, dass der Handynetzbetreiber Verizon dem US-Geheimdienst NSA auf der Grundlage eines geheimen Gerichtsurteils täglich Informationen zu allen Telefonanrufen innerhalb der USA sowie zwischen der USA und anderen Ländern übermitteln muss.

6. Juni

Berichten der "Washington Post" und des „Guardian“ zufolge dürfen die NSA und die Bundespolizei FBI auf Serverdaten der Internetkonzerne Google, Microsoft, Yahoo, Facebook, Apple, Youtube, Skype, AOL und PalTalk zugreifen. Das geheime Überwachungsprogramm wurde demnach 2007 eingeführt.

9. Juni

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der über Hawaii nach Hongkong geflohen war, gibt sich als Quelle der Enthüllungen zu erkennen. Drei Tage später beschuldigt er Washington, weltweit "hunderttausende Computer" zu überwachen.

21. Juni

Die US-Regierung beschuldigt Snowden der Spionage, des Diebstahls und der illegalen Nutzung von Regierungseigentum. Washington verlangt von Hongkong die Auslieferung des IT-Experten.

23. Juni

Snowden, gegen den inzwischen ein Haftbefehl vorliegt, reist nach Moskau. Sein Reisepass wurde von den US-Behörden ungültig gemacht. Der ecuadorianischen Regierung liegt nach eigenen Angaben ein Asylantrag Snowdens vor. Washington warnt Moskau und Peking vor diplomatischen Konsequenzen.

1. Juli

Putin bietet Snowden ein Aufenthaltsrecht in Russland an, fordert aber, dass der Informant seine Aktivitäten gegen die USA einstellt. Nach Angaben der Plattform „Wikileaks“ hat Snowden in zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, um politisches Asyl ersucht.

2. Juli

Mehrere Staaten lehnen Snowdens Asylantrag ab. Nach Ländern wie Deutschland, Österreich, Brasilien, Spanien und Polen erteilen ihm am Tag darauf auch Frankreich und Italien eine Absage.

21. Juli 2013

Das Bundesamt für Verfassungsschutz räumt ein, es teste ein NSA-Spähprogramm, setze es aber derzeit nicht ein. Der „Spiegel“ berichtet, der BND habe sich für eine laxere Auslegung deutscher Datenschutzgesetze eingesetzt, um den Austausch zu erleichtern.

1 .August

Snowden erhält vorläufiges Asyl in Russland und verlässt den Flughafen. Er darf nun ein Jahr lang im Land bleiben, sein russischer Wohnort wird aus Sicherheitsgründen geheimgehalten.

7. August

US-Präsident Barack Obama sagt ein für Anfang September geplantes Einzeltreffen mit Putin am Rand des St. Petersburger G-20-Gipfels wegen der Spannungen um Snowden ab.

31. Oktober

Unter strenger Geheimhaltung trifft der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele Snowden in Russland. Der Informant habe grundsätzliches Interesse, in Deutschland zur NSA-Spähaffäre auszusagen, sagt Stöbele anschließend.

Zum anderen, so Enders, sollte Deutschland die Zusammenarbeit der westlichen Nachrichtendienste untereinander und mit der Wirtschaft bei der Abwehr von Cyber-Angriffen auf Schlüsselindustrien, Technologien und Infrastrukturen vorantreiben. „Die Wirtschaft, vor allem High-Tech-Unternehmen, muss sich mit Ressourcen ausstatten, um über Grenzen hinweg und mit den Abwehrdiensten der Regierungen kooperieren zu können.“

Von

HB

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

04.11.2013, 20:00 Uhr

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) und der Bundesnachrichtendienst (BND) sollten sich den Herausforderungen stellen. Mit dem Vertrauen ist das so eine Sache. Deutschland hat sich von den USA zu sehr einlullen lassen. Jedes Land kämpft um wirtschaftliche Erfolge. Unter diesen gnadenlosen Konkurrenzkampf darf es keine Freundschaften geben. Politische Vereinbarungen und wirtschaftliche Abkommen machen noch keine Freunde.

Vielleicht sollten wieder mehr persönliche Gespräche für wichtige Entscheidungen ohne Nutzung der elektronischen Medienwelt stattfinden. PC, Handy, Smartphones und Telefon bieten keine Abhörsicherheit mehr.

Account gelöscht!

04.11.2013, 20:05 Uhr

Sehr richtig Herr Enders!
Und um das ganze finanzieren zu können, müssen wir bedauerlicherweise für alle Konzerne die deutschen und europäischen Steuergestaltungsschlupflöcher via Niederlande in Steueroasen schließen!!! Mal schauen was VW, Starbucks, Google, Daimler etc. dazu sagen werden.

Honorarredner

04.11.2013, 20:10 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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