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12.08.2012

20:18 Uhr

Transplantationsexperte

Ärzte leiden unter Organ-Quote

Transplantationszentren müssen zu Jahresbeginn eine verbindliche Prognose abgeben, wie viele Organtransfers sie durchführen werden. Der eigene Quotendruck lässt Ärzte dann häufig unethisch handeln, sagt ein Experte.

Ärzte verschließen nach einer Nierentransplantation die Wunde. dpa

Ärzte verschließen nach einer Nierentransplantation die Wunde.

BerlinFehlverhalten von Ärzten im Zusammenhang mit Organspenden wird nach Ansicht des Transplantationsexperten Helmut Arbogast durch ökonomischen Druck begünstigt. „Der wirtschaftliche Druck, der von den Controllern auf die Ärzte ausgeübt wird, ist mitunter immens“, sagte der designierte Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Helmut Arbogast, der Tageszeitung „taz“(Montag). „Ich kann mir vorstellen, dass es unter diesem Druck dann auch den einen oder anderen Arzt gibt, der unethisch handelt.“

Die 48 Transplantationskliniken müssten bereits zu Jahresanfang verbindliche Prognosen für die Zahl ihrer Transplantationen treffen. Erfüllten sie diese nicht, habe das Auswirkungen auf Stellenpläne und Geldzuteilungen, mitunter sogar auf die Existenz der Transplantationszentren. „Wir Ärzte werden durch pekuniäre Zwänge dazu ermutigt, nicht unbedingt die für den Patienten bestmögliche Therapie auszuwählen, sondern eine preiswerte. Oder eine, die eine lukrative Fallpauschale verspricht“, erklärte Arbogast.

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Der Leiter des Transplantationszentrums an der Technischen Universität München, Uwe Heemann, argumentierte, dass auch der Mangel an Organen die Ärzte in Interessenskonflikte bringe. Solange dieser existiere, werde „jeder Arzt versuchen, dass der eigene Patient ein Organ bekommt“.

Von

dpa

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