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15.01.2015

17:30 Uhr

Toter Asylbewerber

Polizei Dresden unter Druck

In einer Dresdner Plattenbausiedlung wird ein toter Asylbewerber gefunden. Hinweise auf Fremdeinwirkung gibt es zunächst nicht – sagt die Polizei. Die Obduktion ergibt etwas anderes. In Dresden schlagen die Wellen hoch.

In einer Plattenbausiedlung in Dresden ist die Leiche eines 20 Jahre alten Mannes aus Eritrea gefunden worden. Die Polizei ermittelt wegen Totschlags. dpa

In einer Plattenbausiedlung in Dresden ist die Leiche eines 20 Jahre alten Mannes aus Eritrea gefunden worden. Die Polizei ermittelt wegen Totschlags.

DresdenNach dem gewaltsamen Tod eines 20-jährigen Asylbewerbers in Dresden wächst der Druck auf die Polizei. Auch angesichts der von den wöchentlichen Pegida-Demonstrationen angeheizten Stimmung in der Stadt forderten Politiker eine rasche Klärung. Dresdens Polizeipräsident Dieter Kroll räumte nach Angaben der Grünen im Innenausschuss des sächsischen Landtags eine anfängliche Fehleinschätzung der Todesursache ein.

Die Leiche des jungen Mannes aus dem nordostafrikanischen Eritrea war am Dienstagmorgen vor einem Wohnhaus in einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden worden. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben zunächst keine Hinweise auf Fremdeinwirkung festgestellt. Erst die Obduktion ergab, dass der Mann durch Messerstiche in Hals und Brust getötet worden war.

„Der Fall muss nun unverzüglich aufgeklärt werden, damit wir wissen, wie es zustande gekommen ist, was passiert ist, und wer es gewesen ist“, meinte Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD). Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) warnte vor Spekulationen. Sie sagte: „Ich glaube, mir geht es wie vielen, dass diese Tat an einem Asylbewerber aus Eritrea, der in unserer Stadt gelebt hat, viele Fragen aufwirft.“

Polizeipräsident Kroll habe gesagt, dass ein Notarzt noch am Fundort der Leiche zu dem Schluss gekommen sei, dass es sich um einen offenen Schlüsselbeinbruch handele, hieß es nach der Innenausschusssitzung. „Die Messerstiche waren zunächst nicht erkennbar gewesen“, sagte auch Oberstaatsanwalt Lorenz Haase. Die Polizei habe aber dennoch sofort eine Obduktion angeordnet.

Was ist los in Deutschlands Flüchtlingsunterkünften?

Warum müssen Asylbewerberheime bewacht werden?

Seit Jahresbeginn 2014 haben mehr als 115.000 Menschen in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Das Bundesamt für Migration verteilt die Asylbewerber auf die verschiedenen Bundesländer. Einige Erstaufnahme-Einrichtungen sind sehr überfüllt. Das führt zu Konflikten zwischen den Bewohnern, die zum Teil aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen stammen. Deshalb greifen die Betreiber auf die Dienste privater Sicherheitsfirmen zurück. Wenn es allerdings um Straftaten geht oder darum, die Bewohner vor Gewalt von außen - etwa durch Neonazis – zu schützen, muss die Polizei anrücken.

Wer betreibt die meisten Heime?

Für die langfristige Unterbringung nach der Erstaufnahme sind die Kommunen in Abstimmung mit der Landesregierung zuständig. Einige Bezirksregierungen - zum Beispiel in Bayern - heuern zwar private Sicherheitsfirmen an, die Unterkünfte betreiben sie aber selbst. In Hamburg kümmert sich die städtische Gesellschaft „fördern und wohnen“ um die Betreuung der Flüchtlinge. „Der Einsatz von Privaten kommt für uns nicht infrage“, sagt ein Sprecher der Sozialbehörde. In Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern werden einige Flüchtlingsheime von Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz oder den Maltesern betrieben, andere von privaten Unternehmen.

Wie viele Unterkünfte betreibt die Firma European Homecare?

Diese Firma organisiert nach eigenen Angaben bundesweit die Unterbringung, Verpflegung und Betreuung von Asylbewerbern und Flüchtlingen in 40 Einrichtungen. Für die Bewachung der Gebäude holt sie externe Sicherheitsfirmen ins Haus.

Wer kontrolliert die Sicherheitsfirmen?

Die Kontrollen sind an einigen Standorten lückenhaft, meist wird jedoch zumindest ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt. Die zwei Sicherheitsfirmen Siba und Kötter, die in Rheinland-Pfalz zwei Erstaufnahmeeinrichtungen bewachen, verlangten bei der Einstellung neuer Mitarbeiter „kultursensibles Verhalten“, sagt die Sprecherin des Integrationsministeriums in Mainz, Astrid Eriksson. Problematisch wird es nach Einschätzung von Experten, wenn die Sicherheitsaufgaben von einem Subunternehmer zum nächsten weitergereicht werden. Am Ende dieser Kette steht oft eine unterbezahlte Hilfskraft ohne jede Ausbildung. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, „dass man dem Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, der das Hausrecht durchsetzen soll, auch ein Stück Macht überträgt“.

Der Grünen-Politiker Volker Beck erstattete Strafanzeige gegen unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt. „Erst nach der Obduktion des Opfers räumt die Polizei ein Fremdverschulden ein und schickt erst 30 Stunden nach der Tat die Spurensicherung an den vermeintlichen Tatort“, sagte Beck zu „Mopo24“ - dem Internetportal der „Dresdner Morgenpost“.

„Flüchtlinge in dieser Stadt haben Angst“, sagte eine Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Sachsen, deren Mitarbeiter den 20-Jährigen und dessen Mitbewohner bisher betreut haben. In der vergangenen Woche habe ein Kollege von Tritten gegen die Wohnungstür der Asylbewerber sowie von Hakenkreuz-Schmierereien im Hausflur berichtet.

Laut Oberstaatsanwalt Haase laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Hinweise auf Täter, Hintergründe und Umstände des Verbrechens gebe es derzeit aber noch nicht.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Teito Klein

15.01.2015, 19:25 Uhr

Asylbewerber erstochen
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Der "mutmaßliche" Täter wird in der rechten Szene vermutet. (Pegida, NPD, etc.).
Die Tatwaffe (Messer) wurde nicht gefunden.
Beck (Grüne) vermutet Strafvereitelung im Amt.
Eine Auseinandersetzung unter Asylbewerbern wird ausgeschlossen.

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